Bearbeitungszeit von Online-Bewerbungen Bewerber in der Warteschleife

Erst dauert es ewig, bis ein Dokument hochgeladen ist, dann stürzt das System wieder ab: Online-Bewerbungen kosten oft Nerven. Und trotz feiner Raster warten Jobsuchende wochenlang auf eine Reaktion der Firmen. Warum eigentlich?

Von Petra-Alexandra Buhl

Kompliziert zu bedienen, wenig serviceorientiert und häufig ohne jede Rückmeldung: Online-Bewerbungen haben keinen guten Ruf. "Mehr als fünfzig Mal habe ich mich online beworben, aber keine einzige Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen - oft nicht mal irgendeine Reaktion." Alisa ist Betriebswirtschaftlerin mit ein paar Jahren Berufserfahrung. Sie ist wütend, weil sie nach acht Monaten Suche noch immer keinen neuen Job hat.

Viele Stunden habe sie vorm Bildschirm gesessen, oft seien die Karriere-Portale abgestürzt, und sie habe kurz vor dem Abschicken der Bewerbung von vorn anfangen müssen. Häufig habe es Minuten gedauert, um ein einziges Dokument hochzuladen. "Jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Unterlagen einfach ungelesen verschwinden", sagt sie.

Jung, kompetent, flexibel, mobil, zu Hause im Internet - warum klappt es nicht mit der Online-Bewerbung? Denkbar, dass Alisa einfach Pech hatte und an die falschen Firmen geraten ist - an diejenigen, die online gar nicht antworten. Sie sind noch immer leicht in der Überzahl. Das Marktforschungsinstitut Potentialpark aus Stockholm hat herausgefunden, dass 46 Prozent der hundert größten deutschen Firmen auf E-Mail-Anfragen zu ausgeschriebenen Stellen im Durchschnitt innerhalb von 2,3 Tagen antworten. "Das zeigt, dass Firmen, die diese Prozesse standardisiert haben, auch schnell reagieren", sagt Christoph Skrobol von Potentialpark. Die übrigen Unternehmen aber reagieren nicht.

Markus Rasche, Leiter Personal und Organisationsentwicklung beim Personaldienstleister DIS AG in Düsseldorf, staunt über Alisas Erfahrungen. Heute könne es sich kein Unternehmen mehr leisten, Bewerber warten zu lassen oder welche auszusortieren, die nicht hundertprozentig ins Schema passen. "Bestimmte Positionen sind zurzeit extrem schwer zu besetzen", sagt Rasche. Dies werde sich in den nächsten zehn Jahren verstärken. "Die Unternehmen müssen flexibler werden. Wer sich nur sklavisch an ein Anforderungsprofil hält, muss unter Umständen sehr lange warten, bis er eine Stelle mit der richtigen Person besetzen kann."

Es gebe nicht nur stromlinienförmige Lebensläufe, geeignete Bewerber müssten entwickelt werden. Daher sei es nötig, jeden individuell zu betreuen und in Augenschein zu nehmen.Auf eine Einladung zu einem solchen persönlichen Gespräch wartet Alisa aber seit Monaten vergeblich. Die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner teilt Alisas Zweifel daran, dass die Kandidaten heute noch individuell beurteilt werden: "Es geht nur darum, möglichst viele Leute auszusortieren, da findet eine gnadenlose Selektion statt. Manche bewerben sich und kriegen innerhalb von Minuten die Absage. Das zeigt, wie automatisiert das ist. Die Leute werden nur brutal an Daten und Fakten gemessen. Wer nicht der Idealkandidat ist, hat keine Chance."

Leitner beobachtet, dass die elektronischen Raster in den letzten Jahren enger gezogen und schärfer gestellt werden, weil die meisten Firmen keine Experimente eingehen und möglichst wenig Zeit und Geld investieren wollen, um die Besten zu finden. "Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau mit Locken soll jetzt die Technik so perfekt wie möglich erledigen", sagt sie.

Das Anschreiben - Werbebroschüre fürs Ich

mehr...