Mehr Drill, mehr Fremdsprachenförderung

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Von den 13 Erzieherinnen in der Kita Klenzestraße hat keine Abitur. Auch männliche Kollegen sucht man in dem modernen Neubau vergebens. Irene Ott, der Leiterin der Kita, ist das Abitur nicht so wichtig. Sie will vor allem eines: mehr Personal. Anfang des Jahres hat Bayern den Anstellungsschlüssel von 12,5 auf 11,5 - also 11,5 Kinder auf eine Erzieherin - gesenkt. Trotzdem sagt Ott: "Die Anforderungen, die inzwischen an uns herangetragen werden, sind mit dem Personalschlüssel und unserem Gehalt eigentlich nicht mehr vereinbar."

In ihren 30 Berufsjahren hat sich die resolute 54-Jährige an viele Trends und soziale Veränderungen gewöhnen müssen: Mal war die antiautoritäre Erziehung in Mode, mal rief man nach mehr Drill oder Fremdsprachenförderung. Neu ist auch, dass manche Vierjährige heute nicht mehr allein Treppensteigen können, weil sie zuhause nur Lift fahren und sich kaum bewegen. Geht es in den zweiten Stock ins Bastelzimmer, ist das Gestöhne groß.

Besuch auf dem Bauernhof

Überhaupt hat der Kindergarten aus eigener Erinnerung - Malen oder Fangenspielen - mit der moderne Kita nicht mehr viel gemein. In vielen Einrichtungen stehen heute Yoga, Englisch und Ernährungskunde auf dem Plan. Und natürlich findet die Turnstunde in der Klenzestraße nicht mehr auf zwei Matten im Flur, sondern in der Kita-Mehrzweckhalle mit Klettergerüst, Boulderwand und Ballbecken statt. Anschließend haben Louis, Xaver, Pierre und die anderen dann die Auswahl zwischen Schmetterlings-, Bastel- oder Wohnzimmer, Garten, Tobe- oder Kuschelraum. Geschlossene Türen sind passé. "Offene Gruppenarbeit" lautet das moderne Schlagwort.

Natürlich sollen die Kinder auch so oft wie möglich ihre Umwelt erkunden. Besuch auf dem Bauernhof, Wassergewöhnung, Kindertheater - "die Eltern erwarten, dass wir besondere Aktionen anbieten", sagt Ott. Das ist allerdings nur möglich, wenn niemand krank oder auf Fortbildung ist. Für jedes Kind müssen Ott und ihre Kolleginnen zudem einen Beobachtungsbogen führen. Sprach- und Sozialkompetenz werden genau beobachtet. An ihre Grenzen sind sie dabei längst gestoßen. Die Zeit, das Beobachtete wie von vielen Eltern verlangt, zu besprechen, ist oft ebenso zu knapp wie die für die intensivere Einzelbetreuung.

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(SZ vom 10.11.2008/bön)