Berufe-Serie (VII) Was macht ein Survival Trainer?

Am liebsten ist er draußen im Wald: Armin Hock lehrt Menschen, wie man in der Natur ohne Hilfsmittel überlebt. Das interessiert nicht nur Abenteurer, die sich auf eine große Tour am anderen Ende der Welt vorbereiten.

Von Tobias Brunner

Armin Hock ist schwer zu fassen. Einen Festnetz-Anschluss hat er nicht. E-Mails ruft er nur manchmal ab. "Ich bin die meiste Zeit im Wald", sagt der 53-Jährige, wenn man ihn schließlich auf dem Handy erreicht. Hock liebt die Natur, verbringt jede freie Minute draußen. Was läge da näher, als sich auch dort einen Beruf zu suchen? Er hat deshalb die Wälder rund um das niederbayerische Viechtach zu seiner zweiten Heimat gemacht. Denn Hock ist Survival-Trainer und zeigt anderen, wie man in der Wildnis überlebt.

Dabei lernen sie, einen Unterschlupf zu bauen und Feuer zu entzünden, Nahrung zu sammeln und Wasser zu gewinnen. Als sich Hock 2003 selbständig machte, wollte er vor allem Abenteurer ansprechen. Jene, die um die Welt reisen, entlegene Gebiete durchqueren. Ganz auf sich allein gestellt. "Das geht an die körperlichen und seelischen Grenzen. Dagegen muss man ankämpfen können", sagt er. Zu seinem Programm zählt deshalb noch mehr: Orientierung, klettern und abseilen, Flüsse und Seen überwinden. Hinzu kommen theoretische Kenntnisse über Pflanzen, Tiere und das Wetter. Und das alles jeweils für Sommer und Winter.

Armin Hock, 53, lehrt seinen Kursteilnehmern, wie man in der Natur Feuer macht, um sich Spiegeleier braten zu können.

(Foto: oh)

Inzwischen aber bucht noch eine andere Gruppe von Interessenten bei Hock. Sie werden von Sendungen im Fernsehen gelockt, bei denen Hochglanz-Abenteurer ausgefallene Überlebens-Tipps geben. "Manche sind später erstaunt, wie es draußen aussieht. Im Sessel daheim kommt das ein bisschen anders rüber", sagt Hock und spricht von einem Boom der Survival-Branche in den vergangenen Jahren. Zwischen 20 und 30 Kurse bietet er pro Jahr an. Etwa 150 Teilnehmer sind das, rund ein Drittel davon sind Frauen.

Je nach Umfang - zwischen zwei und sechs Tagen - kostet das Programm 150 bis 500 Euro. Einige Kunden buchen direkt bei Hock, andere kommen mit Gutscheinen von Event-Agenturen. Für viele bleibt es dann nicht bei einem Kurs.

Ihnen allen möchte Armin Hock aber nicht nur das bloße Überleben vermitteln. "Es gehört Respekt dazu. Man muss Natur- und Tierfreund sein, wenn man draußen lebt", erklärt er. Als langjähriger Fernspäher bei der Bundeswehr weiß er, wie wichtig es ist, keine Spuren zu hinterlassen: "Wenn in Kanada die Hose nach Fisch riecht, muss man sich über einen Bären im Zelt nicht wundern." Hock hält seine Teilnehmer deshalb dazu an, bewusst mit Umwelt und Lebensmitteln umzugehen. Und er hat wenig Verständnis für "paramilitärisches Gehopse durch den Wald, bei dem etwas zu Bruch geht", wie es andere anbieten. Leider gebe es jedoch reichlich schwarze Schafe in der Branche.

Survival-Trainer ist kein geschützter Begriff. Jeder kann Kurse anbieten, solange er sich um die Versicherung kümmert und die Behörden informiert. Bis jemand aber das nötige Wissen habe, dauere es Jahre, schätzt Hock. Bei Spezialthemen lässt er sich deshalb noch heute von anderen Trainern unterstützen. Er empfiehlt, Angebote und Lebenslauf genau durchzulesen. "Das wichtigste bei Survival ist die Erfahrung. Denn jede Nacht ist anders." Er selbst hat nach seiner Bundeswehrzeit als Risk Manager gearbeitet und schon damals nebenbei erste Kurse angeboten. Seine Liebe für den Wald aber begann noch viel früher.

Hock wuchs in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz auf. Statt vor dem Fernseher zu sitzen, bretterte er mit dem Motorrad über die Felder. Wenn es gerade besonders stürmte, klopften die Freunde oft mitten in der Nacht an sein Fenster und holten ihn ab. "Je uriger es war, umso mehr Spaß hat es gemacht", erinnert er sich. Die viele Zeit an der frischen Luft, die Nähe zur Natur - das wollte er später nicht mehr missen. "Mein Weg war der klassische Survival-Werdegang", sagt er.

Seine Kurse musste er über die Jahre kaum verändern. "Kleinigkeiten - aber das Konzept ist immer das gleiche und wird es auch bleiben." Daneben hat er sich noch weitere Standbeine aufgebaut: Teamtraining für Firmen, Erlebnispädagogik für Jugendliche und Abenteuertage für Kinder. Aber alles natürlich draußen im Wald.