Beruf Wie zahle ich stilvoll bei einem Geschäftsessen?

Wie esse ich stilvoll meine Krawatte und wer zahlt am Ende eines Geschäftsessens die Rechnung? Zumindest eine von beiden Fragen beantwortet der Job-Coach.

(Foto: suze / photocase.com)

Geht es bei einem Arbeitsessen ans Bezahlen, kann es schnell peinlich werden. Welche Regeln zu beachten sind.

SZ-Leser Matthias V. fragt:

Bei einem Essen mit Kunden ergab sich kürzlich die peinliche Situation, dass sich beide Seiten nicht einigen konnten, wer die Rechnung begleicht. Schließlich wurden die Kosten umständlich gesplittet. Wie klärt man die Kostenübernahme rechtzeitig und verhindert Missverständnisse? Zahlt man am besten mit Karte? Und welche Regeln gelten sonst für das Bezahlen bei Geschäftsessen?

Jan Schaumann antwortet:

Lieber Herr V., dann waren Sie das also neulich im Restaurant? Ich wurde Zeuge des großen Finales nach einem Geschäftsessen. Die Rechnung kam, und die beiden Beteiligten überboten sich durch eine Darbietung aus frühen Kindertagen. Aus einem wechselseitigen, höflichen Angebot, die Rechnung zu übernehmen, wurde schnell ein Crescendo aus "Ich will", "Nein, ich" wie damals in der Buddelkiste. Währenddessen stand die freundliche Servicekraft in Erwartung des Bezahlvorgangs zwischen den Kombattanten und machte ein betretenes Gesicht.

Da lobe ich mir die spanische Form des Geldtransfers im Restaurant. Dort knallt der Kellner ohne jede Gefühlsregung ein Resopalschälchen mit der Rechnung auf den Tisch. Der Rest bleibt den Gästen überlassen. Ein Tisch, eine Rechnung, Ende der Ansage. Nach geraumer Zeit schaut der Gastronom wieder vorbei und nimmt die inzwischen befüllte Geldschüssel mit, um später die Differenz zwischen Rechnungsbetrag und eingelegter Summe erneut auf den Tisch zu befördern. Recht weitverbreitet ist das dortige Einvernehmen unter Restaurantbesuchern, dass heute der eine, morgen der andere die Rechnung begleicht.

So einfach machen wir es uns hierzulande nicht. Wenn Sie zur Fraktion der planvollen Gastro-Gäste gehören, überlegen Sie sich vorher verschiedene Strategien. Da wäre zum Beispiel die Strategie "Die drei Fragezeichen und das Geheimnis der bezahlten Rechnung": Dabei entfernen Sie sich nach dem letzten Gang unter einem fadenscheinigen Vorwand vom Tisch und begleichen die offenen Posten klammheimlich direkt am Servicetresen.

Oder die Strategie "Wer fragt, der führt": Dabei sprechen Sie das Thema Rechnung direkt nach dem Dessert offen an und fragen, wie man bezüglich des Rechnungsausgleichs verfahren soll. Wichtig bei dieser Strategie ist, dass Sie ein Gesicht aufsetzen, als würden Sie Ihrem Kind den nächsten Schritt nach den Bienchen und den Blüten erklären wollen. Bei dieser Taktik ist übrigens auch ein Einvernehmen zum verbrauchsabhängigen Splitten des Rechnungsbetrags möglich.

Spaghetti oder Risotto?

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Verbreitet ist auch die Stategie "Payback - zahl' Du an einem anderen Tag": Hier offenbaren Sie zunächst, dass Sie gerne die Rechnung übernehmen würden. Die rhetorische Frage, ob das in Ordnung sei, lässt Sie in einem fürsorglichen Licht dastehen. Sobald die Rechnung an den Tisch gebracht wird, können Sie noch gönnerhaft hinzufügen, dass Sie beim nächsten Mal gerne tauschen. Mit dieser Variante gehen Sie übrigens auch Compliance-technisch den sicheren Weg. Denn falls sich der andere Beteiligte nicht einladen lassen darf, hätte er jetzt die Gelegenheit, dagegen einzusprechen.

Falls Sie sich weder einladen lassen noch die komplette Rechnung übernehmen wollen, empfehle ich die Fifty-Fifty-Methode: Schlagen Sie vor, dass Sie den Rechnungsbetrag durch die Anzahl der Esser teilen. Dann begleicht einer die Rechnung beim Service und die Mitesser reichem dem Zahler ihren Anteil in bar zu. Für Geldautomaten-Muffel übrigens eine prima Variante, um an frisches Bargeld zu kommen.

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