Jeder jammert über die steigende Zahl befristeter Jobs. Aber die Unsicherheit wird Alltag werden - und sie bietet Chancen.
Lieber befristet beschäftigt als unbefristet arbeitslos. Der Satz stammt, natürlich, vom wortgewaltigen Norbert Blüm und ist 25 Jahre alt. Er hat eine andere Wirkung entfaltet als das berühmte "Die Rente ist sicher". Für sein Versprechen zur Rente wird der Langzeit-Arbeitsminister und CDU-Politiker bis heute belächelt, er selbst hält trotzig bis heute an der Aussage fest.
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Leben mit dem Risiko: Unbefristete Verträge sind nicht mehr der Normalfall. Das bietet auch Chancen. (© Foto: ddp)
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Formal ist Blüm im Recht. Ja, die umlagenfinanzierte gesetzliche Rente ist (noch) sicher, aber in einer alternden Gesellschaft nur um den Preis immer neuer staatlicher Zuschüsse. Es bleibt ein zweifelhaftes Versprechen. Dagegen war die Blümsche Begründung für das erste Befristungsförderungsgesetzes im April 1985 nachgerade prophetisch.
Heute gehören befristete Arbeitsverhältnisse zum deutschen Alltag, sie werden immer mehr. Mittlerweile sind 2,7Millionen Arbeitnehmer oder knapp neun Prozent aller Erwerbstätigen betroffen, also jeder elfte Arbeitnehmer. Nimmt man weitere neuartige Instrumente hinzu, Minijobs, Teilzeitarbeit, Zeitarbeit, dann kommt man auf etliche Millionen früher kaum gekannter Jobs. Die Experten sprechen von "atypischen", Kritiker von "prekären" Arbeitsverhältnissen. Beides ist irreführend.
Ächzen unter dem Strukturwandel
Atypisch sind diese Arbeitsverhältnisse nur, solange die unbefristete Dauertätigkeit normal ist. Diese gute alte Zeit geht langsam, aber sicher zu Ende. Deutschland verändert sich, die einst mächtige Industrienation ächzt unter dem Strukturwandel, kämpft im internationalen Wettbewerb und sucht noch den Weg in die Dienstleistungsgesellschaft.
In diesen Zeiten verliert das Wort "Normalität" an Aussagekraft. Schüler kennen keinen vorgefertigten Karriereweg mehr, Abiturienten haben den Studienplatz keinesfalls in der Tasche, Absolventen bewerben sich vergeblich um Jobs. Wer dann unterkommt bei Siemens, BMW oder im Mittelstand, ist anders als früher nicht mehr sicher fürs Leben. Die Ungewissheit wird Alltag, und dies prekär zu nennen, hieße die Herausforderung bestenfalls zähneknirschend anzunehmen; prekär steht für kritisch, misslich, schwierig. Die neuen Arbeitsverhältnisse aber sind nicht nur Problem, sondern - Blüm lässt grüßen - auch Chance. Sie ermöglichen häufig Arbeit, wo andernfalls keine mehr wäre.
Neue Vielfalt der Beschäftigung
Dabei ist die neue Vielfalt der Beschäftigung keineswegs zwingend, andere Weichenstellungen wären möglich, alle aber haben mit Flexibilität zu tun. Im respektablen Sozialstaat Dänemark ist - für viele Deutsche eine Horrorvorstellung - der Kündigungsschutz weitgehend abgeschafft, entsprechend gering ist die Bedeutung anderer Jobmodelle.
Hierzulande sind namentlich die Befristungen ein Ventil des hoch regulierten Arbeitsmarktes, in dem Unternehmen sich von ihren Mitarbeitern selbst in der Krise nur mit guten Argumenten und allen Ungewissheiten des Arbeitsgerichtsverfahrens trennen können. Nur wer das Normalarbeitsverhältnis flexibilisiert, kann den Trend zur Befristung umkehren.
- Erwerbstätigkeit in Deutschland Unsicherheit wird zur Regel 17.03.2010
- Befristete Arbeitsverträge Die Zeit läuft 16.03.2010
- Befristete Arbeitsverträge Nach dem dritten Mal ist Schluss 18.06.2008
- Arbeitslose Lehrer Teure Saisonarbeiter 11.12.2008
- Personal Verhältnis auf Zeit 20.04.2005
(SZ vom 17.03.2010/holz)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
"und: nein, ich bin kein sozialromantiker, ich bin eigentlich eher ein kapitalist. "
machs wie Westerwelle, werd durch und durch schäbig und verkaufe dich an jeden, der zahlungskräftig ist, dann hast du in diesem Lande eine Zukunft
also, ich habe nach meinem studium auch erst mal nur einen befristeten vertrag bekommen. ich verdiene zwar recht gut, habe aber dennoch angst, mir meinen traum von einer immobilie zu erfüllen, denn:
wer weiß denn, ob ich in 2 jahren noch einen job habe und wenn ja, ob ich da mind. genauso gut verdiene wie jetzt?
welche bank gibt mir denn einen kredit, wenn sie damit rechnen müssen, dass ich in 2 jahren meinen kredit nicht mehr (ausreichend) bedienen kann?
kinder? nein, unter diesen umständen lieber nicht.
und: nein, ich bin kein sozialromantiker, ich bin eigentlich eher ein kapitalist.
was soll man denn jetzt machen? kinder bekommen und zur zukunft unseres landes beitragen, dafür aber vll dem staat auf der tasche liegen, wenn man keinen job hat? oder doch lieber keine kinder und sich dann beschimpfen lassen, dass man egoistisch sei?
Im Prinzip ist der ganze Artikel eine schallende Ohrfeige für die Gewrkschaften. Sie haben es versäumt, ihre Forderungen an die Bedürfnisse der aktuellen Arbeitswelt anzupassen. Sie machen nichts anderes, als am althergebrachten fest zu halten und sich ja keiner Neuerung zu öffnen.
Warum stimmen Sie nicht befristeten Arbeitsverhältnissen und der Leiharbeit zu, kümmern sich aber darum, dass Menschen, die in solchen Arbeitsverhältnissen arbeiten, mehr Geld dafür bekommen?
Dann wäre gegen das alles nichts einzuwenden. Aber was machen die Gewrkschaften? Sie kümmern sich ständig darum, dass die Leute mit unbefristeten Arbeitsverträgen noch ein bisschen mehr bekommen und die anderen ganz draußen bleiben.
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Und wenn Lebensplanung ein Luxus sein sollte, so müssen wir uns frage, ob wir uns nicht diesen Luxus leisten wollen. Was würde dieser Luxus wohl kosten? Unter Umständen geringere Gewinne für Kapitalvermögen, unter Umständen geringerer Export und weniger Wirtschaftswachstum, kurz, es könnte uns wirtschaftlich etwas schlechter gehen.
Aber vielleicht ginge es der Gesellschaft trotzdem besser? Lieber weniger materiellen Wohlstand und mehr Zufriedenheit, als ein ewiges Streben nach mehr Haben, wobei die Anzahl der Nix-Haber stetig zunimmt.
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