Von Christine Demmer

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich die Banken-Branche sicher aufgestellt glaubte, stürzen Auslandsrisiken und faule Kredite sie erneut in eine schwere Krise. Gut, dass sie den Personalabbau hinter sich haben.

Fünf beinharte Jahre haben Banken und Sparkassen durchgemacht. Eine Entlassungswelle nach der anderen schliff die Geldhäuser bis auf die Knochen, eine Restrukturierung nach der nächsten machte Strukturen und Besitzstände zu bloßen Zeiterscheinungen. Doch gerade zu einem Zeitpunkt, als sich die Branche gekräftigt und gut aufgestellt glaubte, stürzen Auslandsrisiken und faule Kredite sie erneut in einen schweren Taumel. Glücklicherweise verfügen viele Banken über ausgezeichnete Krisenmanager. Was manchen Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand spotten lässt: "Auch wenn diese die dafür nötige Krise erst selbst herbeiführen müssen."

Bankenviertel in Frankfurt

Bankenviertel in Frankfurt: Gespart wird da, wo es nicht auffällt. (© Foto: dpa)

Anzeige

Aus dem Gröbsten heraus scheint die Deutsche Bank zu sein. Bereits im Jahr 2006 erhielten weltweit mehr als 5400 neue Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag. "Und in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres haben wir mehr als 9000 neue Stellen geschaffen, etwa 1400davon in Deutschland", sagt Georg Johann Bachmaier, Leiter Recruiting Deutschland. Allein 200 junge Banker wurden von den Hochschulen weg engagiert. Auch 2008 will die Deutsche Bank ihre Personalplanung fortlaufend der Marktentwicklung anpassen. "Für den Trainee-Jahrgang 2008 wollen wir", kündigt Bachmaier an, "weltweit circa 1200 Hochschulabsolventen rekrutieren." So jedenfalls lautet die Planung, Stand heute. Darin sind die aktuellen Marktturbulenzen vermutlich noch nicht eingepreist.

Fähigkeit zur Teamarbeit

Über einen Mangel an Kandidaten kann sich der Marktführer nicht beklagen. "Wir suchen immer die besten Talente und zwar für das Investmentbanking über die Firmen- und Privatkundenbetreuung bis hin zu Technology & Operations und der internen Unternehmensberatung", erklärt Bachmaier. "Uns interessiert das Potential des Bewerbers. Welches Fach er genau studiert hat, spielt nicht die entscheidende Rolle. Wichtig sind seine Gesamtpersönlichkeit, eine große Affinität zu Finanzen und ein hoher Leistungswille. Daneben legen wir großen Wert auf Praxis- und internationale Erfahrung, sichere Fremdsprachenkenntnisse und die Fähigkeit zur Teamarbeit." Die Deutsche Bank ist längst in der Globalisierung angekommen. "Unsere Kunden werden oft von einem weltweiten Team betreut", sagt Bachmaier.

Überhaupt scheint der Begriff "Grenzen" für Banker ein Unwort zu sein. Auch Michael Kobl, Leiter Nachwuchsentwicklung bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) in München, gibt sich weltaufgeschlossen: "Wir agieren als europäischer Finanzdienstleister rund um den Globus. Mitarbeiter, die solche zunehmend komplexen Anforderungen erfüllen sollen, brauchen eine hohe berufliche Handlungskompetenz. Deshalb ist die Grundlage für einen erfolgreichen Berufsstart, zum Beispiel im Investmentbanking, ein gut bis sehr gut abgeschlossenes Studium. Analysefähigkeit und strukturiertes Denken müssen stark ausgeprägt sein, denn sie bilden die Voraussetzung für professionelle Beratung."

Die Hauptaufgaben der Berater sind Kundenbetreuung, Analyse, Prüfung - und zunehmend der Verkauf von Bankprodukten. Für Bankenkenner Stefan Lamprecht von Steria Mummert Consulting in München ist das nichts Neues: "Von hochqualifizierten Vertriebsmitarbeitern für das Firmen- und Individualkundengeschäft können die Banken derzeit nicht genug bekommen", sagt der auf Partnerebene tätige Unternehmensberater. "Besonders honoriert werden überfachliche Kompetenzen und eine unternehmerische Einstellung. Dagegen geraten die Mitarbeiter der Stäbe und des Bankbetriebs wie zum Beispiel im Zahlungsverkehr und bei der Wertpapierabwicklung tendenziell unter Druck, denn Automation, die Bündelung von Aufgaben und deren Auslagerung nehmen immer noch zu."

Auf der nächsten Seite: Wie sich der Umbau vom Back- zum Front-Office aufs Personal auswirkt.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Auf Talentsuche für die nächste Krise
  2. Auf Talentsuche für die nächste Krise
Leser empfehlen