Die nächsten Studentenproteste sind gewiss: Die Schwächen der Bologna-Reform lassen sich nicht durch ein paar Korrekturen beheben.
Vor zehn Jahren wurde die Reform der akademischen Ausbildung beschlossen, die unter dem Namen "Bologna" figuriert, im vergangenen Jahr waren etwa drei Viertel der gut zwölftausend Studiengänge in Deutschland auf den "Bachelor" und den "Master" umgestellt. Widerstand gegen dieses Unternehmen, in seiner Gesamtheit wie in einzelnen Teilen, gibt es von Anfang an, auch in Gestalt studentischer Proteste.
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Die Studenten werden auch in Zukunft gegen die Bologna-Reform protestieren. Die Beschlüsse der Kultusminister können daran nichts ändern. (© Foto: dpa)
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Doch erst jetzt, reagiert die Bildungspolitik. Am Donnerstagabend beschlossen die Kultusminister und die Hochschulrektoren, einige der auffälligsten Zumutungen zurückzunehmen. Gemessen aber an dem, was von den Studenten und den Kritikern der Reform gefordert worden war, ist das Entgegenkommen bescheiden ausgefallen.
Es liegt etwas grundsätzlich im Argen
Die Gründe für diese Zurückhaltung sind nicht sachlicher, sondern politischer Natur, ebenso wie die überraschende Ankündigung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, das Bafög zu erhöhen, politischer Natur ist. Mit der Studienreform nach "Bologna" liegt etwas grundsätzlich im Argen, und das ist erkennbar daran, dass auch nach zehn Jahren keines der drei wichtigsten Ziele dieser radikalen Umwälzung der akademischen Ausbildung erreicht ist: Der "Bachelor" hat sich bisher kaum als berufsqualifizierender Abschluss durchgesetzt, mit der Folge, dass die Studenten den "Master" machen und also länger studieren müssen.
Die "Mobilität" der Studenten ist geringer geworden. Stattdessen ächzen die Studenten, weil sie alle paar Wochen geprüft werden, das Studium ist radikal bürokratisiert, weil in der Konkurrenz der Hochschulen und Institute untereinander die Studiengänge ins Kraut schießen, und die Hochschullehrer werden zugeschüttet mit Korrekturpflichten und Dokumentationsaufgaben.
Für das Verhalten der Bildungspolitiker gibt es ein Muster: die Rechtschreibreform. Auch sie ging auf eine bürokratische Phantasie zurück, auch sie löste heftigen Widerstand aus, und als endlich überdeutlich wurde, dass sie ein Irrtum war, begann ein zähes Zurückweichen, das, in mehreren Etappen, zur weitgehenden Auflösung der Reform führte. In den meisten Veröffentlichungen deutscher Sprache wird heute, abgesehen vom "ss", wieder so geschrieben, wie das vor fünfzehn Jahren der Fall war.
Die Kosten dieses Scheiterns aber waren immens - weil die Politik über diese Reform immer nur politisch verhandeln wollte, also in den Kategorien von Interesse und Durchsetzung, nie aber sachlich, in Form einer Auseinandersetzung über Sprache und Schrift.
Ein paar Prüfungen weniger machen es nicht besser
Auch im Fall von "Bologna" ist absehbar, dass die Widersprüche innerhalb der Reform nicht durch ein paar Prüfungen weniger zu beheben sind. Die nächsten großen studentischen Proteste gegen "Bologna" sind so gewiss, wie es der nächste überarbeitete "Duden" in der Rechtschreibreform war. Deshalb sollte, wer eine lange, verlustreiche Auseinandersetzung vermeiden möchte, jetzt endlich über Inhalt und Zweck der akademischen Bildung reden.
Die schärfsten Kritiker der Reform nach "Bologna" haben ihrer Sache keinen guten Dienst erwiesen, als sie auf der Überlegenheit der alten Universität gegenüber der neuen beharrten. Denn das Ideal der Humboldt'schen Universität wurde selten gelebt, und Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, hat recht, wenn er meint, eine Universität, die von vierzig Prozent eines Jahrgangs besucht werde, müsse anders aussehen als eine, zu der zehn Prozent eines Jahrgangs gingen.
Nicht zum Arbeiten an der Uni
Dennoch ist erkennbar, wo das eigentliche Problem von "Bologna" liegt: in der Vermischung einer stärkeren Strukturierung des Studiums mit seiner Ökonomisierung, mit einer Verschärfung der akademischen Konkurrenz. Letztere führt dazu, dass es nach der jüngsten Korrektur der Reform heißt, die Studenten müssten jetzt weniger "arbeiten". Aber sie sind nicht zum Arbeiten an der Universität, sondern zum Studieren.
