"Die Lust am Familienleben bleibt auf der Strecke": Weil sich Beruf und Kinder nur schwer vereinbaren lassen, verzichten immer noch viele Frauen auf ihren Job. Doch alte Rollenmuster passen nicht mehr.
Eine geglückte Verknüpfung von Kindern und Karriere ist immer noch selten. Davon betroffen sind unverändert Frauen. Sie ziehen sich entweder aus dem Beruf zurück und halten ihren Männern den Rücken frei, oder sie verzichten ganz auf Kinder und Familie. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und der Technischen Universität Chemnitz, die am Montag in München vorgestellt worden ist.
Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast, Familie und Job zu organisieren. (© Foto: dpa)
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Die Strategien, mit denen berufstätige Eltern den Alltag organisieren, sind überholt und untauglich für die moderne Arbeitswelt, zeigt die Befragung. "Oft sind die Eltern überfordert und die Lust am Familienleben bleibt auf der Strecke", schreiben die Forscher. Die Doppelbelastung zehre vor allem an den Frauen. Nicht nur geringqualifizierte, sondern auch gutausgebildete Frauen ziehen sich aus dem Job zurück, um sich der Familie zu widmen.
Befragt wurden berufstätige Mütter und Väter aus dem Einzelhandel und der Filmwirtschaft. Beide Branchen sind nach Ansicht der Wissenschaftler typisch für schwierige Arbeitsbedingungen. Bei der Filmproduktion sind weit entfernte Einsatzorte, lange Arbeitstage und Wochenendarbeit üblich. Auch im Einzelhandel sei die klassische Halbtagsarbeit am Vormittag nur noch die Ausnahme. Arbeit am Abend und am Wochenende sowie auf Abruf seien auch dort normal geworden, schreiben die Wissenschaftler. Doch auch in anderen Berufen würden kurzfristige Einsätze und stark schwankende Arbeitszeiten üblicher.
Klassische Ernährerrolle
Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast, Familie und Job zu organisieren, zeigt die Untersuchung. "Männer wollen sich zwar zunehmend auch um Kinder kümmern, sie halten aber an der klassischen Ernährerrolle fest", sagt die DJI-Familienforscherin und Mitautorin der Studie, Karin Jurczyk. "Frauen haben die Mütterlichkeit verinnerlicht und wollen dennoch berufstätig sein".
Damit geraten berufstätige Eltern in ein Dilemma: Alte Rollenmuster passen nicht mehr und neue sind noch nicht aufgebaut worden. "Viele Eltern sind erschöpft", sagt Jurczyk. Oft fehle die Energie, sich aufeinander und auf die Kinder einzulassen. Wer aber im Alltagsleben überfordert sei, sei auch im Job unproduktiv und demotiviert. Grund genug für die Arbeitgeber, die Arbeit stärker an Familien auszurichten, meinen die Wissenschaftler.
"Allerdings werden flexible Arbeitszeiten allzu schnell als Lösung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgegeben", kritisieren die Forscher. Dies sei zu einseitig. Denn oft gehe es den Firmen nur darum, möglichst mobile Arbeitnehmer zu haben. Ziel müsse es sein, dass Beschäftigte ihre Arbeitzeiten mitgestalten. "Es sollte möglich sein, dass eine Ingenieurin drei Wochen in einem Projekt arbeitet und eine Woche frei hat, damit sie sich um ihre Familie kümmern kann", sagt Sebastian Brandl von der Hans-Böckler-Stiftung.
Das Familienleben leidet unter der "Anwesenheitskultur"
In der Film- und Medienbranche und bei den Führungskräften im Handel erschwerten plötzlicher Termindruck, schlecht planbare Dienstreisen und die ständige Erreichbarkeit per Handy das Familienleben. Die Wissenschaftler fordern, die "Anwesenheitskultur" und die Bereitschaft zu Dienstreisen in den Firmen zu hinterfragen.
Durch neue Technologien könnten mehr Heimarbeitsplätze entstehen. Man müsse in der Firma nicht immer körperlich anwesend sein, um gute Arbeit zu leisten. Die Forscher bemängeln auch, dass die meisten Kinderkrippen und Kindergärten nicht zur modernen Erwerbsarbeit passten. "Insbesondere am frühen Morgen, nach 17 Uhr und am Wochenende vermissen Eltern, die außerhalb der Standardzeiten arbeiten, bezahlbare und gute Betreuungsangebote für ihre Kinder", ergab die Befragung weiter.
Die Wissenschaftler fordern eine "konzertierte Aktion" von Arbeitswelt und Familienpolitik, um Arbeiten und Leben in ein neues Gleichgewicht zu bringen. Angesichts sinkender Kinderzahlen sei es ein Standortvorteil für die deutsche Wirtschaft, wenn die Arbeitswelt familienfreundlicher werde.
