Von Jan Friedmann

Nicht jeder Bachelor-Studiengang glänzt mit Reformen.

Von den mehr als 9.000 grundständigen Studienangeboten in Deutschland folgen im Wintersemester 2001/2002 mehr als 1.000 dem gestuften Modell mit Bachelor und Master - und es werden ständig mehr.

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Studenten an der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder (© )

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Die ersten "Gesellen" - denn so ist die deutsche Übersetzung für "Bakkalaureus" - sind längst in den Arbeitsmarkt eingetreten. Sie konkurrieren dort mit den "Meistern", den Absolventen der Magister- und Diplomstudiengänge.

Über ihren Marktwert sind sie sich oft unsicher: Überwiegt nun der Startvorteil des jüngeren Einstiegsalters oder der Nachteil der fehlenden Jahre an der Universität?

Die Antwort ist ein klares Sowohl-Als-Auch: Die Wirtschaft, die vehement auf eine stärkere Ausrichtung des Studiums an ihren Bedürfnissen drängt, kann sich nicht entscheiden, ob sie lieber aufwändig ausgebildete Fachkräfte oder noch formbare Generalisten einstellen will.

Mancher Master oder Bachelor wird beim Vorstellungsgespräch skeptische Blicke ernten.

In der allgemeinen Bildungsdiskussion werden die gestuften Abschlüsse dagegen als Allheilmittel gehandelt: Schnell, billig, international, berufsqualifizierend - so lautet der Wunschkatalog für die neuen Studiengänge. Und mit Bachelor und Master sollen auch die anderen Probleme der Hochschulen verschwinden. Sogar die viel kritisierte Lehrerausbildung soll ab diesem Jahr an einigen Universitäten in das gestufte Modell überführt werden.

Das gelobte Bildungsland sind die USA - genauer gesagt die renommierten Bildungsanstalten der "Ivy League": Diese Elite-Universitäten dienen als leuchtendes Beispiel für Effizienz und solide Finanzierung.

Die deutsche Wirklichkeit ist indes weit von den amerikanischen Wunschbildern entfernt. Jeder Reformstudiengang, so betonen Hochschulexperten, ist nur so gut, wie er tatsächlich Reformelemente integriert. Ein modularer Aufbau und die Bewertung nach dem Kreditpunktesystem sind mittlerweile Standard. Beide sollen den Leistungen, die während des Studiums erbracht werden, gegenüber dem Examen mehr Gewicht einräumen und Auslandsaufenthalte erleichtern.

Dagegen bieten längst nicht alle gestuften Studiengänge ihren Studenten bessere Betreuung und Ausstattung oder zusätzliche Kurse, etwa in Fremdsprachen oder Datenverarbeitung.

Angehende Studierende sollten sich das jeweilige Programm gut anschauen, bevor sie sich für einen Studiengang entscheiden. Denn auch der "Geselle" ist noch nicht vom Himmel gefallen.

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