Die unerwartete Verschiebung des Einführungstermins auf 2007 stößt bei den Rektoren auf massive Kritik.
Die elf Universitäten in Bayern sind enttäuscht über die Verschiebung der Einführung von Studiengebühren. "Es ist traurig und schade, dass die Gebühren erst 2007 kommen. Uns entgeht damit eine Menge Geld, dass wir zur Verbesserung der Betreuungssituation brauchen könnten", sagte gestern der Sprecher und Vorsitzende des Vereins Universität Bayern, der Passauer Uni-Rektor Walter Schweitzer. Die Hochschulen hätten sich mit dem Zeitpunkt Sommersemester 2006 gut arrangieren können. Zugleich bedauerte er, von der Entscheidung des Ministeriums aus der Presse erfahren zu haben und nicht vorab darüber informiert worden zu sein.
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Das bayerische Wissenschaftsministerium hatte in der vergangenen Woche überraschend bekannt gegeben, dass die Studiengebühren erst zum Sommersemester 2007 erhoben werden sollen. Damit wurde der Termin erneut verschoben. Ursprünglich war einmal das Wintersemester 2005/06 als frühestmöglicher Zeitpunkt angestrebt worden. Das Ministerium erklärte vergangene Woche, dass die Hochschulen eine längere Vorlaufzeit benötigten. Diese kritisierten jetzt aber die Entscheidung. "Wir sind darüber nicht erfreut, schon weil es vom Staat vorerst kein zusätzliches Geld geben wird", sagte der Münchner TU-Präsident Wolfgang Herrmann.
Gebühren und Spenden sehen die bayerischen Universitäten als eine neue Finanzquelle, um die schlechte Betreuungssituation in der Lehre zu verbessern. Der Staat jedenfalls scheint nicht mehr in der Lage zu sein, dafür zusätzlich Mittel zu geben. Mit dem jüngst unterzeichneten Innovationspakt besteht für die Hochschulen zwar bis 2008 Planungssicherheit, jedoch lediglich bei gleich bleibendem Etat. Das wird bei dramatisch ansteigenden Studentenzahlen in den kommenden Jahren nicht ausreichen, um die Qualität zu halten, wie auch das Mittelstraß-Gutachten im Auftrag des Wissenschaftsministeriums deutlich machte.
Die Hochschulen begrüßten das klare Signal der Experten an die Politik. "Wenn Wissenschaft in Bayern höchste Priorität hat, muss noch mehr Geld dazu kommen", sagte Schweitzer. Die Rektoren fordern zudem die Kapazitätsverordnung aufzuheben, die festschreibt, wie viele Studenten pro Fach aufgenommen werden müssen. "Das ist ein Relikt aus der Vergangenheit", sagte Herrmann. Die Unis wollten lieber selbst mit dem Staat vereinbaren, wie viele Absolventen sie auf welchem Niveau ausbilden.
Neben Lob gab es auch Kritik am Gutachten. Problematisch halten die Uni-Rektoren die Abgrenzung der vier Spitzenuniversitäten in München, Erlangen und Würzburg von den restlichen Hochschulen, nur weil sie besonders viele Forschungsgelder einwerben. "Das Mittelstraß-Papier ist arg drittmittellastig", klagte der Passauer Rektor Schweitzer. Die kleinen Unis sähen sich nicht imstande mitzuhalten, schon weil es ihnen an Geld fehle. Zugleich forderte er sie auf, sich in herausragenden Gebieten mehr zu profilieren. Besonders Geisteswissenschaftler müssten lernen, wenn sie eine gute Idee hätten, staatliche Töpfe anzuzapfen.
Widerstand kündigten die bayerischen Uni-Chefs auch gegen den Vorschlag der Mittelstraß-Kommission an, das Lehramt für Grund- und Hauptschulen an Fachhochschulen zu verlagern. Das wäre eine absolute Ressourcenverschwendung, sagte Schweitzer. Der Staat habe sich vor 35 Jahren für eine wissenschaftliche Lehrerbildung entschieden. Dabei solle es bleiben.
(SZ vom 18.5.2005)