Die Schwelle sinkt

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Die harten Fälle aus Schuberts Kartei haben sich in der Regel verspekuliert oder als Selbständige "irgendetwas in den Sand gesetzt", zwei Millionen Euro war die Rekord-Schuld, mit der es Schubert in 20 Jahren zu tun hatte. Selbst wenn es oftmals Tränen in seinem Büro gebe, Schuberts Motto lautet: professionelle Distanz zu wahren. "Ich bin da eher handwerklich orientiert", meint der Schuldnerberater. Auch wenn manche Fälle einfach nur ärgerlich sind, weil sich die Klienten unverantwortlich verhalten haben: "Es gibt Leute, die kaufen jeden Scheiß, ohne zu überlegen" - erst recht, da durch Raten und Kreditangebote von Autohäusern, Reiseanbietern oder Elektromärkten die Schwelle zur Verschuldung immer mehr sinke.

Derzeit berät Schubert auch eine junge Familie, die "immer und überall mithalten wollte": ein Auto, das ein bis zwei Nummern zu groß fürs Budget ist, eine übertrieben luxuriöse Wohnungseinrichtung oder teure Reisen. Irgendwann werde dann die Kostenlawine zur Schuldenfalle. "Früher wurde der Status über das Sozialgefüge und den Beruf bestimmt. Heute scheinen Statussymbole wichtiger zu sein. Wer will, kann wie der große Maxe auftreten"', sagt Schubert kritisch.

Sind die Klienten so hoch verschuldet, dass überhaupt kein Ausweg in Sicht ist, läuft Schuberts Arbeit meist auf eine Privatinsolvenz zu. Gibt es Lichtblicke, beginnt der Papierkrieg: Klarheit schaffen, Gläubiger anschreiben, Vergleiche ermöglichen - kurz: Lösungen finden, die für Schuldner und Gläubiger machbar und akzeptabel sind. In Schuberts Büro stapeln sich Akten und Ordner. Einen Tag pro Woche verbringt er ausschließlich mit dem mühsamen Schriftverkehr mit Gläubigern. Im Fernsehen, beim prominenten Berater Zwegat, gibt es derlei nicht zu sehen.

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(SZ vom 28.2.2009/bön)