Von Bernd Rasche

Es ist höchste Zeit, dass Deutschland seine Arbeitnehmer anders behandelt. Ein Plädoyer für mehr Freiheit am Arbeitsplatz.

Bissige Debatten über vermeintlich zu hohe Löhne, Arbeitszeitverlängerungen bei gleichem Gehalt, Appelle an die Disziplin oder schneidige Botschaften von Managern und Verbandsvorständen an die Bereitschaft zum Verzicht: Dies alles hat das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den vergangenen Jahren nicht gerade verbessert. Von den Verunsicherungen durch die Massenentlassungen in Folge von Managementfehlern großer Konzerne in der jüngeren Zeit ganz zu schweigen. Selbst wenn sich nun die ersten Früchte jahrelanger Einbußen in einem erkennbaren Wirtschaftsaufschwung zeigen, ändert das nichts an diesem grundsätzlichen Befund: Zu arbeiten ist für eine beträchtliche Zahl der Beschäftigten in diesem Lande nicht gerade mit einem Gefühl echter Zufriedenheit verbunden.

Es ist höchste Zeit, dass Deutschland seine Arbeitnehmer anders behandelt. Ein Plädoyer für mehr Freiheit am Arbeitsplatz.

Unausgesprochener Verhaltenscode: Je länger, desto besser. (© Foto: iStockphoto)

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Die jüngste repräsentative Umfrage der von Bund und Ländern unterstützten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) mit dem Titel "Was ist gute Arbeit?'' attestiert den Berufstätigen zwar insgesamt eine hohe Motivation. Doch 61 Prozent der Befragten geben an, "nie oder selten Anerkennung für ihre Arbeit zu erfahren". Fast die Hälfte sagt, dass sie sich in der jüngsten Zeit "nie oder selten mit ihrem Unternehmen besonders verbunden gefühlt haben" - alarmierende Zahlen für das gefühlte Arbeitsklima in einem Land, das von Innovationen abhängig ist. Zudem zeigt die Umfrage, dass Führungskräfte und auch die unmittelbaren Arbeitsplatzbedingungen schlechte Noten erhalten.

Freude oder gar Sich-Wohlfühlen haben beim Thema "Arbeit" in Deutschland außerhalb von Sonntagsreden und politischen Ansprachen scheinbar keinen Platz. Ein Grund dafür ist historisch gesehen sicher die karge protestantische Arbeitsethik, in deren Verständnis jeder an seinen Platz berufen ist und klaglos tätig zu sein hat. Einflüsse anglo-amerikanischer Management-Gepflogenheiten und der Konkurrenzdruck der Globalisierung tun ein Übriges, den ernüchternden Befund zu verstärken.

In unzähligen Ratgebern und Talkshows ist das sogenannte Humankapital und seine pflegliche Behandlung in Zeiten harten Wettbewerbs oft genug besprochen worden. Doch wie viele Führungskräfte nehmen das in ihrem Arbeitsalltag ernst?

Arbeit wird also als Pflicht angesehen, Arbeit muss weh tun, und wer viele Überstunden vorzuweisen hat, ist geadelt - gleichgültig, ob dies nun auch ein Maßstab für eine gute Leistung ist oder nicht. Dies ist vielerorts der unausgesprochene und eben deshalb so wirksame Verhaltenscode im täglichen Arbeitsleben.

Immerhin beginnen seit geraumer Zeit einige Firmen und Organisationen, sich um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu bemühen: Sie richten Fitnessräume für die Kollegen oder Kitas für die Kinder der Kollegen ein, und Kantinen servieren gesünderes Essen.

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