Auswandern Arbeiten in der Schweiz, wohnen in Deutschland

Für wen sich die Jobsuche im Nachbarland lohnt.

Das Auswandern in die Schweiz wird einfacher: Vom 1. Juni an gelten für Deutsche und Bürger aus 19 weiteren Staaten Europas keine jährlichen Obergrenzen mehr, wenn es darum geht, sich länger bei den Eidgenossen niederzulassen und dort zu arbeiten. Das durften bisher nur 15.000 Europäer pro Jahr.

Arbeiten in der Schweiz, wohnen in Deutschland

Beliebtes Ziel deutscher Auswanderer: Zürich

(Foto: Foto: pixelquelle)

Zum Zuckerschlecken wird das Übersiedeln mit Sack und Pack dadurch aber nicht: Wer einen Job finden will, sollte gut qualifiziert sein. Und die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe ist vor allem in den Städten weiter schwer.

Vergleichsweise gute Chancen, eine Anstellung zu bekommen, haben Handwerker und Beschäftigte der Hotellerie und Gastronomie, sagt Uta Witte von der Evangelischen Auslandsberatung in Hamburg. Wer bisher nur hin und wieder hinterm Tresen gejobbt oder in anderen Bereichen nur oberflächliche Kenntnisse hat, sollte sich aber keine zu großen Hoffnungen machen: An Hilfskräften ist in der Schweiz kein Mangel.

"Gefragt sind Facharbeiter", sagt Christiana Tings vom Raphaels-Werk in Hamburg, das unter anderem Menschen berät, die zum Arbeiten ins Ausland ziehen möchten.

Über offene Stellen informieren sich Auswanderwillige am besten in Onlinebörsen, rät Witte - etwa auf dem offiziellen Portal www.rav.ch der Direktion für Arbeit. Es gibt aber auch Branchen-Börsen, etwa für für das Hotel- und Gaststättengewerbe (www.union-helvetia.ch). Die Bewerbungen gehen dann direkt an die Unternehmen. Alternativ kann eine in der Schweiz tätige Zeitarbeitsfirma eingeschaltet werden.

Die Aufenthalts- und damit die Arbeitsbewilligung erteilt laut Tings das "Migrationsamt" des Kantons. Wer nur einen befristeten Arbeitsvertrag hat, wie es gerade in Hotels oft der Fall ist, erhält zunächst auch nur eine "Kurzaufenthaltsbewilligung" für die Dauer des Vertrags, maximal für ein Jahr. "Die generelle Aufenthaltsbewilligung gilt für unbefristete Verträge, ist fünf Jahre gültig und wird automatisch verlängert." Erst dann können Ausländer eine so genannte Niederlassungsbewilligung, eine unbefristete Genehmigung, beantragen.

Generell können Deutsche laut Uta Witte weiterhin davon ausgehen, dass sie in der Schweiz mehr verdienen als hier zu Lande, aber etwas weniger als die Schweizer. Das gelte vor allem für Anstellungen im Handwerk. "Dann kann man kann schon mit 10 Prozent weniger Gehalt rechnen." Wer seinen Job über eine Zeitarbeitsfirma bekommen hat, werde im Gegensatz zur Praxis in Deutschland nach Tarif bezahlt.

Neben den Gehältern liegen aber auch die Lebenshaltungskosten im Nachbarland deutlich oberhalb des deutschen Niveaus. "Die Mieten sind extrem hoch", sagt Uta Witte - vor allem in großen Städten wie Zürich oder Basel. Dem entsprechend ist es dort auch weitaus schwieriger, eine Wohnung zu finden, die das eigene Budget nicht sprengt.

Je nach Standort des Arbeitgebers kann es deshalb sinnvoll sein, den Wohnsitz in den äußersten Süden Deutschlands zu verlegen und zu pendeln. "Sozialversicherungspflichtig werden Sie dann in der Schweiz, und steuerpflichtig bleiben Sie in Deutschland, weil Sie dort wohnen", erklärt Rolf Eichin vom Verein Grenzgänger Info in Lörrach. Mussten Pendler bisher in einem der an Deutschland grenzenden Kantone arbeiten, geht dies künftig im ganzen Land.

Wer trotzdem lieber in die Eidgenossenschaft ziehen möchte, sollte die von Kanton zu Kanton unterschiedlich hohen Steuern bedenken. Dies kommt daher, dass neben den Bundes- auch Kantons- und Gemeindesteuern erhoben werden, wie es auf dem Portal zur beruflichen Mobilität des Netzwerks European Employment Services (EURES) heißt. "Es gibt da breite Spannen", sagt Uta Witte. Als besonders "teuer" gilt Basel, als "billig" der Kanton Zug. Wer im einem Kanton lebt und in einem anderen arbeitet, zahlt seine Steuern grundsätzlich am Wohnort.