Krude Rollenspiele und versteckte Kameras: Viele Firmen wählen Mitarbeiter im Assessment-Center aus - doch das befördert vor allem Selbstdarsteller.
Es war die Idee mit der Schusswaffe, die dem Kandidaten das Jobangebot brachte. Das Szenario war so: Zu sechst in einer Höhle eingeschlossen, das Wasser steigt, nur einer kann gerettet werden. "Sie haben 30 Minuten Zeit, um zu entscheiden, wer von Ihnen der Glückliche sein soll", erklärte der Testleiter.Als die Gruppe sich schließlich auf den Jüngsten geeinigt hatte, zog der letztlich erfolgreiche Teilnehmer eine imaginäre Pistole und erzwang sich so den Weg in den Rettungskorb. Solche Tatkraft überzeugte den Arbeitgeber.
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In unprofessionellen Assessment-Centern zählt häufig nur der oberflächliche Eindruck. Das führt zu falschen Personalentscheidungen. (© Foto: iStock)
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Die Qualität sinkt
Drei von vier Unternehmen setzen Studien zufolge auf Assessment-Center. Mit diesen aufwendigen Verfahren sollen die besten Bewerber für einen neuen Job oder eine Beförderung zuverlässig erkannt werden. Doch mit der steigenden Popularität des Verfahrens sinkt auch die Qualität der Ergebnisse. Und wenn Jobbewerber von ihren Erfahrungen mit Assessment-Centern berichten, sind oft seltsame Geschichten zu hören - von kruden Rollenspielen, versteckten Kameras oder Fragen nach Duschgewohnheiten.
"Assessment Center werden mehr und mehr von Nicht-Fachleuten durchgeführt werden, die zu wenig von Diagnostik verstehen", sagt der Psychologe Heinz Schuler von der Universität Hohenheim. Deren Fehler sei es, der eigenen Beobachtung zu vertrauen statt wissenschaftlicher Arbeit. Als Schuler kürzlich gebeten wurde, das Assessment-Center eines großen Unternehmens zu evaluieren, befand er, dass jede zweite Entscheidung falsch war: "Es waren nur oberflächliche Eindrücke von Personen entstanden. Die Validität war gleich null."
Geradezu lachhaft
Für geradezu lachhaft halten Wissenschaftler viele Persönlichkeitstests, die auf dem Markt angeboten werden. Viele von ihnen basierten noch auf der bald 100 Jahre alten Typentheorie von C.G. Jung, sagt Martin Kersting, Mitglied des Testkuratoriums der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen. In seriösen Tests werden hingegen die fünf Persönlichkeitsmerkmale gemessen, die sich in der wissenschaftlichen Psychologie als die "Big Five" etabliert haben: emotionale Stabilität, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, soziale Verträglichkeit und Extraversion.
Für ein Unternehmen auf Personalsuche ist es daher schwer, ein geeignetes Assessment-Center zu finden. Viele unseriöse Anbieter betrieben Etikettenschwindel, warnt Christof Obermann, Mitglied im Arbeitskreis Assessment Center (AKAC) und Wirtschaftspsychologe an der Rheinischen Fachhochschule Köln. "Da werden zehn Hochschulabsolventen an einem Tag zusammengesteckt und lediglich eine Gruppendiskussion und eine Präsentation gemacht. Das ist kein Assessment Center."
"Eingestellt wird der, den ich Ihnen sage"
Wenig hilfreich sei es auch, wenn Führungskräfte des Unternehmens selbst im Assessment-Center mit dabei sind. Der Personalpsychologe Rüdiger Hossiep von der Universität Bochum und Experte für Eignungsdiagnostik hat häufig erlebt, wie Manager alle Einwände professioneller Assessoren ignorierten und die Teilnehmer durchsetzten, von denen sie überzeugt waren. Besonders in Erinnerung ist ihm die Aussage: "Sie können hier veranstalten, was Sie wollen, aber eingestellt wird der, den ich Ihnen sage."
