Von Von Nicola Holzapfel

Praxis sammeln, Kontakte pflegen - wie Hochschulabsolventen zum ersten Job kommen und was sie dann verdienen.

Bei der Jobsuche geht nichts über Selbstvermarktung. Davon sind Hochschulabsolventen, die den Sprung ins Berufsleben geschafft haben, überzeugt. Das zeigt eine Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) unter Akademikern, die 2001 ihren Abschluss gemacht haben. Demnach haben den Berufseinsteigern neben Eigenmarketing ihr Computer-Know-how, Fachkenntnisse und vor allem Praxiserfahrung geholfen, ihren Arbeitgeber von sich zu überzeugen.

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Im Rückblick hätten sich viele daher auch mehr praxisrelevante Inhalte im Studium gewünscht. "Da haben die Hochschulen noch Defizite. Insbesondere die Unis haben das noch nicht in der Form in ihren Curricula berücksichtigt, wie es wünschenswert wäre", sagt Kolja Briedis vom HIS.

Für die Studenten zahlen sich die Praxis-Kontakte später bei der Jobsuche aus. So hat bei einem Viertel der befragten Fachhochschul-Absolventen das Praktikum oder die Abschlussarbeit in einem Betrieb zu einer Festanstellung geführt. Über eine Stellenausschreibung haben ein Drittel der FH- und ein Viertel der Uni-Absolventen ihren Job gefunden. "Diese klassische Form der Bewerbung hat nicht die Relevanz, die man oftmals vermutet, - und hatte sie auch in der Vergangenheit nicht, wie unsere Untersuchungen zeigen", sagt Kolja Briedis vom HIS. "Beziehungen, in erster Linie aus Praxiskontakten, gewinnen dagegen an Bedeutung. Aber die fachliche Qualifikation bleibt unentbehrlich."

Auf Verdacht erfolgreich

Auch das Jobben, was für 40 Prozent der Befragten zum Studenten-Alltag gehörte, kann sich lohnen. Fast 15 Prozent der Absolventen haben dadurch eine Stelle gefunden. Jeder Fünfte bis Sechste hat sich den ersten Job über eine Bewerbung auf Verdacht geangelt. Vor allem für Magister-Absolventen war dieser Weg oft erfolgreich.

Der Besuch einer Jobmesse lohnt sich dagegen nur für Informatiker, Wirtschafts- und Elektroingenieure. In allen anderen Fachrichtungen würden die Messekontakte "ohne Bedeutung" bleiben, heißt es in der HIS-Studie, die auch verschiedene Strategien der Jobsuche bei den Akademikern aufdeckt: "Das Bewerbungsverhalten ist zwischen den einzelnen Fächern sehr unterschiedlich", sagt Briedis. "So streuen Wirtschaftwissenschaftler ihre Bewerbungen sehr breit, was auch am größeren Stellenangebot und Arbeitskräftebedarf in ihrem Bereich liegt, während sich Magisterabsolventen häufig gezielter bewerben müssen."

Für alle gilt: Je früher man mit der Jobsuche beginnt, desto weniger Bewerbungen werden notwendig. Im Schnitt verschicken die Uni-Absolventen vier, ihre Konkurrenten von der FH sechs Bewerbungen.

"Der Übergang ins Berufsleben gelingt recht gut", sagt Briedis. "Natürlich ist das in den verschiedenen Fachrichtungen sehr unterschiedlich. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern sind ein Jahr nach dem Diplom mehr als 80 Prozent erwerbstätig. Das gilt auch für Ingenieure." Absolventen mit Magister-Abschluss und Architekten hätten es vergleichsweise schwer: "Generell ist der Arbeitsmarkt für Magister-Absolventen intransparenter als zum Beispiel für Elektrotechniker, bei denen in einer Stellenausschreibung viel deutlicher ist, was gesucht wird. Aber dafür sind sie flexibel einsetzbar. Viele werden von Unternehmen eingestellt, um an Schnittstellen innerhalb der betrieblichen Kommunikationsstrukturen zu arbeiten. Da entstehen ganz neue Aufgabenbereiche und die Magisterabsolventen bringen hier hohe Kompetenzen mit".

Studieren wir mal, dann sehen wir schon

Die meisten Akademiker finden der Studie zufolge Jobs, die ihrer Qualifikation entsprechen. Nur jeder sechste bis siebte übt ein Jahr nach dem Examen eine inadäquate Tätigkeit aus.

Dem Großteil der Absolventen hat es also nicht geschadet, dass sie sich bei ihrer Studienwahl um ihre späteren Berufschancen nicht gekümmert haben. Nur eine Minderheit hat bei der Studienentscheidung auf den Arbeitsmarkt Rücksicht genommen, wie die HIS-Studie zeigt. "Das macht durchaus Sinn", sagt Hochschulforscher Briedis. "Es ist ja auch die Frage, ob in drei bis vier Jahren die derzeitigen Berufsaussichten noch gültig sind. Entscheidend ist das Interesse am Fach und ob Begeisterung dafür da ist. Dann stimmen die Voraussetzungen für gute Leistungen im Studium und die Zufriedenheit steigt auch. Und das gilt auch später für den Beruf."

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