BerufWas wir eigentlich werden wollten

Wo gibt's heute schnelles Geld, junge Kollegen und die besten Drogen? Jedes Jahrzehnt hat den Traumjob, den es verdient. Eine Typologie.

Von Max Scharnigg

Anwalt, Ingenieur, Einzelhandelskauffrau, Arzt - das sind Berufe, die hierzulande seit Generationen als ordentlich, erstrebenswert oder zumindest solide gelten. Jede Dekade in den letzten 50 Jahren hat aber auch diesen einen modischen Über-Job hervorgebracht, der von Eltern und Lehrern eher nicht als Wunschberuf ins Spiel gebracht wurde. Den man auch garantiert nicht am Arbeitsamt oder bei den Orientierungstagen angetragen bekam, schon allein, weil er nur über ziemlich unklare Ausbildungswege zu erreichen war. Gemeinsame Erkennungszeichen all dieser Modejobs: Es kursieren Gerüchte von sagenhaften Einnahmen, kunstvoll verlotterten Zuständen, erstaunlichen Zusatzgratifikationen und skandalösem Lifestyle.

Es sind Berufe, die nicht dem schnöden Broterwerb dienen, sondern eher dem jeweiligen Zeitgeist, die Ansehen bei den Gleichaltrigen versprechen und Kreative und Bummler gleichermaßen anlocken. Berufe, in denen niemand älter als 35 ist und man deutlich mehr Spaß hat als ein Ingenieur. Genau das eben, was man sich als 17-Jähriger unter dem Wort "Traumberuf" so vorstellt.

Bild: Lego 13. März 2017, 05:532017-03-13 05:53:45 © SZ vom 11.03.2017/mkoh