Die Kultusminister fordern die Hochschulen auf, ihre Bachelor-Studiengänge zu reformieren. Studenten sollen weniger arbeiten und länger in der Uni bleiben.
Das Gerangel um die Reform der Studiengänge in Deutschland geht weiter. Nachdem die Hochschulrektoren die Verantwortung für die Misere bei den Ländern sahen, fordern nun die Kultusminister von den Universitäten eine Reform der umstrittenen Bachelor-Studiengänge. Diese müssten insgesamt "studierbarer" werden. Stoff-Fülle und Prüfungszahl sollten begrenzt und die Studienzeiten insgesamt flexibler gestaltet werden. Dies sieht das neue bundesweite Konzept für die Bachelor- und Masterstudiengänge vor, das die Kultusminister in Bonn beschließen wollen.
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Die Studenten protestieren weiter. Und Hochschulrektoren und Länder schieben sich gegenseitig die Verantwortung für das Reformchaos zu. (© Foto: ddp)
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Für Donnerstag haben die seit Wochen protestierenden Studenten erneut eine bundesweite Demonstration in Bonn angekündigt. Die Studenten wollen die Kultusminister wegen der zahlreichen Probleme an den Universitäten zum "Nachsitzen" zwingen.
Nach den Vorstellungen der Kultusminister soll das Bachelor-Studium von den Hochschulen nicht einheitlich auf sechs Semester begrenzt werden. Je nach Fach könne es auch sieben oder acht Semester dauern. Die Gesamt-Regelstudienzeit einschließlich des Masterabschlusses soll allerdings weiterhin fünf Jahre betragen.
Die Hochschulen sollten das Studium so organisieren, dass ein Student nicht länger als 32 bis 39 Stunden pro Woche mit Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Praktika und Selbststudium beschäftigt ist, heißt es in dem Papier der Kultusminister weiter. "Die Hochschulen haben die Studierbarkeit des Studiums innerhalb dieses Rahmens unter Berücksichtigung der Arbeitsbelastung der Studierenden im Akkreditierungsverfahren darzulegen und regelmäßig in ihrer Angemessenheit zu überprüfen." Die Akkreditierung eines Studienganges durch eine unabhängige Institution soll der Qualitätskontrolle dienen.
Umstritten in der Kultusministerkonferenz ist hingegen noch, ob die Hochschulen nach dem Bachelor-Abschluss für die Fortsetzung der Ausbildung in einem Masterstudiengang "weitere Zugangsvoraussetzungen bestimmen" können. Die Abschaffung dieser zusätzlichen Zugangshürden zum Master ist eine Kernforderung des studentischen Protestes. Viele Studenten befürchten, dass sie allein mit dem Bachelor-Abschluss schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und auch andere Kultusminister haben sich für einen freien Zugang zum Masterstudium ausgesprochen. Vor allem die Universitäten wollen hingegen an den Master-Zulassungsbeschränkungen festhalten.
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(sueddeutsche.de/dpa/holz/gal)
DFB-Torhüter ter Stegen
@Kampffrosch
Ist ja lustig - Modallogik hatte ich auch zur Genüge :-)
Ich habe mir letztes Semester (ich mache ein Zweitstudium) einmal die Mühe gemacht die durchschnittliche Arbeitszeit zu erfassen. Dabei habe ich Fahrtzeiten (mit dem Fahrrad) zur Hälfte mitgerechnet (machen aber nicht viel aus). Ich komme auf knapp über 50 Stunden pro Woche (Wochenendlernen natürlich mitgerechnet), eine Kommilitionin auf knapp 60 Stunden (sind Mädels fleißiger?). Ich fürchte leider das dieses Wintersemester deutlich härter wird.
Ich finde das recht viel, da es sich hier ja um geistige Arbeit ist, meist neue Inhalte gelernt werden und allgemein ein hoher Stresspegel herrscht. Einen Vergleich zur 40-Stunden-Woche eines normalen Arbeitnehmers finde ich daher nicht sinnvoll, da man in den meisten Jobs irgendwann weiß was man wie zu tun hat und daher nicht mehr in der Weise so intensiv geistig tätig werden muss.
