Beruf und Familie Was Sie zur Teilzeitarbeit wissen müssen

Weniger Arbeit, mehr Zeit für das Kind - Arbeitnehmer in Unternehmen mit mindestens 15 Beschäftigten haben ein Recht darauf.

(Foto: obs)

Wer hat einen Anspruch auf Teilzeitarbeit? Wann können Arbeitgeber einen Antrag ablehnen? Und worin liegen die Nachteile?

Wer hat Anspruch auf Teilzeitarbeit und was bedeutet das?

Das Recht auf Teilzeitarbeit steht nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz jedem Arbeitnehmer zu, der mindestens sechs Monate in einem Unternehmen angestellt ist und dessen Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Eine vorausgehende Elternzeit ändert an dem Anspruch nichts, weil in dieser Zeit das Arbeitsverhältnis fortbesteht. Stehen der Teilzeitarbeit keine betrieblichen Gründe entgegen, muss der Arbeitgeber erlauben, dass der Mitarbeiter seine Arbeitszeit verringert.

Wann spricht man überhaupt von Teilzeitarbeit?

Teilzeitbeschäftigt sind Arbeitnehmer, die regelmäßig weniger Stunden arbeiten als vergleichbar vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer. Das heißt: Sind beispielsweise die Kundenbetreuer eines Autobauers mehrheitlich 40 Stunden pro Woche im Dienst, spricht man bei einer Kundenbetreuerin des gleichen Betriebs mit einem 32-Stunden-Vertrag von einer Teilzeitbeschäftigten.

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Für welchen Zeitraum gilt die Teilzeitvereinbarung?

Es besteht derzeit kein Anspruch auf eine lediglich befristete Reduzierung der Arbeitszeit oder ein Recht auf Rückkehr in die Vollzeitbeschäftigung. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil möchte das ändern. Bis möglicherweise ein neues Gesetz in Kraft tritt, gilt: Die Arbeitszeitverkürzung verändert den Arbeitsvertrag, führt also zu einem Teilzeitvertrag. Wenn Sie also wieder mehr arbeiten wollen, sind Sie vorerst darauf angewiesen, dass Ihr Arbeitgeber auch ein Interesse daran hat.

Selbstverständlich können Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich aber im Rahmen der Vertragsfreiheit auch darauf einigen, die Länge der Arbeitszeit (von vornherein) für einen befristeten Zeitraum zu verkürzen. darauf besteht allerdings kein Anspruch und derartige Vereinbarungen sind vom Teilzeit- und Befristungsgesetz unabhängig. Die Rechte und Pflichten, die sich aus diesem Gesetz ergeben, gelten dann also nicht.

Was hat es mit der "Teilzeitfalle" auf sich?

Wer sein Recht auf Teilzeit geltend gemacht hat, kann nicht ohne Weiteres auf seine Vollzeitstelle zurückkehren. Doch auf Dauer reicht das geringe Einkommen nicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und für das Alter vorzusorgen. Teilzeitbeschäftigte gelten deshalb als armutsgefährdet. Das allein ist aber nicht der Grund, warum Gegner der aktuellen Regelung von einer "Teilzeitfalle" sprechen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass schon eine gering reduzierte Arbeitszeit Nachteile für die Karriere mit sich bringt: Wer aufsteigen und führen will, muss ständig präsent und immer erreichbar sein. Und betroffen sind davon hauptsächlich Frauen. Sie stellen ihren Beruf noch immer deutlich mehr für die Familie zurück als Männer. Bundesarbeitsminister Heil sieht im Rückkehrrecht deshalb auch "ein wichtiges Instrument" zur Gleichstellung.

Wie stelle ich einen Antrag auf Teilzeitarbeit?

Arbeitnehmer müssen den Wunsch, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, drei Monate im Voraus ankündigen. Eine Begründung ist nicht notwendig, erleichtert dem Arbeitgeber aber die Entscheidung. Denn wünschen sich beispielsweise Mütter und Väter im Rahmen der Elternzeit, weniger zu arbeiten, muss der Arbeitgeber für eine Ablehnung dringendere Gründe anführen als in anderen Situationen.

Grundsätzlich reicht eine mündliche Ankündigung aus. Arbeitsrechtler empfehlen aber, sich schriftlich an den Arbeitgeber zu wenden. So kann man im Streitfall später nachweisen, dass der Antrag fristgerecht gestellt wurde.

Wann muss der Arbeitgeber über einen Antrag auf Teilzeitarbeit entscheiden?

Der Arbeitgeber muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Teilzeitbeginn schriftlich mitteilen, ob er der Teilzeit zustimmt oder nicht. Tut er dies nicht, ist das auch ein gutes Zeichen: Die Arbeitszeit verringert sich in diesen Fällen nämlich automatisch in dem vom Arbeitnehmer gewünschten Umfang.