Eine neue Studie zeigt: Mehr als ein Drittel der Akademiker wird nach dem Studium erst mal Praktikant. Sie sind nicht die Einzigen, die sich unter Wert verkaufen.
Der deutsche Hochschulabsolvent hat im Schnitt sieben Jahre lang studiert. Wenn er die Hochschule verlässt, ist er 28 Jahre alt. Er ist reif für den Arbeitsmarkt. Überreif. Aber je nach Studienfach ist sein Risiko groß, noch eine ganze Weile von seinen Eltern abhängig zu sein.
Jedes zweite Praktika wird umsonst abgeleistet. Gibt es Geld, variieren die Gehälter von 0 bis 1500 Euro. Am besten zahlen Unternehmen in Industrie und Handel, Banken und Versicherungen. (© Foto: iStockphoto)
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37 Prozent der Hochschulabsolventen werden nach dem Studium erst einmal - Praktikant. Weil sie mit ihrem mageren Salär nicht über die Runden kommen, müssen fast zwei Drittel von ihnen ihre Eltern um Unterstützung bitten. 40 Prozent jobben neben dem Praktikum. Das zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der FU Berlin, die den Berufseinstieg von 500 Akademikern untersucht, die im Wintersemester 2002/2003 ihr Studium an einer Berliner oder nordrhein-westfälischen Hochschule abgeschlossen haben. "Praktika nach dem Studium sind zu einer Form von Übergangsarbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen geworden", sagt Dieter Grühn von der FU Berlin.
Besonders schlimm ist die Situation für Geisteswissenschaftler. Sie machen überdurchschnittlich häufig Praktika und werden dafür unterdurchschnittlich bezahlt. Der Studie zufolge haben sich vor allem Redaktionen und Kultureinrichtungen auf die gut ausgebildeten und billigen Arbeitskräfte geradezu eingestellt.
Andreas Pallenberg vom Wissenschaftsladen Bonn, der wöchentlich die Stellenanzeigen für Akademiker auswertet, weiß, dass viele Geisteswissenschaftler aus reiner Verlegenheit Praktikant werden. Sie wissen nicht, wie und wo sie auf dem Arbeitsmarkt mit ihrer Ausbildung unterkommen sollen. "Kein Geisteswissenschaftler wird wegen seiner Studienfächer eingestellt", sagt Pallenberg. Und doch findet der Wissenschaftsladen Woche für Woche hunderte Angebote für seine schwierige Klientel. Das sind zum Beispiel Stellen als Referenten in der Öffentlichkeitsarbeit, als Marketing-Mitarbeiter in Agenturen oder Assistent in einem Verband.
Von der Vorstellung, es warte ein unbefristeter Vollzeitjob auf sie, müssen sich Absolventen jedoch verabschieden. Die Unbeständigkeit der Jobs nimmt dramatisch zu. Ein Drittel der Positionen für Akademiker, die im vergangenen Jahr den Arbeitsagenturen gemeldet wurden, waren befristet. Außerdem steigen die Teilzeitstellen. Das zeigt eine Auswertung der Stellenanzeigen, die Anfang 2006 in Print- und Onlinemedien erschienen, durch den Wissenschaftsladen Bonn.
"Geisteswissenschaftler müssen flexibel sein, um unterzukommen", sagt Pallenberg. Die Qualifikationen, die sie aus dem Studium mitbringen, würden von vielen Arbeitgebern geschätzt, etwa ihre Allgemeinbildung, ihre Kommunikationsfähigkeit, ihr Organisationstalent. Nur mit einem tun sie sich schwer: der Berufserfahrung. Die wird von den Unternehmen vorausgesetzt. Bei den Arbeitsagenturen waren im vergangenen Jahr weniger als Prozent der Stellen für Akademiker an Berufseinsteiger gerichtet. Dafür wurden bei zwei Drittel der Positionen Berufserfahrung explizit gefordert.
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Amüsant ist vor allem, dass ich mich unmissverständlich ausgedrückt hatte. Lieber einen brillanten Geisteswissenschaftler als einen mittelmäßigen BWLer. Will sagen: Lieber einen Geisteswissenschaftler, der in seinem Fach zu den Jahrgangsbesten zählt, als einen BWLer, der im Vergleich zu seinen BWLer-Kommilitonen/Fachkollegen höchstens Mittelmass ist. (Wenn ich als Unternehmer die Wahl zwischen einem brillanten BWLer und einem brillantem Geisteswissenschaftler hätte, würde ich sehr wahrscheinlich ersteren nehmen).
Wie gesagt: völlig unmissverständlich. Nachvollziehbar also, dass Sie sich angesprochen fühlen.
Nix für ungut
@ Douzitou
Unterhaltsam ist ja folgendes: Sie schreiben über schwachsinnige Strukturen, mittelmäßige BWLer und Schubladendenken. Wie würden Sie diese Charakterisierung beschreiben? Hmmm, vielleicht aus Schubledendenken? Wie schön, dass Sie sich somit selbst widersprechen und ich als mittelmäßiger BWLer jetzt nicht sofort meine Exmatrikulation einreichen muss.
