Von T. Schultz und R. Preuß

Bildungsministerin Schavan verspricht Geld für den Aufbau islamischer Studiengänge. Die ersten Universitäten melden bereits Interesse an.

Politiker von Bund und Ländern wollen möglichst rasch Islam-Institute an deutschen Universitäten aufbauen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte entsprechende Empfehlungen des Wissenschaftsrats, über die die SZ berichtet hatte.

ddp, Islam, Unterricht

Islamischer Religionsunterricht - wie hier in einer Grundschule in Hannover - wird in Deutschland nicht flächendeckend angeboten. Künftig sollen mehrere Universitäten Islam-Institute einrichten, an denen Lehrer ausgebildet werden. (© Foto: ddp)

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Der Bund werde sich finanziell beteiligen, sagte Schavan. Sie werde sich für eine zügige Umsetzung des Konzepts einsetzen. Die "Institute für Islamische Studien", die an zwei oder drei deutschen Universitäten entstehen sollen, seien für eine "moderne Integrationspolitik" sehr wichtig, sagte Schavan der SZ.

2000 Lehrer benötigt

Nach den Plänen des Wissenschaftsrats sollen die Institute dazu beitragen, Imame und islamische Religionslehrer in Deutschland auszubilden. Nach den Berechnungen des Rats werden 2000 Lehrer benötigt, um bundesweit islamischen Religionsunterricht für die etwa 700.000 muslimischen Schüler anbieten zu können.

Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), sprach von "erheblichem Gestaltungswillen" der Länder bei dem Thema. Im Konzept des Wissenschaftsrats stecke "eine Agenda für die Kultusminister", sagte Olbertz, der die Verwaltungskommission des Rats leitet. Dort sind die Fachminister der Länder vertreten. Der Aufbau der Institute müsse "rasch vonstatten gehen", sagte Olbertz, der auch Koordinator der unionsregierten Länder in der Kultusministerkonferenz ist.

Nach Informationen der SZ haben die Universität Münster und eine Hochschule in Baden-Württemberg bereits Interesse angemeldet, Standort eines Islam-Instituts mit mindestens vier Professoren zu werden. In Münster gibt es schon einen kleinen Studiengang für Islamische Religionslehre. Die Uni wolle auch eine "Plattform für einen interreligiösen Dialog" schaffen, sagte Rektorin Ursula Nelles. Münster ist der bundesweit größte Standort für die christliche Theologie.

Sowohl Schavan als auch Olbertz sagten, man müsse die Verbände der Muslime beim Aufbau der Institute einbinden, auch wenn es Konflikte geben könnte. Die Pläne sollen demnächst in der Deutschen Islamkonferenz besprochen werden, die 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble eingerichtet wurde, um einen Dialog zwischen dem Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen zu organisieren.

Gelehrte aus dem Ausland

Das Konzept des Wissenschaftsrats sieht vor, an den jeweiligen Universitäten "Beiräte für Islamische Studien" einzurichten, in denen Vertreter der muslimischen Verbände, aber auch nicht-organisierte muslimische Persönlichkeiten vertreten sein sollen. Die Beiräte würden bei der Gestaltung der Studiengänge und der Auswahl von Professoren mitbestimmen. Schavan plädierte dafür, auch erfahrene islamische Gelehrte aus dem Ausland für die Beiräte und für die geplanten Lehrstühle zu gewinnen.

Der Vorsitzende des Dachverbandes Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, unterstützte den Vorstoß des Wissenschaftsrats. In den Beiräten der Institute dürften aber nicht nur muslimische Organisationen vertreten sein: "Wenn es um eine neue Deutung des Islam für die moderne Gesellschaft geht, müssen auch säkulare Muslime mit am Tisch sitzen", sagte Kolat.

Die TGD ist der größte Migrantendachverband in Deutschland. Ihm gehören viele türkische Einwanderer an, die eine klare Trennung zwischen Staat und Islam befürworten. Auch die Grünen unterstützten das Konzept des Wissenschaftsrats. Es sei nicht gut für die Integration, wenn Imame nur aus dem Ausland kämen, sagte der Grünen-Politiker Volker Beck. Nötig sei eine rechtliche Gleichstellung des Islam mit dem Christentum.

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(SZ vom 01.02.2010/jab)