Seilschaften statt Zusammenarbeit - die ersten Monate in einem neuen Team sind eine Gratwanderung zwischen Anpassen und Aufpassen.
Jeder, der es schon hinter sich gebracht hat, weiß: Die ersten Tage im neuen Job können der blanke Horror sein. Denn neu sind nicht nur Arbeitsabläufe und interne Regeln, neu sind auch die Menschen, mit denen man künftig acht und mehr Stunden am Tag kooperativ und harmonisch zusammenarbeiten soll. Das geht mit allen für kurze Zeit, das geht mit wenigen für lange Zeit, aber sich mit allen auf ewig gut zu verstehen, ist ein seltenes Kunststück, das kaum jemandem gelingt.
Zwischen den Fronten: Berufsanfänger stehen oft vor der Frage, ob sie angreifen oder sich zurückhalten sollen. (© Foto: iStock)
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Dennoch glauben nicht wenige Chefs fest daran, dass Wünsche Berge versetzen können: "Mit Ihren Kollegen werden Sie bestimmt gut klar kommen." Natürlich teilt man als Neue oder Neuer diese Hoffnung - aber was ist, wenn das Team nicht mitspielt? Weil die Kollegen bei der Neubesetzung der Stelle vielleicht für einen anderen Kandidaten eingetreten sind? Oder weil die Arbeitsgruppe in Wahrheit aus einzelnen Grüppchen besteht, die einander misstrauisch beäugen? Schlimmer noch: die keine Gelegenheit auslassen, die andere Partei bei einem Fehler zu ertappen oder gar dazu zu verführen? Hier lauert eine böse Falle. Denn solch verdeckte Destruktionsstrategien werden keinem Neuen am ersten Tag offenbart.
Hinein in den Büroklüngel
"In Seilschaften darf man sich nicht zu früh hineinziehen lassen", sagt Hans Christian Schrader, Psychologe, und Mitgründer des Berliner Büros für Berufsstrategie. "Eine gelungene Integration läuft nicht über ein schnelles Sich-Hineinziehenlassen in eine bestimmte Gruppe oder einen Büroklüngel. Damit läuft man Gefahr, sich gleich zu Anfang Gegner einzuhandeln. Außerdem kann man so schnell nicht den Überblick über die Strukturen und eventuelle Frontverläufe im Büro erkennen."
Darum genau aber geht es in den ersten Tagen und Wochen: die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln des Teams zu erkennen, um die anfängliche Unsicherheit abzulegen. "Der Neue sollte erst einmal eine nach allen Seiten hin wohlwollende, abwartende Haltung einnehmen und die Lage ein paar Wochen lang in Ruhe sondieren", rät Schrader, "in der Politik würde man von der Äquidistanz nach allen Seiten hin sprechen."
Vereinnahmende Splittergruppen
Das Verharren in der Beobachterrolle birgt zwar das Risiko, von allzu ungeduldigen Fraktionsgeschäftsführern links liegen gelassen zu werden. Dennoch hat Zurückhaltung mehr Vor- als Nachteile. Erstens schützt sie davor, von einer Splittergruppe vereinnahmt zu werden, um die man - ein paar Monate später und einige Erfahrungen klüger - lieber einen weiten Bogen machen würde.
Zweitens hält sie das Interesse aller Parteien am neuen Kollegen wach. Drittens findet die Unverbindlichkeit das Wohlwollen des Vorgesetzten. Und viertens gewinnt der oder die Neue Zeit, um sich in Ruhe die Gesamtkonstellation anzuschauen und sich eine fundierte Meinung darüber zu bilden, ob überhaupt einem der Zirkel beigetreten werden sollte.
Auf der nächsten Seite: Wie wehrt man die Umgarnungsversuche einzelner Kollegen ab, ohne als unwirsch, unhöflich oder als Schleimer zu gelten?
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Nationalteam vor der EM
Es kann ja gar keine Fronten im Kollegenkreis geben, denn die Personaler stellen doch nur die Besten der Besten der Besten der Besten der Besten ein! Konnte man gestern in der SZ lesen.
Ja, auch beängstigend. Da wundert mich nix mehr.
Und was ist eigentlich ein "Personalentwickler"? Der im Text erwähnte Theologe sollte doch wissen, dass nur einer jemals vielleicht Personal entwickelt und hergestellt hat: nämlich der alleroberste Chef während der Schöpfung.
Was mir erst recht Angst macht, ist die Vorstellung, daß unsere Chefs von solchen Spezialisten geschult werden.
"Christian Schrader, Psychologe, und Mitgründer des Berliner Büros für Berufsstrategie" und "Ulrich Holst, Theologe, Personalentwickler und Autor des Buches "Neu im Job"".
Da wird mir himmelangst ob der schieren Masse geballter Fachkompetenz. Mehr als Allgemeinplätze absondern tun sie aber dann, wie üblich, doch nicht.
"Kluge Vorgesetzte wissen, ob ihr Team aus einer oder aus mehreren Einheiten besteht. Spätestens am ersten Arbeitstag werden sie neue Mitarbeiter in Grundzügen darüber informieren"
Klar. Der Chef wird am ersten Arbeitstag sagen: "Der Huber Sepp, der ist zwar Ihr direkter Vorgesetzter, allerdings sind er und sein Team üble Querulanten, von denen Sie sich am Besten fernhalten sollten.". Oder wie soll man sich das vorstellen?
Irgendwie habe ich bei solchen Job-und-Karriere-Ratgebern immer das Gefühl, die durchschnittliche deutsche Firma gleicht einem Kindergarten oder einer Selbsthilfegruppe aussichtsloser Soziopathen. Sieht es tatsächlich in der Mehrheit der deutschen Firmen so aus?