Immer mehr jungen Menschen fehlt selbst das Basiswissen, das sie für den Berufseinstieg brauchen. Das ist eine nationale Katastrophe.
Viele Schüler und Auszubildende sind am Ende ihrer Schul- und Lehrzeit weder berufstauglich noch lebenstüchtig. Mit sich und ihrer Zukunft wissen sie noch wenig anzufangen. Sie wirken so, als hätten sie einen Spruch von Karl Kraus wörtlich genommen: "Man soll nicht mehr lernen, als man unbedingt gegen das Leben braucht." Wie der neue Bildungsbericht zeigt, bricht jeder fünfte Lehrling seine Ausbildung ab. Und jedes Jahr verlassen mehr als 60.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss.
Zeigt sich angriffslustig: Bildungsministerin Schavan sagt Schulabbrechern den Kampf an. (© Foto: Getty)
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Die Jugendlichen schleppen Probleme, die sie in der Schule drücken, oft noch lange mit sich herum. Je früher sie Hilfe erhalten, desto besser. Die Bundesregierung beherzigt das, indem sie schon für Siebtklässler "Berufslotsen" in die Schulen schicken will. Sie könnten den Lehrern dabei helfen, die Jugendlichen zu ermutigen und ihnen den Weg in eine Ausbildung zu ebnen. Der Erfolg ehrenamtlicher Paten, die schon jetzt in einigen Schulen arbeiten, ließe sich damit ausbauen.
Endlich eine farbige Annette Schavan
Wenn die sonst oft blasse Bildungsministerin dann auch noch ihre Ankündigung wahrmacht, mit einer Milliarde Euro bereits in den Grundschulen gegen die Bildungsarmut zu kämpfen, gäbe es endlich gute Gründe, sich den Namen von Annette Schavan zu merken.
Als Bundesministerin für Bildung hat sie es schwer, denn ständig muss sie mit den Widrigkeiten des Föderalismus ringen. Den Ländern sollte aber klar sein: Wenn Zehntausende Schulabgänger für eine Ausbildung zu schlecht sind, ist das ein nationales Problem. Die Wirtschaftskrise überdeckt dies, doch bald werden immer mehr Betriebe Mühe haben, gute Auszubildende zu finden. Auch die Unternehmen müssten daran interessiert sein, stärker mit Schulen zusammenzuarbeiten und vor allem denjenigen Schulen finanziell zu helfen, die keine wohlhabende Elternschaft hinter sich haben.
Von einer Warteschleife in die nächste
Statt von einer Warteschleife in die nächste zu rutschen, brauchen Jugendliche zumindest die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz nach Ende ihrer Schulzeit. Und auch in den Betrieben sollte es für die Auszubildenden pädagogische Begleiter und Helfer geben, denn oft sind es familiäre Krisen und persönliche Sorgen, die zum Abbruch einer Lehre führen. Die Betriebe müssen deshalb in Zukunft auch engen Kontakt zur Jugendhilfe halten.
Wenn Jugendliche morgens lieber im Bett bleiben, wenn sie an einfachen Multiplikationen scheitern und auch keinen Behördenbrief formulieren können, ist ein Handwerksmeister natürlich ratlos. Immer neue, hochspezialisierte Ausbildungsberufe nützen wenig, wenn die Jugendlichen nicht einmal Grundfertigkeiten beherrschen, nachdem sie neun oder zehn Jahre zur Schule gingen.
Lust auf Lernen
Auch die neuen "Berufslotsen", die nur in seltenen Fällen pädagogische Fachkräfte sein dürften, werden solche Defizite nicht so schnell beheben können. Es wäre aber schon ein guter Anfang, wenn sie den Jugendlichen zeigten, wie sie wieder Lust aufs Lernen bekommen.
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(SZ vom 29.04.2010/holz)
Ehrlich gesagt, kapiere ich das Ganze sowieso nicht. Konnte früher ein guter Hauptschüler ohne Probleme eine Lehrstelle als z.B. Industriekaufmann bekommen, so reicht hierfür inzwischen der Realschulabschluss kaum aus. Realschulabsolventinnen warten u.U. drei Jahre lang, bis sie Tierarzthelferinnen werden dürfen. Und trotzdem sollen die Lehrlinge derartig ungebildet sein? Das wird ja wohl kaum an ihnen selbst liegen, sondern am Schulsystem. Und da muss man ansetzen. Aber nicht mir ausbeuterischen Methoden an denjenigen, die selbst arbeitslos sind, sondern indem man die Klassen verkleinert und mehr ausgebildete Lehrer einstellt.
Ich kann dieses Gejammere über die angeblich so schlimme Jugend nicht mehr hören. Wir sind es doch, die durch unser angepasstes Verhalten ihnen die Wege verbauen und sie zu Spielbällen der "Elite" machen. Lasst uns auf die Straße zu gehen, endlich!
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Annette Schavan sollte sich schämen. Sie kommt mir daher wie eine Märchentante. Von den von vor einem Jahr versprochenen Verbesserungen für die Studenten, sind lt Asta beim erneutem Streik in Köln wegen der Schul- und Studienbedingungen keinerlei Versprechungen umgesetzt worden. Stattdessen zum diesjährigen Streiktermin: die Bildungsministerin zeigte sich im Ksta großzügig und pries ihre Bafögerhöhung. Dann diese Stärkung von irgendwelchen "Ehrenamtlichen," zum Schuleputzen, Lesen in den Grundschulen, usw. Warum weigert man sich in das Schul- und Studiensystem mehr Personal und Fachkräfte einzusetzen, die dann für ihre teilweise anspruchsvolle und wichtige Arbeit auch wirklich entsprechend bezahlt werden? Es wird immer peinlicher! Alles für low und immer nur die quantitative Stoffmenge ausgepriesen. Fremdsprachenkenntnisse und und handwerkliche, ihk-fähige Leute fallen nicht vom Himmel und mit ein bißchen Wischi-Waschi beseitigt man keinen Fachkräftemangel. Das ist nicht mehr lustig!
@chomski:
Sie haben ja so Recht!
Als mein Sohn (Einser-Abschluss im Studium, Auszeichnung für die beste Examensarbeit) einmal einen Brief abschicken wollte, wusste er nicht einmal, wohin man die Adresse schreibt, wohin den Absender und dass oben rechts die Briefmarke hinkommt.
Ich habe das Gefühl, dass eine neue Kampagne auf den Weg gebracht werden soll. Nach den HartzIV-Empfängern, sind nun die Lehrlinge an der Reihe, zu Buhmännern der Nation aufgebaut zu werden. Wie widerlich Sie doch ist, diese "Elite"!
Tja, ein Medium wie das Internet, dass das gesamte Wissen der Welt zur Verfügung stellt, ist eben noch kein Garant dafür, dass die "Konsumenten" sich dafür interessieren.
Außerdem erlebt man in heutiger Zeit, dass eher die ungebildeten Karriere machen und in den Medien präsent sind.
Also - wozu lernen???
Paging