Von Thomas Öchsner

Der demographische Wandel verbessert die Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Doch es gibt zu viele Altbewerber.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2001 über der Zahl der unversorgten Bewerber gelegen. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2009 hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Der Bericht, mit dem sich das Bundeskabinett an diesem Mittwoch befasst, zeigt aber auch, dass es weiter große Probleme mit Altbewerbern gibt. Dabei handelt es sich um Jugendliche, die noch keine Lehrstelle bekommen haben und deshalb Warteschleifen drehen müssen. Der Berufsbildungsbericht wird vom Bundesbildungsministerium veröffentlicht.

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Azubi: Ausländische Jugendliche haben es besonders schwer. (© Foto: ddp)

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Auf den ersten Blick hat sich demnach die Lage auf dem Lehrstellenmarkt zuletzt entspannt. Vom 1. Oktober 2007 bis zum 30. September 2008 wurden bundesweit 616.259 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies zwar 9626 Verträge weniger. Da aber die Zahl der Bewerber deutlich abgenommen hat, habe sich "das Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiter verbessert", heißt es in dem Bericht. Zum spürbar helleren Bild der Statistik trägt somit ein demographischer Effekt bei: In den neunziger Jahren gingen die Geburtenraten zurück, die Kinder der Nachwendezeit gehen von den Schulen ab, und deren Zahl sinkt. Laut dem Berufsbildungsberichts verließen deshalb 2007 etwa 32.300 Jugendliche weniger die allgemein bildenden Schulen.

Zusagen übertroffen

Wegen der demographischen Veränderungen verläuft die Entwicklung in den alten und neuen Bundesländern allerdings höchst unterschiedlich. In Ostdeutschland sank die Zahl der Ausbildungsverträge um 9,0 Prozent auf knapp 114.000. In Westdeutschland verzeichnet der Bericht ein Plus von 0,3 Prozent auf gut 500.000 Ausbildungsverträge.

Zum Wachstum im Westen trugen offenbar auch Initiativen der Wirtschaft im Rahmen des nationalen Pakts für Ausbildung bei. Demnach wurden die Zusagen der Unternehmen im vergangenen Ausbildungsjahr weit übertroffen. "Statt der zugesagten 60 000 wurden 86 500 neue Ausbildungsplätze eingeworben; statt 30 000 fanden sich 52 700 neue Betriebe zur Ausbildung bereit", heißt es in dem Bericht.

So hat sich wie schon in den Vorjahren die Zahl der noch unversorgten Bewerber deutlich verringert, auf 14.479. Gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungsplätze, für die Unternehmen keinen geeigneten Kandidaten fanden, aber auf knapp 20.000 deutlich gestiegen. Die Bundesregierung sieht deshalb weiter "Handlungsbedarf": Hauptproblem sind die sogenannten Altbewerber. Der Berufsbildungsbericht führt fasst 82.000 registrierte Jugendliche auf, die zum Beispiel ein Praktikum begonnen haben oder sich für einen Beruf weiterqualifizieren, aber mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit (BA) weiter nach einer Lehrstelle suchen. Insgesamt tauchten nach den Daten der BA 2008 etwa 320.000 Altbewerber auf, die die Schule bereits im Vorjahr oder früher verlassen haben. Das entspricht ungefähr der Hälfte der gesamten Lehrstellenaspiranten im vergangenen Jahr.

Geringe Ausländerquote

Aus den Bericht geht weiter hervor, dass es ausländische Jugendliche besonders schwer haben. Sie verlassen nicht nur doppelt so häufig wie deutsche Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Auch in der Berufsausbildung sind sie stark unterrepräsentiert. So lag die Quote junger Ausländer, die sich 2007 in einer Ausbildung befanden, mit 23,9 Prozent deutlich unter der deutscher junger Leute mit 57,6 Prozent. Dies sei jedoch nicht "auf mangelndes Interesse der Jugendlichen zurückzuführen". Ihre Chancen, eine Lehrstelle zu ergattern, seien "wesentlich geringer".

Wie bereits zuvor der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet das Bundesbildungsministerium damit, dass das Angebot an Lehrstellen 2009 weiter sinken wird. Wie stark die Wirtschaftskrise auf den Ausbildungsmarkt durchschlagen wird, lässt der Bericht aber offen. Die stellvertretende DGB-Chefin Ingrid Sehrbrock bezeichnete die Lage als besorgniserregend. "Wir dürfen nicht nur über Banken und Autos reden, sondern müssen konkrete und schnelle Maßnahmen zum Schutz der Lehrlinge ergreifen", sagte Sehrbrock.

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(SZ vom 1.4.2009/bön)