Mehr Geld, weniger Freunde und häufiger Rückenschmerzen: Mit dem ersten Job ändert sich einfach alles. Fünf Berufseinsteiger erzählen über den Wechsel zwischen Uni und Arbeitsleben.
Taufen, Hochzeiten, Predigten, Gottesdienste und Beerdigungen abhalten, Gemeindemitglieder besuchen, seelsorgerische Gespräche führen - in Martin Ringhofs Leben hat sich so einiges verändert, nachdem er das Theologie-Studium in München abgeschlossen hatte. Seit Herbst 2005 absolviert er einen zweijährigen Pastoralkurs im Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern in der Nähe von Bad Tölz. Im vergangenen Jahr wurde er Diakon, Ende Juni wird er zum Priester geweiht. "Während des Studiums war die Arbeit, die ja hauptsächlich aus Lesen, Schreiben und Denken bestand, gleichförmiger", sagt der 31-Jährige. "Heute geht die Zeit viel schneller vorbei, wenn man mehrere Termine an einem Tag hat, ständig unterschiedliche Menschen trifft und dafür immer wieder den Ort wechseln muss.'"
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Der Übergang vom Studium zum Beruf ist ein Paradigmenwechsel. Plötzlich hat man zwar Geld, aber mindestens acht Stunden am Tag - meist sogar mehr - sind komplett ausgefüllt mit Arbeit. Oft ist man abends zu erschöpft, um auszugehen, und, wie früher, die Nächte durchzufeiern. Am nächsten Morgen muss man schließlich früh raus und kann nicht mehr eine Vorlesung einfach mal so über sich ergehen lassen.
Anstelle von Hausarbeiten, Klausuren und Prüfungen treten Meetings und Projekte mit Deadlines, anstelle von Kommilitonen die Kollegen, anstelle von Professoren, die man ja eher selten zu Gesicht bekam, Vorgesetzte, die man jeden Tag sieht. Plötzlich hat man Verantwortung für andere, zumindest mehr als früher. Der Beruf - das merkt man schnell - verändert nicht nur den Alltag, sondern auch die Persönlichkeit.
"Was man als erstes merkt, ist, dass man nicht mehr ausschlafen kann", sagt Anne Schnieber. Seit April vergangenen Jahres arbeitet die promovierte Medizinerin bei McKinsey als Beraterin. Zu ihren Kunden gehören Krankenhäuser, Versicherungen und andere Institutionen im Gesundheitssektor. "Mein Tagesrhythmus ist ganz anders als früher." Der Berateralltag erfordert ihren vollen Einsatz: Unter der Woche arbeitet die 29-jährige Berlinerin vier Tage in Stuttgart an einem Projekt, nur am Freitag ist sie zu Hause, da ist "Office Day" - so heißt das bei McKinsey.
"Ich war in meinem ganzen Leben selten so tief in einem Thema drin wie in unserem aktuellen Projekt. Das Abschalten fällt mir da manchmal wahnsinnig schwer. Samstag früh gehe ich dann oft mal ausgiebig shoppen, um wieder an etwas ganz anderes denken zu können." Zwar sei es auch während des Studiums - und besonders während der Promotionsphase - schwer gewesen abzuschalten, aber das war damals noch ihre eigene Sache. Heute sind viel mehr Leute - Kunden, Kollegen, Vorgesetzte - von ihrer Arbeit unmittelbar betroffen als zu Unizeiten. Da Schnieber den Großteil der Woche unterwegs ist, ist auch das Verhältnis zu den Freunden heute anders als früher. "Das hat sich in drei Phasen geändert: Am Anfang haben noch jedes Wochenende alle angerufen und wollten was machen, und ich war häufig zu müde. In der zweiten Phase haben schon weniger Leute angerufen. Und mittlerweile melden sich nur noch die Menschen, die mir auch wirklich wichtig sind - und mit denen treffe ich mich." Das Privatleben sinnvoll zu füllen, erfordere nun mehr Organisation als früher: "Man kann sich nicht mehr ständig mal so auf einen Kaffee verabreden."
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Moderne Verwaltung
Jetzt habt Ihr`s. Das ist die schiere Wahrheit. Nix Erfüllung, Zufriedenheit, etc.Einfach Maloche für unser demokratisch freiheitliches System. Von die Wiege bis zur Bahre ... Dromedare !
Ja die McKinsey, SAP und ähnliche externe Berater fliegen "bei uns" wie bei anderen Firmen sicher oft ein und aus. Eigentlich sind sie "arme Schweine", und es fragt sich manchmal, ob "noch ärmer" als die, deren Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe sie wegrationalisieren (sorry, optimieren) sollen; und dabei von den Beschäftigten in der Regel nicht gerade freudig unterstützt werden. Links externe Berater und rechts die hire&fire Zeitarbeitskollegen. Und dann regelmäßige Info-Meetings bei Halbleiter: "Wir sind alle ein Team".
Also ich fine mich in diesem Artikel wieder.
Für mich war der Übergang nicht ganz so drastisch.
Nach dem Studium habe ich zunächst drei Jahre in freien Mitarbeiten gearbeitet und eigentlich gedacht nun gut in der Arbeitswelt angekommen zu sein.
Aber seit einem dreiviertel Jahr bin icc nun in einer gereglten 40h/Woche angestellt und gebe zu:
Das ist etwas völlig Anderes.
Auch wenn ich vorher teilweise über 50 Stunden die Woche gearbeitet (effektiv, nicht Anwesenheit) habe, konnte ich meinem eigenen Rhytmus folgen.
Das bedeutete mal bis um 23h abends arbeiten, mal erst um 10h anfangen, manchmal um 11h noch schnell zum Zahnarzt...
Diese Unflexibilität ist das Neue, nicht das Arbeiten- lieber dustein.
Haben die vorgestellten Personen noch nie davor gearbeitet? Wenn man ein halbes Jahr bei einem großen Unternehmen malocht, dann weiß man, dass ein solches Leben einem nach dem Studium erwartet. Praktikum hat nicht mehr mit Kaffeekochen und Kopieren zu tun, sondern mit richtiges Arbeit an eigenen Projekten. Dementsprechend war ich mir im Klaren was auf mich zukommt.
Anscheinend hat die SZ Exoten herausgegriffen...
Arbeiten macht macht sexy, oder? Wers glaubt wird seelig.