Beruf: Texter Schreiben kann doch jeder, oder?

Derselben Meinung ist auch Armin Reins, Vorstand der Texterschmiede Hamburg. Aber er sagt auch, dass in einem kreativen Hirn 20 Prozent Inspiration und 80 Prozent Transpiration stecken.

(SZ vom 18.10.2003)

SZ: Schreiben kann doch jeder, könnte man meinen. Stimmt das?

Reins: Das stimmt schon. Aber man muss vorher strukturiert denken können. Schreiben kann jeder, aber wenn man unter strengem Briefing und unter Zeitdruck steht, sieht das schon ganz anders aus. Da erst zeigt sich wahres Können.

SZ: Kann man Texten lernen?

Reins: Auf jeden Fall. Meiner Erfahrung nach ist beim Texten 20 Prozent Inspiration und 80 Prozent Transpiration. Talent muss man mitbringen, Liebe zur Sprache. Man sollte gern lesen und viele innere Bilder haben. Denn man kann nichts herauslassen, wenn man nichts drin hat. Den Rest lernt man.

SZ: Wo werden Texter gebraucht?

Reins: Überall in der Kommunikationsbranche, hauptsächlich in der Werbung, aber auch in der PR-Branche, bei Radiosendern, in Online-Redaktionen, in der Verkaufsförderung - einfach überall, wo Texte geschrieben werden.

SZ: Was verdient ein Texter?

Reins: Man fängt als Juniortexter mit 1500 Euro an, nach etwa zwei Jahren wird man dann Texter und verdient zwischen 2500 und 3000 Euro. Wenn man Preise gewinnt, geht das alles natürlich wesentlich schneller.

SZ: Und wie wird man Texter?

Reins: Bis vor fünf Jahren gab es keine geregelte Ausbildung für Texter. Texter wurde man nur durch Zufall. Ich auch, ich war vorher Grafik-Designer. Ende der neunziger Jahre gab es einen ziemlichen Bedarf an Textern, da hatte ich die Idee, aus der Not heraus geboren, eine Schule für Texter zu gründen. Von 230 Textern, die wir bisher ausgebildet haben, fanden 215 spontan einen Job.

SZ: Decken Sie damit den gesamten Bedarf in Deutschland ab?

Reins: Nein. Nach Auskunft des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen sucht die Werbebranche 15.000 bis 20.000 Texter. Auch Firmen, die InhouseTexter suchen, wenden sich händeringend an uns. Vieles wird in den Unternehmen von anderen Mitarbeitern einfach mitgeschrieben. Im Verlagswesen schreiben zum Beispiel die Lektoren die Klappentexte, die Broschüren, die Newsletter. Aber das ist natürlich dann nicht marketing- oder zielgruppenorientiert.

SZ: Dann muss die Werbebranche ihren Nachwuchs also selbst rekrutieren?

Reins: Ja. Ich glaube, ein staatlicher Träger würde das viel zu theorielastig gestalten. Unsere Schüler arbeiten täglich von neun bis siebzehn Uhr in einer Agentur und lernen abends in der Texterschmiede die Theorie. Als Dozenten stellen sich die besten Werbeleute der Republik zur Verfügung. In einer normalen Hochschule hätte man dagegen die typischen Lehrkräfte - erlauchte, eloquente Senioren, weit weg von der Praxis.

SZ: Muss man Akademiker sein, um Texter zu werden?

Reins: Es schadet nicht, aber es hilft auch nicht. Ein gesundes Halbwissen ist durchaus von Nutzen. Die Leute, die wir ausbilden, waren vorher Philosophen, Theologen, Studienabbrecher, aber auch Tabledancerin oder Hafenarbeiter. Birgit van den Valentyn zum Beispiel, eine Absolventin der Texterschmiede, arbeitet heute bei Scholz and Friends und hat gerade mehrere Preise gewonnen. Sie ist ein Supertalent aus dem Nichts. Gerade eine Biographie mit Brüchen kann für einen Texter ein Reichtum sein, aus dem er schöpft. Man kommt viel näher an eine Zielgruppe heran, wenn man selbst mal als Bauarbeiter gearbeitet hat, mit der U-Bahn fährt oder auch mal pleite war.