Bayerns Hochschulen fürchten Qualitätseinbußen.
Wie schön ist es doch, wenn man in angespannten Zeiten einmal von den eigenen Problemen ablenken und auf die Schwächen des politischen Gegners zeigen kann. Als "Verzweiflungstäter" und "Wendehälse ohne Format und Anstand" zieh Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) die SPD für ihren Vorschlag, zehn Elite-Universitäten aufbauen zu wollen. Mit 35 Jahren Verspätung heuchelten die Alt-68er nun Einsicht, während der Bund den Hochschulbau aushungere. Goppel listete auf, wie viel Geld der Bund hier durch Kürzungen inzwischen den Ländern schulde: "Das sind allein in diesem Jahr 260 Millionen Euro." Edmund Stoiber legte noch eins drauf und sprach von "Schnellschüssen" und "Luftschlössern". Was sind schließlich 100 Millionen Euro für zehn Elite-Einrichtungen?
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Die Überheblichkeit der Bayern ist bei diesem Thema nicht ganz unbegründet. Zum einen tragen die elf Universitäten im Freistaat erheblich zur deutschen Spitzenforschung bei. So landeten im vergangenen Jahr beim Leistungsvergleich der Deutschen Forschungsgemeinschaft gleich vier Hochschulen auf den zehn vordersten Plätzen. Auch bekommen sie zurzeit bundesweit mit Abstand die meisten Drittmittel. Mehr als 30 Prozent ihres Etats decken Forschungszuschüsse ab. Bei der Technischen Universität in München sind es sogar 40 Prozent. Würden also zehn deutsche Universitäten in den Rang so genannter Elite-Hochschulen gehoben werden, müsste darunter auf jeden Fall mehr als nur eine bayerische Einrichtung sein.
Wahr ist auch, dass die bayerische Staatsregierung die Elitenförderung schon lange vor der Bundesregierung wiederentdeckte. Bereits 1998 entstand auf Betreiben der Wirtschaft und der Münchner Staatskanzlei die Elite-Akademie. Unternehmen gaben zehn Millionen Euro, um jährlich 30 Teilnehmern den Zugang zu der zweijährigen Ausbildung für Führungskräfte zu ermöglichen. Nun soll die Sache auf ein breites Fundament gestellt werden. Das neue "Elitenetzwerk" will in Bayern jährlich 2000 Studenten und 120 Nachwuchswissenschaftler fördern. 315 Stellen wird die Staatsregierung dafür zusätzlich schaffen. 14 Millionen Euro sollen die Wirtschaft und Hochschulen dafür aufbringen.
So gut das auch klingt, so schwierig wird es für die Hochschulen sein, dafür zusätzlich Geld locker zu machen. Denn im Zuge der Sparbeschlüsse müssen sie nun erstmals auch im Freistaat massive Kürzungen hinnehmen. Allein in diesem Jahr werden trotz steigender Studentenzahlen 200Stellen abgebaut. Vor diesem Hintergrund denken die Hochschulen weniger über Eliten als über ihre Existenz nach. Man müsse versuchen, den Spitzenplatz zu halten, sagte der Rektor der Münchner Universität, Bernd Huber. Elite-Unis wie Stanford seien nicht mit deutschen Hochschulen zu vergleichen, meint auch der Sprecher der bayerischen Rektoren, Wolfgang Herrmann. "Da geht es finanziell um ganz andere Größenordnungen." Und davon sei man selbst in Bayern weit entfernt.
(SZ vom 9.1.2004)
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