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(SZ vom 14.07.2009)
- Juniorberater/in für Familienunternehmen– UnternehmerPlan Gesellschaft für Unternehmensentwicklung mbH, München
- KAUFMÄNNISCHE/N MITARBEITER/IN FÜR DIE PACKMITTELVERWALTUNG– DACHSER GmbH & Co. KG, München
- Projektkauffrau/-mann– Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit, Neuherberg / München
"Kritiker führen hier immer gerne das Beispiel Muttermilch an, aber der Mensch hat sich auch schon komplexerer Probleme angenommen, da wird dieses ja wohl wirklich kein Hindernis sein (abpumpen zum Beispiel)."
Stimmt. Zumal die meisten Frauen ja sowieso nur 6 Monate voll stillen und in den ersten 6 Monaten nach der Geburt aus gesundheitlicher Sicht noch nicht wieder arbeiten gehen sollten, da der Körper sich von Schwangerschaft+Geburt erst erholen muss.
Anschließend kann m.E. der Mann genauso gut wie die Frau auch die Kinder versorgen. Hat mein Vater auch gemacht - war vor 30 Jahren zwar noch sehr ungewöhnlich, sollte in unserer heutigen Zeit aber wohl kein Ding mehr sein
Des weiteren schließe ich mich der Meinung von Konsens im Hinblick auf die "Familienerleichterung" an!
Das Problem ist nicht, dass sich berufstätige Eltern einschränken müssen, sondern dass es meistens allein die berufstätigen Frauen sind, die in Bezug auf Kariere zurücktreten.
Ich finde es ist klar, das Kinder Kompromisse erfordern und das Leben nicht einfach so weiter geht wie ohne. Das ist auch nichts schlechtes, Kinder zu haben ist sicherlich eine Bereicherung.
Das Problem ist nur, dass der Bärenanteil an dem Kompromiss immer noch von den Frauen geleistet wird.
Das zeigt auch das gut gemeinte Zitat aus dem Text:
"Es sollte möglich sein, dass eine Ingenieurin drei Wochen in einem Projekt arbeitet und eine Woche frei hat, damit sie sich um ihre Familie kümmern kann"
Denn was ist mit dem Ingenieur (Vater)? Für den sollte solch ein Model dann auch möglich sein.
Es ist wichtig, dass ein Sinneswandel stattfindet:
Kinderbetreuung kann genauso gut von Männern wie von Frauen geleistet werden und die Rahmenbedingungen dafür sollten geschaffen werden.
Die Frau sollte nicht als die "natürliche" Versorgerin der Kinder angesehen werden. Männer können das bestimmt genau so gut.
Kritiker führen hier immer gerne das Beispiel Muttermilch an, aber der Mensch hat sich auch schon komplexerer Probleme angenommen, da wird dieses ja wohl wirklich kein Hindernis sein (abpumpen zum Beispiel).
Die Betreuungszeiten für Kinder ausdehnen und damit flexibler machen? - Prima!
Betreuungszeiten voll ausnutzen? Das ist nicht das erklärte Ziel der Eltern.
Die allgemeine Meinungsmache in den Medien drängt verstärkt in die Richtung karrierewilligen Eltern den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Es sollten aber eher die Blicke in Richtung "Familienerleichterung" gehen. Eltern müssen neben dem Geld-Verdienen-Müssen Zeit für ihre Kinder haben. Der Arbeitsmarkt wird das nicht leisten können und wollen. Hier sind deutlich höhere Steuererleichterungen für Familien (ob verheiratet oder nicht), kostenloses Mittagessen in den Schulen und soweiter und so fort gefragt.
Durch flexible Arbeitszeiten wird nur bedingt eine Erleichterung erreicht. Denn so werden arbeitende Eltern "abrufbarer". Eben das ist schwierig. Man kann so nie ganz und gar bei den Kindern sein und mal abschalten.
dass eine gute Kinderbetreuung nicht unbedingt für die Kinder, sondern vor allem für die Eltern da ist. Da kann man sich schon fragen, was das noch soll.
Oft haben ja auch in gut situierten Familien, die Kinder zu ihren Kindermädchen ein innigeres Verhältnis, als zu den eigenen Eltern.
Aber die Wahrheit wird in der Mitte liegen. Kleinere Dienstleistugen können den Alltag erleichtern und mehr Geld könnte den Eltern auch helfen, statt 40, nur 25 Stunden arbeiten zu müssen.
Es muss also kein entweder/oder geben. Sowas wollen uns ja die ideologiesierten Familienpolitiker oft genug einreden.
Dass nur die eigenen Eltern die besten Erzieher sind, ist aber auch zweifelhaft. Gleichaltrige sind wichtig für die Entwicklung.
Paging