Ausländische Fachkräfte über Arbeiten in Deutschland"Jaja bedeutet bei euch nein"

Plötzlich müssen sie zu ihren Kollegen "Sie" sagen, ihren Urlaub ein Jahr im Voraus festlegen und die Stöckelschuhe zu Hause lassen: Was ausländische Arbeitnehmer in Deutschland erleben.

Die Debatte um die Integration ausländischer Arbeitskräfte ist in vollem Gange. Trotz drohenden Fachkräftemangels wird der kulturelle Hintergrund einzelner Bewerber plötzlich zum Thema. Zahlreiche Berufsabschlüsse aus dem Ausland werden hier nicht anerkannt, wer in Deutschland arbeiten möchte und nicht aus einem EU-Land oder der Schweiz kommt, muss schon vor der Einreise eine Stelle vorweisen können. "Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist grundsätzlich auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt und bedarf grundsätzlich der vorherigen Zustimmung der Arbeitsverwaltung", warnt das Auswärtige Amt.  Wer diese Hürden überwunden hat und schließlich doch für ein deutsches Unternehmen arbeitet, steht vor einer neuen Herausforderung: dem deutschen Arbeitsalltag.  Wir haben zehn Angestellte aus dem Ausland nach ihren Erlebnissen befragt.

Vanja Sinanovic-Absmaier aus Bosnien-Herzegowina, Quality Management Consultant, Allianz, München. Sie arbeitet seit fünf Jahren in Deutschland, seit vier Jahren ist sie bei der Allianz.

"Die Arbeitswelt in Deutschland kommt mir viel förmlicher vor als in den meisten anderen Ländern. Zum Beispiel gibt es zu jeder Besprechung eine offizielle Einladung, sogar das "Networking" ist formalisiert. Eine weitere erstaunliche Lernerfahrung für mich war es, dass es für alles ein Formular oder einen Prozess gibt. Ganz gleich ob du Büromaterial, Urlaub, einen Besprechungsraum oder sogar einen Mentor brauchst, Du musst einfach nur ein Formular ausfüllen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Deutschen immer schon im Vorhinein an alles gedacht haben. Auch in der Freizeit werden Regeln mit Disziplin verfolgt. Wenn ich mit dem Fahrrad nur das kurze Stück zur Post auf der falschen Straßenseite fahre, weil ich nicht zweimal die Straße überqueren will, warnt mich jeder, sogar die Frau, die auf der Straße Blumen verkauft.

Die Bürokleidung ist ähnlich wie daheim. Aber es dominieren doch eher dunkle Farben, denn meinen Kollegen fallen immer meine roten oder orangenen Jacken auf.

Die größten Vorteile des Arbeitslebens hier sind die Arbeitsbedingungen. Die Anzahl der Urlaubstage, die Wahrung der Arbeitnehmerrechte, Fortbildungen und das Arbeitsumfeld finde ich großartig."

Bild: Allianz 12. Oktober 2010, 17:462010-10-12 17:46:55 © sueddeutsche.de/joku/bön