Was ist das für eine absurde Zahl? Sie ist aus mindestens drei Gründen widersinnig: a) Morgens um 9 Uhr an die Uni und um 16 Uhr ist Feierabend ("Ich hab´ jetzt Feierabend!"), Wochenende ist danach frei. Zählt die Vorlesungsfreie Zeit eigentlich mit? Traut hier niemand den Studenten Arbeit zu? Wenn ich pro Veranstaltung ein bis zwei Stunden Nacharbeit nehme und selbst wenn ich keine größeren Prüfungen dazurechne, kommt man damit für ein tiefergehendes Studium nicht hin. Wer damit hinkommen will, soll eine Lehre machen, dann hat er Feierabend. Für Studenten ist das unrealistisch. b) Woher kommt die Zahl? Kürzlich hat doch Stefan Kühl hier die Kurzfassung eines Aufsatzes veröffentlicht, in dem er die Willkürlichkeit "offizieller" Zahlen aufzeigt. Ob irgendwer (macht das so ein Ministerialheinie oder wer?) mit einer, zwei oder drei Stunden veranschlage, ist vollkommen beliebig. Prof. 1, der die gleiche Einführungsveranstaltung seit 15 Jahren hält, gibt eine Stunde an, Prof. 2 meint, er habe den Stein der Weisen gefunden, und hält sie für mindestens 3 Stunden wert, Prof. 3 will die Fakultätsratssitzung hinter sich bringen und schlägt 2 Stunden als Kompromiss vor. c) Woher kommen die Zahlen? Kriegen die Studenten ein tragbares Magnetresonanzspektroskop aufgesetzt und ihre Arbeitszeit wird gemessen (mit Intensitätsfaktor?) Welchen Studenten nehmen wir? Philo. im HS "Modallogik möglicher Welten nach David K. Lewis" oder LA-Student "Grundzüge der Geschichte der Erziehungswissenschaften"? (vgl. b) ).
Leute, wenn da eine willkürliche Zahl in die Welt gesetzt wird, ist keinem gedient, auch wenn man so die beliebte Pseudoobjektivität gewinnt. Soll auf dieser Grundlage reformiert werden? Man verschone Deutschland mit dieser Reform!
Ist es denn zuviel verlangt sich vor Unterzeichnung einer Reform mal Gedanken über die doch wirklich offensichtlichen Folgen des Ganzen zu machen?
Kann denn nicht endlich mal ein Verantwortlicher seinen Hut nehmen? Darf man als Politiker eigentlich ohnehin unterzeichnen was man will?
Ich will hier gar nicht so weit gehen, einmal einen durchdachten Vorschlag zur Lösung der ganzen Misere zu fordern. Die spielen sich jetzt solange mit lächerlichen Vorschlägen die Bälle zu bis das keinen mehr interessiert oder noch besser, einigen sich auf eine halbärschige Lösung, die in zwei Jahren wegen offensichtlicher praktischer Undurchführbarkeit ohnehin wieder geändert werden muss (ja klar, 4 Jahre Bachelor aber den Master dann doch noch in Regelstudienzeit; was für ein unglaublicher Geniestreich).
"Nachdem die Hochschulrektoren die Verantwortung für die Misere bei den Ländern sahen, fordern nun die Kultusminister von den Universitäten eine Reform der umstrittenen Bachelor-Studiengänge.
Diese müssten insgesamt "studierbarer" werden. Stoff-Fülle und Prüfungszahl sollten begrenzt und die Studienzeiten insgesamt flexibler gestaltet werden. Dies sieht das neue bundesweite Konzept für die Bachelor- und Masterstudiengänge vor, das die Kultusminister in Bonn beschließen wollen."
Erst fordern die Kultusminister eine Reform von den Hochschulen, die sie aber dann doch selber beschließen? Entweder ist in dem Artikel oder bei den Kultusministern der Wurm drin. Ich tippe auf Letztere.
In den wichtigsten Punkten bleibt die KMK leider völlig uneinsichtig. Wer den Bachelor
auf 4 Jahre verlängern will, muss erstmal das Limit von 5 Jahren für Bachelor + Master
aufheben, denn ein zweisemestriger Masterstudiengang ist vollkommen unsinnig. Da geht es ja nach der Einführungsveranstaltung gleich zur Abschlussprüfung.
Wer die Universitäten in die Verantwortung für studierbare Bachelorstudiengänge nehmen will, muss ihnen erstmal die dafür nötigen Freiräume geben, also insbesondere mehr
Geld bereitstellen und die ebenso unsinnigen wie kostspieligen Akkreditierungsverfahren abschaffen.