Mathe mal praktisch: Gesamt- und Hauptschulen verbinden den Lernalltag mit Berufsvorbereitung - mit Erfolg.
Tjark Ommen ist heute noch beeindruckt, wie selbstbewusst seine Schüler den Männern im Anzug begegneten. Im vergangenen Jahr hat die Gesamtschule im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge den bundesweiten Wettbewerb "Starke Schule" gewonnen, der von der Hertie-Stiftung und der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt wird.
Ein Auszubildener prüft den Sitz des Bohrers an seinem Winkeleisen: In einer der vier Fachrichtungen Raumgestaltung, Metalltechnik, Körperpflege oder Nahrung können die Schüler Berufserfahrungen sammeln. (© Foto: ddp)
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Daraufhin gaben sich Politiker die Klinken der Klassenzimmertüren in die Hand. "Unsere Schüler haben mit geradem Rücken erklärt, was sie hier machen. Eingeschüchtert war kein einziger", sagt Ommen, der an der Gesamtschule den Hauptschulzweig leitet.
Haltung und Selbstbewusstsein sind Charaktereigenschaften, die Unternehmen in Deutschland bei potentiellen Auszubildenden zunehmend vermissen, und nicht nur die Politik treibt die Frage um, wie die jungen Menschen am besten auf eine Lehrstelle vorzubereiten sind.
Ende vergangener Woche schlug der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Alarm: Wegen fehlender Ausbildungsreife blieben im vergangenen Jahr angeblich 50000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Neben schulischen Grundkenntnissen, so die Klage, mangele es den Jugendlichen vor allem an Disziplin und an Leistungsbereitschaft. Auch in Neustadt kannte man diese Probleme. Sie sind weitgehend gelöst.
Schulabschluss plus ein Ausbildungsjahr
Seit 2004 arbeitet die Gesamtschule in einem Modellprojekt mit der örtlichen Berufsschule zusammen, um die Schwelle beim Übertritt von Haupt- oder Realschule in die praktische Ausbildung abzuschleifen. Von der neunten Klasse an werden die Jugendlichen drei Tage pro Woche in der Gesamtschule unterrichtet und zwei Tage an der Berufsschule.
Dort werden sie darauf vorbereitet, wie Meister in Betrieben mit Lehrlingen umgehen. Sie lernen, dass Mathematik auch einen Praxisbezug haben kann. Sie merken, dass sie vielleicht manche Dinge schlechter können als Gymnasiasten, aber auch vieles besser.
Nach der 10. Klasse bekommen die etwa 50 Schüler eines Jahrgangs nicht nur ihr Schulzeugnis, sondern auch eine Bescheinigung, dass sie das erste Ausbildungsjahr in einer der vier Fachrichtungen (Raumgestaltung, Metalltechnik, Körperpflege, Nahrung) bereits absolviert haben. Das Modell könnte in der Debatte um Ausbildungsreife zum Vorbild werden.
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