Berufsbilder im TV Der "CSI"-Effekt

Wenn die smarte Biochemikerin in der TV-Serie "Post Mortem" einen grausamen Mordfall löst, dann begeistert das Frauen für den Beruf. Die TU Berlin will deshalb in Serien für technische Berufe werben.

Von Britta Verlinden

Ein Privatflugzeug stürzt ab. Vier Insassen, keine Überlebenden. Die Ermittler finden neun Hände. Eine muss aus dem Gepäck der Passagiere stammen - die Spur eines Verbrechens. Wer löst das Rätsel? In der RTL-Pathologenserie Post Mortem war es die Biochemikerin in der Nebenrolle.

"Mehr davon!", sagt Marion Esch. Die Professorin für Chancengleichheit in der Ingenieursausbildung an der TU Berlin will Frauen häufiger in naturwissenschaftlich-technischen Berufen sehen. Dazu startete sie vor drei Jahren "Mintiff": Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften (MINT) im Fiction-Format. Das Projekt verfolgt das Ziel, Mädchen mit Film- und Serienrollen dazu zu motivieren, sogenannte Mint-Berufe zu ergreifen. Dazu haben Esch und ihr Team Fernsehprogramme analysiert, Schülerinnen und Filmschaffende befragt und bereits erste Ideen umgesetzt.

Von diesem Montag an diskutiert Esch ihre Ergebnisse mit Fernsehvertretern bei der Medienwoche in Berlin. Zu der dreitägigen Konferenz "Don't think it's only entertainment" werden neben Stoffentwicklern und Programmverantwortlichen der großen deutschen Sender auch internationale Gäste erwartet, wie der mexikanische Telenovela-Autor Miguel Sabido und Corinne Marrinan, Produzentin von CSI: Las Vegas. Die Serie gilt als Vorbild - immer mehr amerikanische Frauen belegen Forensik-Fächer und begründen das mit dem Einfluss von CSI.

"Junge Menschen suchen sich ihre Vorbilder bei der Berufswahl vor allem im Fernsehen", sagt Esch. "Doch Wissenschaftler und Techniker, die Deutschland eigentlich dringend bräuchte, sind dort völlig unterrepräsentiert." Schon vor zehn Jahren zählten nur 1,9 Prozent der im TV gezeigten Berufe zu den Mint-Fächern. Heute sind es: zwei Prozent. Eschs Umfragen zufolge wissen die wenigsten Autoren, was eine Ingenieurin tut. "Wir sind doch die, die Mathe und Physik mit 15 abgewählt haben", sagt ein Drehbuchautor. "Wie sollen wir mit 50 einen Stoff daraus machen?"

Um die Wissenslücken der Kreativen zu füllen, lädt das Mintiff-Team in Institute und Labore, berät Stoffentwickler und vermittelt Experten und Drehorte. Gebhard Henke, Fernsehspielchef beim WDR und Tatort-Koordinator, hält das für ein sinnvolles Angebot, aber warnt auch vor Lobbyismus: "Recherchieren muss der Autor selber." Das kostet Zeit und Geld - Mintiff vergibt Stipendien.

"Eine Schwierigkeit besteht natürlich darin, die Inhalte so aufzubereiten, dass die Zuschauerinnen auch einschalten", sagt Ruth Hieronymi, designierte Vorsitzende der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz. Die Bereichsleiterin Fiction des Senders RTL, Barbara Thielen, sagt: "Serien haben grundsätzlich Potential, für einen Beruf zu begeistern, wenn die Figuren faszinieren und man sie Woche für Woche wiedersehen will."

Die Schweißerin Lilli Lemcke (Eine für alle) war offenbar nicht so eine Figur: Die ARD stellte die ambitionierte Vorabendserie, in der die Belegschaft ihren insolventen Betrieb übernimmt, nach nur 100 Episoden ein.

Am Dienstagnachmittag wird bei der Tagung in Berlin übrigens die erste TV-Produktion mit Mintiff-Beteiligung zu sehen sein: Einen Kölner Tatort mit dem Titel "Auskreuzung". Er spielt in einem Gen-Labor und soll 2011 ins Fernsehen kommen.

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