Von Nicola Holzapfel

Wie Entlassungen und Lohnkürzungen aufs Betriebsklima schlagen.

So hart Kündigungen für die Betroffenen auch sind, in Deutschland sind sie ein normaler Bestandteil des Arbeitsalltags geworden. Jeder dritte Beschäftigte hat in den vergangenen fünf Jahren im eigenen Arbeitsumfeld Entlassungen erlebt. Im Osten hat es sogar jeden Zweiten getroffen.

Entlassungsschreiben

Kündigungen und Lohnkürzungen haben für Unternehmen überwiegend negative Effekte. Mit einer Ausnahme: Die Krankmeldungen werden weniger. (© Foto: AP)

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Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat nun untersucht, wie sich die Sparmaßnahmen auf die verbliebenen Beschäftigten auswirken. Demnach liegt es am Unternehmen, ob und wie sehr Mitarbeiter Entlassungen akzeptieren.

Wenn die Firma sich zuvor bemüht hat, Kündigungen zu vermeiden, empfinden 40 Prozent der Mitarbeiter die Entscheidung sogar als gerecht. Auch durch großzügige Abfindungen und den Verzicht auf Erfolgsprämien seitens der Unternehmensleitung steigt das Verständnis. Welche Kollegen es trifft, spielt ebenfalls eine große Rolle. Am ehesten darf demnach Mitarbeitern gekündigt werden, die noch nicht lange im Unternehmen sind oder sich leicht tun werden, eine neue Stelle zu finden.

Entscheidend ist auch der Kündigungsgrund: Setzt ein Unternehmen Mitarbeiter nur vor die Tür, um die Produktivität zu steigern, überwiegt die Kritik. Geht es dagegen um das wirtschaftliche Überleben, sind die Arbeitnehmer eher bereit Kündigungen hinzunehmen. "Entlassungen und Lohnkürzungen sind legitim, wenn sie wirtschaftlich unvermeidbar sind, sozial abgefedert werden und im Laufe des Arbeitsverhältnisses implizit erworbene Ansprüche berücksichtigen", so Gesine Stephan, Autorin der Studie.

Für die Unternehmen zahlt es sich der Untersuchung zufolge aus, auf die verbliebenen Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen. Denn wenn Kündigungen als ungerecht empfunden werden, sinkt die Einsatzbereitschaft deutlich und die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten verschlechtert sich. Werden Entlassungen dagegen akzeptiert, steigt sogar das Engagement und die verbliebenen Beschäftigten rücken enger zusammen.

Weniger Geld, weniger Leistung

Anders sieht es bei Lohnkürzungen aus. Auch sie sind in Deutschland gängig geworden. Jeder vierte Arbeitnehmer hat sie in den vergangenen Jahren in seinem Arbeitsumfeld erlebt. Sie wirken sich auf jeden Fall negativ auf die Leistungsbereitschaft aus, selbst wenn sie als unvermeidbar akzeptiert werden. Besonders hart wird eine generelle Lohnsenkung empfunden. Die Streichung einer bislang ausgezahlten Erfolgsprämie wird eher akzeptiert.

"Arbeitnehmer betrachten gewachsene Lohnstrukturen als Teil eines impliziten Vertrags mit dem Unternehmen und reagieren entsprechend negativ auf einen Bruch dieser Vereinbarung", schreibt Stephan. Dazu kommt noch ein wichtiger Unterschied zur "Sparmaßnahme" Entlassung: Im Gegensatz zu den Gekündigten bleiben bei Lohnkürzungen die Betroffenen im Unternehmen.

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