Assessment-Center bei einer großen Berater-Firma: Ein Bericht von einem anderen Stern.
Gegen acht Uhr morgens bekommt Daniel von einer netten Dame seine Zugangskarte in die Hand gedrückt. "Enter" steht auf dem Kärtchen, das sich der 25-Jährige um den Hals hängen soll. Es ist Donnerstag, und bis Freitag ist der lila Ausweis Daniels Eintrittskarte zur deutschen Zentrale der Unternehmensberatung Accenture. Gemeinsam mit 16 anderen Kandidaten hat er sich nach Kronberg im Taunus aufgemacht, um an einem Assessment-Center teilzunehmen. Am Ende der Veranstaltung werden die einen mit leeren Händen, die anderen mit einem Job-Angebot nach Hause gehen.
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"Wir haben keine Quoten", versichert eine freundliche Beraterin zur Begrüßung, "wenn ihr alle gut seid, dann nehmen wir euch alle." Das mag zwar niemand so recht glauben, und doch fühlen sich viele Teilnehmer erleichtert. Wobei es nicht allen gefällt, geduzt zu werden. Aber die amerikanische Unternehmenskultur will es eben so.
Daniel wird mit seiner Arbeitsgruppe in den Raum "Mars" beordert. Die Zimmer sind nach Planeten benannt - auch ein US-Import. Es gibt hier auch keine Empfangshalle, sondern eine People's Hall mit Door Opener und einem Parking davor. "Bei internationalen Unternehmen ist das halt so", sagt Daniel, "das ist ganz normal." Gemeinsam mit seiner Gruppe soll er ein fiktives Postunternehmen vernetzen. Das Team überprüft, welches Server-System für den Einsatz in der Firma am besten geeignet ist. Microsoft, SAP oder doch Open-Source? Das vierköpfige Team steht vor einer schwierigen Entscheidung. Die Fragestellungen sind technisch, schließlich trägt das Assessment-Center den Titel "Technology Labs" und ist eine Veranstaltung für Informatiker, Ingenieure oder Betriebswirtschaftler. Die Gruppenmitglieder arbeiten konzentriert. Wer bis hierher gekommen ist, hat sich schon im Bewerbungsgespräch als freundlich und professionell erwiesen. "Die Arbeit in der Gruppe klappt sehr gut", sagt Daniel. In der Beraterbranche sind eben keine Nerds, sondern offene Typen gefragt.
Am Nachmittag präsentieren die Teilnehmer ihre Ergebnisse. Der Zeitplan ist durcheinander geraten, der Konferenzraum ist viel zu klein, die Luft schlecht. "Ein bisschen wie an der Uni", sagt eine Teilnehmerin. Weil nicht alle einen Platz finden, müssen drei Damen ausschwärmen, um Stühle aus Earth und Jupiter in Richtung Saturn zu rollen. Die Kandidaten sind angespannt. Schließlich geht es nicht um einen Seminarschein, sondern um die Zukunft.
Alle Jungs tragen dunkle Anzüge, die meisten haben sich für Nadelstreifen entschieden. Die Mädels favorisieren das Kostüm in grau. Auch die Mitarbeiter sind schick, freundlich, jung - mitunter fällt es schwer, sie von den Bewerbern zu unterscheiden. "Mein Name ist. . . " stellen sich die Teilnehmer gekonnt mit lauter und sicherer Stimme vor. Auch Daniel ist klar, dass es für viele nicht das erste Assessment-Center ist. Ein Novize ist jedoch auch dabei. Das merkt man aber nur an dem Preisschild unter dem neuen Lackschuh. Die Präsentation hat den Charme einer mündlichen Diplomprüfung. Für die bohrenden Fragen ist Peter zuständig. Der Manager der hohen Ebene sitzt lässig wie ein Jumbo-Pilot in seinem Stuhl und spricht mit rauer, aber leiser Stimme.
"Welche Auswirkungen hat die Weltmeisterschaft auf euer Konzept?", fragt Peter. Darauf waren die Kandidaten nicht eingestellt. Kritik an ihren Kosten- und Nutzenrechnungen - okay. Aber eine Fußballfrage? Daniel ist Bayern-Fan, vielleicht fühlt er sich deshalb dazu berufen, das Schweigen zu brechen. Natürlich werde man die Folgen für die Geschäftsfelder berücksichtigen, meint er, das sei alles kein Problem.
"Sind diese Posten eingepreist?", fragt Peter die nächste Runde. Seine Lieblingsfrage an diesem Vormittag. Der Unternehmensberater will wissen, ob auch alle Kosten berücksichtigt sind. Die Teilnehmer sind sich nicht immer sicher, ob sie alles eingepreist haben. Wenn es jedoch eng wird, weichen sie Peters Fragen geschickter aus als Angela Merkel im Fernsehduell.
"Nach dem Workshop beginnt der Fun-Part", verspricht die Frau aus dem Marketing. "Die Teilnehmer sollen hier ja schließlich auch Spaß haben." Daniel möchte jetzt vor allem sein Ergebnis wissen. Das gibt es aber erst am nächsten Mittag. Vorher muss er noch ins Zelt.
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