Berufswechsel und Quereinstieg Umweg zum Traumjob

Viele haben von ihrem bisherigen Job die Nase voll und wollen etwas völlig anderes in ihrem weiteren Berufsleben machen. Möglichkeiten gibt es viele.

(Foto: imago/Westend61)
  • Immer mehr Menschen überlegen, den Job zu wechseln.
  • Beratung bekommen sie bei speziellen Coaches oder auch bei den Arbeitsagenturen.
  • Doch nich jeder sollte gleich kündigen, der Wechsel kann ganz unterschiedlich organisiert werden.
Von Felicitas Wilke

Im Grunde waren es ihre heiratsfreudigen Freunde und Verwandten, die Christina Glaser zum Umdenken bewegten. Gebacken habe sie zwar schon immer gerne, sagt die 25-Jährige, doch als sie sich für Hochzeiten im Freundeskreis an immer anspruchsvollere Tortenkreationen wagte, wuchs der Gedanke in ihr, das Hobby zum Beruf zu machen. Wenn Glaser Teig rührt, Früchte schnippelt und aus buntem, zuckrigem Fondant Rosen und Schleifen formt, "dann entdecke ich bei mir eine Geduld, die ich sonst eigentlich nicht habe". Glaser studiert Englisch und Informatik fürs Lehramt. Doch nach Ende ihres Studiums in anderthalb Jahren will sie eine Ausbildung dranhängen - zur Konditorin.

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Deutsche jedes Jahr den Sprung in eine neue Branche wagen. Dass es vielen Menschen ähnlich geht wie Christina Glaser, lässt aber die Vielzahl von Beratern und Coaches erahnen, die im Internet dafür werben, Menschen zu einem neuen Traumjob zu verhelfen.

Lebensabschnittsjob statt klassischer Lebenslauf

Andrea Gutmann ist eine von ihnen. Vor einigen Jahren kündigte sie ihren Job als Personalchefin in einem internationalen Konzern und machte sich mit ihrer Beraterfirma selbständig. "Ich hatte selbst das Gefühl, dass das noch nicht alles gewesen sein kann", sagt sie. Gutmann wagte den Schritt in die Selbständigkeit und machte ihre berufliche Sinnsuche zur neuen Aufgabe.

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"Klassische Lebensläufe werden heute durch Lebensabschnittsjobs ersetzt", ist Gutmann überzeugt. Einige Jahre lang seien viele im gelernten Job zufrieden, aber viele Menschen kämen früher oder später an den Punkt, etwas Neues machen zu wollen. Für die Personalfachfrau hat das zwei Gründe: Einerseits wandele sich der Arbeitsmarkt heute viel schneller als früher, einige Berufsbilder verschwinden mit der digitalen Revolution, neue kommen hinzu. Andererseits sehen Gutmann zufolge viele Menschen in ihrem Job nicht mehr nur den bloßen Broterwerb. "Heute sind wir auf der Suche nach der beruflichen Erfüllung", sagt sie.

"Etwa die Hälfte kommt mit konkreten Vorstellungen"

Auch zur Agentur für Arbeit kommen immer mehr Menschen, die zwar einen Job haben, sich aber in eine neue Richtung orientieren wollen. "Gerade Kollegen, die geisteswissenschaftliche Berufe betreuen, haben mehrmals die Woche mit solchen Fällen zu tun", sagt Olga Saitz, die bei der Agentur in München als akademische Arbeitsvermittlerin arbeitet.

Manche Umsteiger haben einen Burn-Out hinter sich, andere wollen präventiv reagieren - und wiederum andere fühlen sich schlicht im falschen Job. Es ist und bleibt das Kerngeschäft der Arbeitsagenturen, Arbeitssuchenden zu helfen. Daher können die Umsteiger, die noch einen festen Job haben, nicht auf finanzielle Unterstützung wie einen Gründerzuschuss hoffen. Auf Beratung aber schon.

Mit den Umsteigewilligen macht Saitz zunächst einmal eine Situationsanalyse. "Etwa die Hälfte kommt mit konkreten Vorstellungen zu uns, in welche Richtung es gehen soll", sagt sie. Aus der Qualifikation der Menschen, den persönlichen Stärken und Schwächen sowie den eigenen Zielen leiten Saitz und ihre Kollegen Empfehlungen ab. "Wenn es sehr langwierig ist, die notwendige Qualifikation zu erlangen oder die Jobaussichten schlecht sind, dann raten wir auch mal ab", sagt sie.