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(SZ vom 12.12.2009/holz)
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Deutschen liegt derart am Boden, dass wir es wohl nur noch mit einer Enthauptung der heutigen Machteliten bewerkstelligen können, dieses Land wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wer sich die öffentlichen Diskussionsbeiträge der Repräsentationsstalinistin Sara Wagenknecht von der kommunistischen Plattform genau anhört, dem muss die Angst in die Knochen fahren, weil hier präzise formuliert wird, was uns womöglich ein Revival der Stalinisten bescheren könnte. Aufgrund der real-existierenden
Privilegiertensubventionierungs- und begünstigungspolitik der heutigen Regierung Merkel-Westerwelle, wird nämlich der von Hanns-Eberhard Schleyer so vehement beklagte und kritisierte Gesellschaftszerfall sogar noch weiter gesteigert.
Man kann es kaum mehr fassen, wie in Deutschland die Hybris des reaktionär-feudalistischen Besitzbürgersystems sich selbst mit aller Gewalt ihrer Grundlagen zu begeben bemüht.
Es ist eine Tragödie, die in der deutschen Geschichte ihresgleichen sucht und wir sind die Zeitzeugen dieser fundamentalen gesellschaftlichen Tragödie.
Zitat:
Hanns- Eberhard Schleyer, in der «Braunschweiger Zeitung». Wenige Tage vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern forderte er deshalb stärkere Konsequenzen der Politik. Das sei eine Katastrophe für einen Standort wie Deutschland, sagte Schleyer.
Zitatende.
Dies ist also das Ergebnis der sogen. Bildungspolitik, die ihren Anfang mit der geistig-moralischen Wende der Herren Kohl und Genscher nahm und die mit der massiven Desinformations-, Entbildungs- und Entgeistigungspolitik der christ-liberalen Koalition realisierten Medienprivatisierungspolitik umgesetzt wurde.
Wer heute in chinesischen Zeitungen nachliest, der wird unter dem Stichwort Infotainment Kommentare zu lesen bekommen, die ihm das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Das was wir heute in Deutschland vorfinden, wenn wir denn überhaupt noch den Mut und die Fähigkeit des Hinsehens, des Wahrnehmens, des dynamischen Analysierens und des rationalen Schlussfolgerns haben, der wird eines finden: Zustände und Verhältnisse, die jenen entsprechen, welche wir in den Schulen und Universitäten des 17., 18. und 19. Jahrhunderts in Deutschland vorfinden. Es ist der fundamentalistische und totalitaristische Feudalstaat, der uns in nur 27 Jahren von den Truppen der Kohl-Genscher, Schröder-Fischer und Merkel-Müntefering/Steinmeier-Koalitionen beschert wurde und den wir uns von diesen lobbyistischen Kaderfunktionären unserer Besitztumselite haben verabreichen lassen.
Der Verdummungs-, Entgeistigungs- und Entbildungsgrad, dem wir heute gegenüberstehen, ermöglicht gewiss die hyper-effiziente Manipulation der Mehrheitsgesellschaft qua ihres Desinformationsniveaus. Er birgt aber auch die Grundlagen all jener wirtschaftlichen Desaster, welche heute selbst von so reaktionär-konservativen Repräsentanten wir Hanns-Eberhard Schleyer kritisiert und beklagt werden.
Mein Gott, du Worklauberin. Was soll daran ignorant sein. Dann heißt der Satz halt:
In den meisten Veröffentlichungen deutscher Sprache wird im Großen und Ganzen heute, abgesehen vom "ss", wieder so geschrieben, wie das vor fünfzehn Jahren der Fall war. Zufrieden?
Ja stimmt, Schifffahrt schreibt man auch jetzt mit drei FFF. Augenroll...
"In den meisten Veröffentlichungen deutscher Sprache wird heute, abgesehen vom "ss", wieder so geschrieben, wie das vor fünfzehn Jahren der Fall war."
Diese Aussage ist definitiv falsch. Die Reform hatte sicher Schwächen und es wurde nachgebessert. Aber sie auf das "ss" zu reduzieren, ist ziemlich ignorant. Ich erinnere z.B. daran, dass "in Bezug auf" nach alter RS "in bezug auf" geschrieben wurde, was völlig unlogisch ist. Aber als Aufhänger taugt sie anscheinend immer noch.
"Der "Bachelor" hat sich bisher kaum als berufsqualifizierender Abschluss durchgesetzt, mit der Folge, dass die Studenten den "Master" machen und also länger studieren müssen."
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Damit zeigt sich das eigentliche Problem treffend beleuchtet - chapeau, da frage ich mich nur, womit man sich im Bildungsministerium so in 10 Jahren beschäftigt........
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