Studienergebnis Bewerbungsgespräche sollten im Team geführt werden

Ideal ist es, wenn drei voneinander unabhängige Personen mit unterschiedlicher Erfahrung gemeinsam über einen neuen Mitarbeiter entscheiden.

(Foto: dpa-tmn)

Wenn nur ein Personaler über den neuen Mitarbeiter entscheidet, könnte er auch eine Münze werfen.

Von Aloysius Widmann

Wenn man der Beste unter mehreren guten Bewerbern für einen Job ist und nur einem Menschen im Bewerbungsgespräch gegenübersitzt, dann ist es völlig egal, ob der Personaler wegen des Gesprächs und des Lebenslaufs entscheidet oder ob er eine Münze wirft. Letztlich ist es reiner Zufall, ob wirklich der Beste den Job bekommt, wie eine Studie des britischen Behavioural Insights Teams (BIT) zeigt. Das ist frustrierend für Bewerber und schlecht für Unternehmen. Im Wettbewerb kann der Unterschied zwischen "gut" und "der Beste" allerhand ausmachen.

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Es gibt aber einen Ausweg: Um die besten Bewerber zu rekrutieren, müssen Firmen einfach auf kollektive Intelligenz setzen. Dass eine Gruppe im Schnitt bessere Entscheidungen trifft als Einzelpersonen, ist in der Arbeitswelt mittlerweile zwar angekommen. Dass man aber nicht gleich die halbe Belegschaft als Personaler zweckentfremden muss, um die besten Personalentscheidungen zu treffen, zeigt die BIT-Studie auch. Das Ergebnis: Gruppen ab drei Personen treffen viel bessere Personalentscheidungen als Einzelpersonen.

Die Zahlen sind eindeutig: Bei offensichtlichen Qualitätsunterschieden zwischen den Bewerbern wählen Einzelpersonen in 16 Prozent der Fälle die geringer qualifizierte Person aus. Dreiergruppen passiert das im Schnitt nur sechsmal in hundert Personalentscheidungen.

Bewerbungsgespräch oder Münzwurf - oft macht das keinen Unterschied

Wenn die Qualitätsunterschiede nicht so offenkundig sind, kann sich die Firma den Bewerbungsprozess sogar ganz sparen, wenn sie kein Recruiter-Team einsetzen will. Denn die Personalentscheidungen von Einzelpersonen sind gleich gut, wenn sie per Münzwurf zustande kommen.

Das liegt auch daran, dass Menschen oft impulsiv entscheiden oder von Vorurteilen geleitet sind: Jeder findet bestimmte Universitäten besser als andere oder verbindet gewisse Eigenschaften mit dem Geschlecht oder Alter eines Bewerbers. Auch dann, wenn er sich gar nicht darüber im Klaren ist. Bei Drei-Personen-Teams werden diese Vorlieben oft ausgeglichen. Diese treffen auch bei geringen Unterschieden zwischen den Bewerbern in zwei von drei Fällen die optimale Entscheidung.

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"Drei Personen sind optimal"

Und noch größere Teams? Die sind noch treffsicherer. "Drei Personen sind optimal für den Auswahlprozess", so die Studie. Der Zugewinn ist von der dritten zur vierten Person nicht so groß, wie von der ersten zur zweiten und von der zweiten zur dritten. Da lohnt es sich nicht, die Zeit zusätzlicher Personalfachkräfte zu beanspruchen.

Wichtig ist jedoch: Die Treffsicherheit einer Gruppe bei Entscheidungen hängt auch davon ab, wie die Gruppe zusammengesetzt ist. Im Idealfall sind die Mitglieder voneinander und nach außen hin unabhängig, haben unterschiedliches Fachwissen und unterschiedliche Erfahrungen.

Wenn man nicht unbedingt der beste Bewerber für einen Job ist, sollte man also hoffen, dass man beim Bewerbungsgespräch nur einer Person gegenübersitzt. Das ist schlecht für die Firma, aber gut für einen selbst.

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