Noch vor zwei Jahren haben ausländische Forscher Deutschland gemieden. Politik und Wissenschaft setzen jetzt das wirksamste Lockmittel ein: Geld.
(SZ vom 3./4.5.2003) Gut zwei Jahre ist es her, dass das Bild vom hässlichen Deutschland auch in der akademischen Welt sichtbare Auswirkungen hatte. Übergriffe rechter Schlägertrupps und der Streit um die Zuwanderung ließen das Interesse ausländischer Wissenschaftler an einem Forschungsaufenthalt hier zu Lande sinken. Viele Hochschulen und Forschungsinstitute mussten mit Schrecken registrieren, dass nicht nur der eigene Spitzennachwuchs lieber in die USA, nach Australien oder Kanada ging - sondern dass auch weniger Wissenschaftler von dort hierher fanden.
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Interesse der ausländischen Forscher wächst
Jetzt scheint zumindest der zweite Negativtrend gestoppt. Deutschland ist für viele ausländische Wissenschaftler offenbar wieder erste Wahl. Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Forscher aus aller Welt fördert, beobachtet gerade unter hochqualifizierten Wissenschaftlern ein größeres Interesse, für mehrere Monate oder gar Jahre ins Land zu kommen. "Besonders für die Elite ist Deutschland attraktiver geworden", formuliert AvH-Präsident Wolfgang Frühwald die positive Botschaft, die so gar nicht zum allgemeinen Jammern über den Standort passt.
Wirksames Lockmittel: Geld
Der Erfolg hat mehrere Gründe, und wie so oft spielt auch diesmal Geld eine erhebliche Rolle. Politik und Wissenschaft versuchen neuerdings mit großem Aufwand, Forscher aus dem Ausland anzulocken. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) spendierte dafür alleine der Humboldt-Stiftung seit 2001 fast 50 Millionen Euro. Mit dem Geld, das aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen stammt, legte die Stiftung die beiden höchstdotierten Forschungspreise auf, die hier zu Lande je vergeben wurden. Um für drei Jahre in Deutschland zu arbeiten, erhielten 14 Spitzenforscher aus den USA, Australien oder Russland jeweils bis zu 2,3 Millionen Euro - das Doppelte der Nobelpreis-Summe -, 29 Nachwuchsforscher wurden mit bis zu 1,2 Millionen Euro gelockt.
Schlechtere Bedingungen in den USA
Im "weltweiten Wettlauf um die besten Köpfe", so Frühwald, profitiert Deutschland freilich nicht nur von den eigenen Anstrengungen. Im traditionell beliebtesten Forscher-Gastland, den USA, haben sich nach den Terroranschlägen vom 11. September auch für ausländische Wissenschaftler die Einreise- und Arbeitsbedingungen erheblich verschlechtert. "Viele Forscher, die früher selbstverständlich nach Amerika gegangen wären, kommen jetzt nach Europa und hier vor allem nach Deutschland", sagt Frühwald.
Belasteter Alltag in Deutschland
Was nicht heißt, dass hier alles zum Besten steht. Bei einem Wettbewerb um die "freundlichste Ausländerbehörde" stieß die Humboldt-Stiftung zuletzt zwar auf "überraschend viele positive Beispiele". Ärger um Visa und Aufenthaltsgenehmigungen, Probleme bei der Wohnungssuche und eine, so Frühwald, "latente Ausländerfeindlichkeit" belasten aber noch immer den Alltag vieler ausländischer Forscher.
Liebste Städte
Diese sind übrigens ausgesprochen wählerisch, wenn es um ihre Gastorte geht. Ein jetzt veröffentlichtes Ranking der Humboldt-Stiftung zeigt: Absolut gesehen zieht es die meisten ausländischen Forscher nach München und Berlin - was freilich auch mit dem Duft der großen weiten Welt zu tun haben dürfte. Wenn es um den fachlichen Ruf geht, liegt die Provinz vorn: Gemessen an ihrer Größe und der Zahl ihrer Professuren ziehen die Universitäten Konstanz und Heidelberg die meisten Forscher aus der Ferne an.
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