Von Chris Löwer

Die Konzernsicherheit soll Korruption und Spionage aufdecken. Doch rüde Methoden schüren ein Klima der Angst.

Als die Bahner bespitzelt wurden und die Telekom vertrauliche Daten ihrer Belegschaft durchleuchten ließ, war beide Male die Detektei Argen aus Köln mit von der Partie, die inzwischen Besuch vom Staatsanwalt bekommen hat. Die Telekom etwa gab zu, die Firma unter anderem mit der Überprüfung neuer Vertragspartner und Anwärter für Jobs im mittleren und gehobenen Management beauftragt zu haben, was vornehm "Screening" genannt wird. Das ist nicht unüblich, um Korruption und Wirtschaftskriminalität einen Riegel vorzuschieben. Nur führt dies offenbar leicht zum exzessiven Schnüffeln.

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Umgestöpselt, reingelauscht: Betriebsräte sollten gemeinsam mit der Geschäftsleitung in geplante Mitarbeiterkontrollen einbezogen werden. (© Foto: ddp)

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Die Fälle häufen sich: Bahn, Telekom, Lidl. Der Imageschaden für die Unternehmen ist immens. Auch wenn bei Fällen wie bei der Drogeriekette Müller, die den Krankenstand ihrer Mitarbeiter ausgeforscht haben soll, ein Korruptionshintergrund auszuschließen ist: Die Konzernsicherheit ist eine wichtige Abteilung, denn die Wirtschaftskriminalität blüht. Nach einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) beträgt der jährliche Schaden in deutschen Firmen gut sechs Milliarden Euro - Tendenz steigend.

Angst vor Imageschäden

PwC-Partner Steffen Salvenmoser, als ehemaliger Staatsanwalt zuständig für den Bereich Forensic Accounting Services, geht von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Jede dritte entdeckte Straftat werde aus Angst vor Imageschäden nicht angezeigt. Laut Salvenmoser wird bei Korruption gar nur in jedem zweiten Fall die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

"Viele Unternehmen fürchten, Fehler in ihrer Sicherheitsarchitektur zu offenbaren", sagt Berthold Stoppelkamp, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) in Berlin. "Man scheut häufig davor zurück, die Polizei ins Haus zu holen." Lieber wird auf eigene Faust ermittelt, wobei Sicherheitsabteilungen bevorzugt Personal aus der Polizei, dem BKA oder von Geheimdiensten abwerben.

Beschattungen und Foto-Reports

So wurde der ehemalige Hamburger Polizeidirektor Matthias Brose Sicherheitschef von BMW. Jens Puls, Chef der Konzernsicherheit der Deutschen Bahn, war vorher Kriminaldirektor in Frankfurt. Und Dieter Langendörfer, der bei VW für Sicherheit sorgte, war Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität im Hamburger Landeskriminalamt. Diesen Job hatte auch schon Thorsten Mehles inne, der zudem für den Bundesnachrichtendienst arbeitete, bevor er sich in München mit der Sicherheitsberatungsfirma Prevent selbständig machte.

Erst kürzlich wurde Mehles von einem Zulieferer herangezogen, der vier Wochen lang einen Vertriebler beschatten ließ, weil dieser im Verdacht stand, Schmiergelder zu kassieren. Am Ende wurde ein dicker Report mit vielen Fotos von abendlichen Treffen geliefert. "Der Beweiswert war gleich Null", sagt Mehles. Schlimmer noch: "Wenn Observationen oder andere verdeckte Maßnahmen von Mitarbeitern bemerkt werden, ist der daraus resultierende Vertrauensschaden oftmals enorm."

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