Bachelor-Reform Mehr Freiheiten, weniger Prüfungen

Kultusminister und Hochschulrektoren arbeiten gemeinsam an einer Verbesserung der neuen Bachelor-Studiengänge. Für die Studenten könnte es ein Befreiungsschlag werden.

Die seit Wochen anhaltenden Studentenproteste zeigen Wirkung: Die Kultusminister von Bund und Ländern wollen mit einer Korrektur der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge reagieren. Die Studenten hätten mit ihren Forderungen nach einer Reform recht, erklärte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle.

"Wir wollen dem heute in der Kultusministerkonferenz (KMK) mit einem Korrekturpaket Rechnung tragen" sagte der CSU-Politiker, der Vizepräsident der Kultusministerkonferenz ist, dem Bayerischen Rundfunk. Der KMK-Vorsitzende Henry Tesch (CDU), Kultusminister in Mecklenburg-Vorpommern, kündigte eine Senkung der Prüfungslast während des Bachelorstudiums an.

Gemeinsame Lösung

Die Kultusminister der Länder und die Hochschulrektoren zeigten sich zuversichtlich, einen gemeinsamen Weg zur Verbesserung der kritisierten Bachelor- und Master-Studiengänge zu finden. Beide Seiten gingen davon aus, dass es eine "gemeinsame tragfähige Lösung" geben werde, sagte Tesch in Bonn. Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel.

Die Präsidien von KMK und HRK waren in Bonn wegen der anhaltenden Studentenproteste gegen die Studienreform zu einem Treffen zusammengekommen. Die KMK will am Nachmittag Eckpunkte für Nachbesserungen an der Reform beschließen, in deren Rahmen die kürzeren und verschulteren Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt wurden.

Der bayerische Kultusminister Spaenle erklärte, dass nach den Vorstellungen der KMK künftig weniger Prüfungen abgenommen werden sollten, "um die Stresssituation etwas zu entschärfen". Auch die starre Regelung von sechs Semestern Dauer des Studiengangs zum Bachelor solle geändert werden. "Hier soll Flexibilität des Fachbezogenen kürzere und längere Studien ermöglichen, insgesamt aber soll die Gesamtdauer inklusive des Master-Studiums bei zehn Semestern bleiben", wurde er weiter zitiert.

Der rheinland-pfälzische Bildungsstaatssekretär, Michael Ebling geht nach eigenen Worten davon aus, dass die Reform der Bachelor-Studiengänge breite Zustimmung unter den Ländern findet. Es seien einige Fehler zu korrigieren, die bei der Umsetzung des nach wie vor notwendigen Bologna-Prozesses entstanden seien. Zu viele Teilprüfungen, eine Studienorganisation, die Module so ungünstig verknüpfe, dass die Studierbarkeit in Frage stehe, und eine fehlende Flexibilität in Bezug auf die Studiendauer, seien Beispiele dafür. Bewegen müssten sich jetzt sowohl die Hochschulen als auch die Länder, sagte Ebling im Südwestrundfunk.

Befreiungsschlag

Angesichts der geplanten Änderungen an der Studienreform sprach der Vorsitzende des Akkreditierungsrates, der Jenaer Romanist Reinhold Grimm, der Zeitung Die Welt gegenüber von einem Befreiungsschlag, der die Verschulung der Studiengänge aufhalte und rückgängig mache. Der Akkreditierungsrat ist für die Zulassung der Bachelor-Studiengänge zuständig.

Studenten hatten in den vergangenen Wochen massiv die hohe Prüfungsdichte, eine Überfrachtung der Inhalte und eine zu weitgehende Verschulung der Studiums kritisiert. In Bonn versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 3000 Demonstranten. Sie trugen Transparente wie "Ohne Bildung keine Zukunft" oder "Gemeinsam laut für bessere Bildung". Die Studenten - sie waren in Bussen, Bahnen und in einem "Bildungsboot" aus Mainz angereist - wollten zum Tagungsort der KMK marschieren und dort lautstark ihre Forderungen präsentieren.

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