Astronautin gesucht Job mit besten Aussichten

Arbeitsplatz mit Aussicht: Eine Deutsche soll in den nächsten Jahren die Möglichkeit bekommen, auf der ISS zu arbeiten.

(Foto: ESA via Getty Images)
  • Eine private Initiative will die erste deutsche Astronautin ins All schicken.
  • Bis Ende April können sich interessierte Frauen bewerben, die dann ein Auswahlverfahren durchlaufen.

Nur eine kann die Reise ins All antreten, nur eine kommt auf die Internationale Raumstation ISS, nur eine kann Deutschlands erste Astronautin werden. Was klingt wie ein Werbetrailer für die nächste Casting-Sendung, ist ein ernstgemeintes Projekt.

Noch vor 2020 wolle man die erste Deutsche in den Weltraum schießen, teilt der Personaldienstleister für Luft- und Raumfahrtspezialisten, HE Space, mit. Das Unternehmen ist eine Art Zeitarbeitsfirma, die auch die Europäische Weltraumorganisation (Esa) mit Ingenieuren versorgt.

Bisher konnten elf deutsche Männer den Weltraum erkunden. "Der zwölfte deutsche Mensch sollte ein Frau sein", sagt die Geschäftsführerin von HE Space, Claudia Kessler. "Ich habe super ausgebildete promovierte Ingenieurinnen kennengelernt, die Astronautin werden wollen. Doch eine offizielle Ausschreibung ist nicht in Sicht", begründete sie den Start ihrer Initiative.

Für die Mission kommen Frauen mit einem abgeschlossenen Studium der Naturwissenschaften oder Medizin infrage. Sie können sich bis zum 30. April bewerben und müssen Tests durchlaufen. Im Oktober will das Unternehmen zwei Finalistinnen bekanntgeben, die sich zur Astronautin ausbilden lassen. Eine von ihnen soll bis 2020 den Flug zur ISS antreten.

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Welche Ziele das Projekt verfolgt

Das Projekt ist ein teures Vorhaben: Nach Kesslers Schätzungen würde die Aktion zwischen 30 und 40 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung steht noch nicht fest. Das Geld soll durch Sponsoring und Crowdfunding zusammenkommen. Doch mehrere Organisationen, darunter das europäische Netzwerk "Women in Aerospace" unterstützen die Initiative.

Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) steht hinter Kesslers Vorhaben. Gerade in naturwissenschaftlichen Fächern würde Nachwuchs dringend benötigt, vor allem weiblicher, erklärt DLR-Chefin Pascale Ehrenfreund. Eine solche Idee könne nicht nur die Raumfahrt beliebter machen, sondern auch jungen Frauen Lust auf ein naturwissenschaftliches Studium.

Die Mission soll auch medizinischen Zwecken zugutekommen: Besonderheiten des weiblichen Körpers in der Schwerelosigkeit sollen untersucht werden. "Bislang liegen zu wenig Untersuchungen zur Physiologie von Astronautinnen vor", sagt Hanns-Christian Gunga, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Physiologie der Charité Berlin und Leiter dieser wissenschaftlichen Tests. Er will herausfinden, wie das Herz-Kreislaufsystem, die Muskulatur oder die Körpertemperatur von Frauen auf die Bedingungen im All reagieren.

Wer hinter der Idee für das Casting steckt

HE-Space-Chefin Claudia Kessler, die auch als Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) arbeitet, ist in Expertenkreisen gut bekannt. Sie selbst hätte gern den Traum gelebt, den sie nun einer anderen Frau ermöglichen will.

Als Vierjährige verfolgte sie gebannt die Mondlandung im Fernsehen. Die Faszination Weltall ließ sie nicht los: Sie studierte Luft- und Raumfahrt in München, wollte Astronautin werden. Mitten im Studium tat sich eine Möglichkeit auf: eine Ausschreibung für einen Flug ins All. Doch gefragt war ein abgeschlossenes Studium. Kesslers Studium war nicht zu Ende, der Traum platzte. Es griff Plan B: ein Job als Weltraum-Managerin.

Wie das Astronautinnen-Programm abläuft

Bis Ende April können sich interessierte Frauen bewerben. Das private Auswahlverfahren sei nicht weniger anspruchsvoll als das reguläre: Die Aspirantinnen müssen neben dem Studium drei Jahre Berufserfahrung vorweisen und werden bei psychologischen und medizinischen Prüfungen auf Herz und Hirn gecheckt. Auch Sportlichkeit, eine gewisse Abenteuerlust und passende Hobbys seien gefragt. Hoch im Kurs: Klettern, Höhlenwandern oder ein Pilotenschein, sagt Kessler.

Im Herbst stellt sie die Kandidatinnen für die Endrunde vor. Anderthalb Jahre lassen sich die beiden Finalistinnen dann im russischen Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum zur Astronautin ausbilden. Auf dass eine von ihnen dann "das Ticket to Space" löst, wie es auf der Projekt-Homepage heißt, - und mit Sicherheit auch den einen oder anderen Magazintitel ziert.