Von Von Christine Burtscheidt

Kompliment an alle Lehrer und Schüler in Bayern: Selbst unter schlechten Rahmenbedingungen bringen sie es zu Spitzenleistungen.

Wenn heute Mittag der zweite nationale Pisa-Test in Berlin präsentiert wird, dürfte Edmund Stoiber wieder laute Siegesfanfaren anstimmen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind Bayerns Schüler zum zweiten Mal als überragende Gewinner aus dem Pisa-Bundesländervergleich hervorgegangen. Der Freistaat erreichte Bestnoten in Mathematik, Naturwissenschaft und Lesekompetenz. Hinzu kommt ein weiterer Spitzenplatz im neuen Fach Problemlösen. In Mathematik dringen die 15-jährigen bayerischen Schüler sogar in die Weltspitze der Pisa-Siegerstaaten Finnland, Korea, Niederlande und Kanada vor.

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Hohe Standards, viel Unterricht: Bayerns Schüler müssen mehr lernen und sitzen länger in der Schule als andere. (© Foto: ddp)

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Das Ergebnis überrascht nicht. Es deutete sich bereits beim zweiten internationalen Pisa-Durchlauf an, der im Dezember 2004 veröffentlicht wurde. Hier gelang es Deutschland weltweit von Platz 21 auf Platz 16 ins vordere Mittelfeld aufzurücken. Das Pisa-Konsortium verzeichnete dabei die "stärksten Zuwächse" beim Gymnasium. Dieses verbesserte sich insbesondere in den Naturwissenschaften und der Mathematik. In der Lesekompetenz war lediglich von einer "Stabilisierung" die Rede. Schlecht schnitt erneut die Hauptschule ab.

Die CSU wird jetzt natürlich wieder die bayerischen Bestnoten als Beweis für das gute bayerische Schulsystem sehen. Und Kritiker wie die SPD oder die Grünen müssen sich fragen, warum die Bayern trotz zurzeit anhaltender Proteste gegen Lehrermangel, Stundenausfall oder die mangelhafte Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums erneut so gut dastehen? Antworten darauf gibt es viele.

Zum einen war schon deshalb mit einem ähnlichen Abschneiden der Bayern zu rechnen, da zwischen der Veröffentlichung des ersten Bundesländervergleichs im Juni 2002 und dem zweiten Test im Frühjahr 2003 gerade einmal ein Dreiviertel Jahr lag. In der Zeit konnten sich Reformen zum Guten oder Schlechten hin noch gar nicht auswirken. Übrigens auch keine gravierenden Änderungen wie das G 8. Die Schulzeitverkürzung war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal beschlossen.

Wenig Geld für Bildung

Dass Bayerns Schüler ihre Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften steigerten, führt das Pisa-Konsortium auf neue Lehrmethoden zurück, die vor allem eine Folge der internationalen Timss-Studie von 1997 waren.

Zum anderen ist allen Lehrern und Schülern in Bayern ein Kompliment zu machen, dass sie es selbst unter schlechten Rahmenbedingungen zu Spitzenleistungen bringen. Denn im Freistaat, das zeigte schon Pisa I, sind die Klassen groß. Auch gibt das Land bezogen auf sein Bruttoinlandsprodukt wenig Geld für Bildung aus.

Die gute Platzierung ist in erster Linie auf hohe Leistungsstandards zurückzuführen, die durch zentrale Prüfungen, gewährleistet werden, und durch viel Unterrichtszeit. Deshalb will der Philologenverband auch nicht an der Stundentafel für das Gymnasium rütteln. Das Kultusministerium plant sie auf das deutsche Durchschnittsniveau zu reduzieren, da Eltern die Überforderung ihrer Kinder im langen Nachmittagsunterricht beklagen.

Der Preis eines solchen Schulsystems ist eine frühe Auslese. Nach der Grundschule fällt die Entscheidung über die Schullaufbahn. Verlierer sind hier Kinder aus bildungsfernen Schichten insbesondere aus den Migranten-Familien. Lediglich drei bis vier Prozent schaffen den Sprung auf das Gymnasium. Der größte Teil der 22,4 Prozent ausländischen Jugendlichen jedoch besucht die Hauptschule - also die Schulart, die bei Pisa die größten Probleme aufweist.

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(SZ vom 14.7.2005)