Ein Satz noch zur hier vorherrschenden Meinung über BööööSE Personalchefs und ausbeuterische Großkonzerne: Welches Gehalt und welche Einstiegsposition soll man denn als Absolvent erwarten?! Darf es vielleicht noch ein Platz im Aufsichtsrat sein?? Die Einstellung 'Der Staat Regelt schon alles für mich und ich ich möchte mindestens 3000 Euro als Einstiegsgehalt ist illusorisch. Unternehmen stellen Arbeitnehmer bei Personalbedarf und nach Qualifikation ein. Andere Denkansätze im Bezug auf den Arbeitsmarkt sind wohl eher der Zeit vor dem Mauerfall zuzuordnen.
Mein letzes Praktikum war wirklich lehrreich, was das Leben betrifft, nicht was meinen Job betrifft. Ich habe ein Praktikum als System-Administrator abgeleistet. Dieses Praktikum war gedacht, als eine Art Probezeit, die nach vier Wochen mit einem Vertragsabschluß enden sollte. Meine Aufgabe hatte ich nach zweieinhalb Wochen geschafft. Diese Arbeit wäre auf dem freien Markt ca.15.000-18.000Euro wert gewesen. Am Tag nach Erledigung dieses Projektes wurde ich ohne Angabe von Gründen entlassen. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass das die übliche Praxis ist in der IT-Branche.
Meine Konsequenz nach mehreren ähnlichen Erfahrungen: Ich persönlich, habe kein Problem auf Kosten von Hartz4 eine ruhige Kugel zu schieben. In der IT-Branche werde ich definitiv nicht mehr arbeiten, mangels vertretbarer Moral und Ethik in der Branche. Und wenn meine Kinder ein Praktikum machen, werde ich, nach Feierabend mit einer Eisenstange in der Hand ein Gespräch mit seinem Praktikumsgeber(sagt man das so?) führen und klarstellen wie es korrekt abzulaufen hat. Das ist zwar ein Rückfall in die Steinzeit, aber es ist mir sehr wichtig, in den Spiegel sehen zu können ohne meine Selbstachtung zu verlieren oder mich zu verachten. Wenn der Staat keine Zeit hat, sich um die Bürger zu kümmern, weil er der Wirtschaft in den Hintern kriechen muss, sage Ich: Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt. Und hat alles verdient, was er abkriegt!
Ich werde dieses peinliche Armutszeugnis in Sachen Menschichkeit hoffentlich niemals ablegen.
Schade, dass es dem Rest Deutschlands nicht mal auffällt, wie tief unser Land inzwischen gesunken ist...
Es ist in der Tat symptomatisch für Deutschland, dass man auf "harte" Bildung und Zeugnisse fixiert ist.
Soft Skills und Denkfähigkeit lässt sich nicht von Zeugnissen ablesen und auch ein Assessment Center fördert nicht unbedingt repräsentative Ergebnisse zutage.
In den USA ist man da beispielsweise deutlich flexibler als hier. Ich kenne eine studierte Historikerin, die im Vorstand eines größeren Unternehmens gelandet ist und jetzt in der Filmbranche arbeitet.
Gerade die Medienbranche sollte Fühler für essenzielle Fähigkeiten haben, statt auf das Papier zu achten.
In der restlichen Wirtschaft ist es ja noch schlimmer.
Es wird wohl noch etwas Zeit brauchen, bis man feststellt, dass viele "Spezialisten" es nicht vermögen, außerhalb der ihnen ankonditionierten Denkmuster zu arbeiten.
Auf dem Arbeitsmarkt wird so viel Hirnschmalz verheizt, dass es eine Schande ist.
Selbstverständlich gibt es das Klischee vom orientierungslosen Geisteswissenschaftler auch in der Realität.
Ein Lichtblick: Zumindest in kleinen Unternehmen können sich auch Einsteiger mit geringer "verbriefter" Kompetenz unersetzbar machen, wenn der Chef merkt, dass beispielsweise der Geisteswissenschaftler nahezu universell einsetzbar ist. Bei weniger flachen Hierarchien findet das aber eher nicht statt.
Wie gesagt, gilt nicht für alle Geisteswissenschaftler, denn oft sind individuelle Veranlagung wichtiger als theoretisches Wissen aus dem Hörsaal.
Womit wir wieder bei der Aussagekraft eines Stückes Papier wären.
Ich habe gerade mit Interesse die Beiträge gelesen. Ich habe mal Überschlagen, was den nun ein junger Architekt oder Bauingenieur verdient und bin auf ca. 6 Euro bis 7,50 Euro gekommen. Brutto versteht sich. Versuchen sie mal für das Geld einen Handwerker zu bekommen. Um ehrlich zu sein, bekommt schon unsere Putzfrau mehr. Ich bin sprachlos. Wie davon dann auch noch ein hoher fünfstelliger Studienkredit zurückgezahlt, eine Familie gegründet und für das Alter vorgesorgt werden soll, ist mir schleierhaft. Armes Deutschland!
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