Trotz aller Kampagnen wählen Mädchen klassische Frauenberufe.
Sie kämpfen gegen die ewige Hitliste der Frauenberufe. Frisörin, Arzthelferin, Bürokauffrau, Verkäuferin - auch im vergangenen Herbst zählten diese Ausbildungsgänge wieder zu den Top Ten der deutschen Schulabgängerinnen. Dabei sollten sie doch auf Technik setzen, Fachinformatikerin werden oder Ingenieurin. Auf 40 Prozent will die Bundesregierung den Frauenanteil in der IT-Ausbildung bis zum Jahr 2005 steigern - derzeit liegt er bei 14 Prozent. Um den Mädchen technische Berufe nahe zu bringen, richten Ministerien und Verbände neue Internetportale ein und veranstalten Aktionstage wie den "Girls Day" jedes Jahr im April.
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Werbung und Wirklichkeit
Ursula Nissen vom Deutschen Jugendinstitut in München sieht die Zielmarke kritisch: "Frauen in techniknahe Berufe zu bringen, ist für sich genommen kein Ziel. Frauen, die diese Berufe erlernen, müssen später auch Entwicklungs- und Aufstiegschancen haben." Und da sieht es in der Realität weniger rosig aus, als es manche Werbekampagne verspricht. So sind Absolventinnen von Ingenieur-Studiengängen doppelt so häufig arbeitslos wie ihre männlichen Kollegen.
"Gerade wenn Frauen sich für ein geschlechtsuntypisches Fach entscheiden, ist bei der Arbeitslosigkeit der Unterschied zu den Männern oft besonders hoch", sagt Franziska Schreyer vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Das gilt auch für die Aufstiegschancen: Doppelt so viele Frauen wie Männer besetzen nur einfache und mittlere Positionen. "Auch ihr Gehalt liegt im Schnitt unter dem der Kollegen." Allerdings verdienen sie immerhin noch mehr als der Durchschnitt aller Akademikerinnen. "Daher kann sich ein Technik-Studium trotzdem lohnen", sagt Schreyer.
Immer nur die anderen
Doch die wenigsten Mädchen trauen es sich zu. "Sie unterschätzen ihre Fähigkeiten in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern", sagt Jugendforscherin Nissen. Zuhause würden die wenigsten zu einer geschlechtsuntypischen Berufswahl motiviert. "Viele Eltern sind der Meinung, dass Mädchen in techniknahen Berufen durchaus Chancen haben - sie glauben allerdings nicht, dass dies für die eigene Tochter zutrifft."
Wie eine Umfrage der Organisatoren des "Girls Day" zeigt, meinen drei Viertel der Befragten aus Schulen und Unternehmen, dass sich erst das vorherrschende Bild von Frau und Technik ändern müsse, bevor sich mehr Schülerinnen für technische oder naturwissenschaftliche Berufe interessierten. "Mädchen sollten aus ihrer subjektiven Motivation heraus entscheiden, welcher Beruf realistisch und zukunftsträchtig ist", sagt Nissen. Dann sei es auch nicht mehr so wichtig, ob das nun ein technischer Beruf oder ein Dienstleistungsjob ist.
(SZ vom 31.1.2004)
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