Dabei gibt es seit 2002 sogar eine DIN-Norm für die Eignungsdiagnostik, denn eigentlich ist gut erforscht, wie ein ideales Assessment-Center aussehen sollte. Zum Verfahren gehören Gruppendiskussionen, Übungen, in denen Arbeitssituationen simuliert werden, Rollenspiele, Präsentationen und Fallstudien sowie verschiedene Tests. Dazu kommen Einzelinterviews mit den Bewerbern und die Analyse biographischer Daten. "Keines dieser Instrumente reicht allein aus - die Gesamtschau ist entscheidend", betont Hossiep. Bei Intelligenztests geht es um die kognitive Kompetenz, beim Abarbeiten eines Postkorbs um Zeitmanagement und schnelles Entscheiden.
Gefährliche Stereotype
Vor allem aber müssen die Prüfer - die sogenannten Assessoren - gut geschult sein. "Ein typischer Fehler ist, dass Beobachter auf Stereotype hereinfallen", sagt Hossiep. Sie halten etwa jemanden für kontaktfreudig, nur weil er Mannschaftssport macht. Eine voreilige Schlussfolgerung, denn genauso gut könnte es sein, dass jemand Fußball spielt, weil er zu schüchtern ist, um jenseits des Spielfeldes jemanden kennenzulernen.
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@Sepp58:
so kritisch ich aus meiner beruflichen Erfahrung heraus ACs auch sehe, in einem muss ich Sie korrigieren: "Assessment Center" sind keine amerikanische, sondern ein DEUTSCHE Erfindung... die Reichswehr fing in der Weimarer Republik damit an, Offizierslaufbahnen von Hintergründen wie sozialem Status zu lösen und nach vermeintlicher Eignung zu entscheiden. Spätestens ab 1927 konnte niemand mehr Offizier werden, der nicht das "heerspsychologische Auswahlverfahren" durchlaufen hat...
Aussortieren nach Schleimspur!
Duckmäuser und Radfahrer sind genau die ,die unsere Wirtschaft vor die Wand setzen und Deutschland zum Angepassten Insel machen!
Viele die sich als Talent erwiesen haben waren schlecht in der Schule wie zb.Einstein.Ein Schleimer wäre der beste Mann im Patentamt geworden aber er wäre nie auf die E= MC2 gekommen.
Deutschland wird von solchen Suuper Typen regiert bei denen ein angepasst sein mehr zählt als Kreativität und Rückgrad
Jeder Mist aus den USA wird hier bei den scheintoten zum Renner!Wieso wohl?
Man könnte auch eine Dartscheibe an die Wandhängen wie Prof. Sinn seine wirtschafts Voraussagen macht um Bewerber zu finden!
Das ist doch einfach die überspitzung der Dummheit solche Assessment Center!
Gute Bewerber werden wegen eines Tests eventuell nicht genommen!
wer nicht weiß was er will (in diesem Fall der Arbeitgeber) bekommt eben das was er verdient hat.
Und was den Satz angeht, dass mancher Bewerber froh sein kann, einen Job nicht bekommen zuhaben, kann ich dem nur zustimmen. Ich habe in den ersten fünf Jahren meines Berufslebens weit über 100 Bewerbungen geschrieben, war dreimal arbeitslos und habe neun Arbeitsverträge unterschrieben. Mein Fazit: gerade WENN die Menschen die über einen bestimmen können, in einer solchen Position der Stärke sind, sollte man sich genau angucken, auf wen oder was man sich einlässt. Selten hat man im übrigen auch sowenig zu verlieren wie wenn man in die Kategorie "rumgeschubste Massenware" gehört (in meinem Beruf war das damals üblich). Wer sich statt sich das bewusst zu machen immer williger immer extremer verbiegt, um ja eine Stelle zu bekommen, wird sicher eins nicht finden: die Stelle mit der er selber dauerhaft leben kann. Und wer das in der Mühle nicht lernt, dem kann man dann auch nicht mehr helfen
Solche Schwätzer und Spinner sind auch nur an der Spitze eines Unternehmens zu ertragen.
Wenn die meisten Unternehmen nicht aus pragmatischen und grundsoliden Fachleuten bestehen würde, hätte uns diese elitäre Kaste von Selbstdarstellern schon längst in den Ruin getrieben.
Schwund haste eben überall. Wird aber auch mit durchgezogen.
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