Das Pflichtprogramm haben wir für heute zwar geschafft. Aber dafür laufen wir nun beim Essen zur Kür auf - und die zählt nicht weniger. Jeder von uns ahnt, dass uns der bohrende Blick der Personaler bis zum Esstisch folgt.
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Hinter der Fassade aus freundlichen Gesichtern und dem Geplauder über die Qualität der Schweinsmedaillons verbirgt sich verbissene Anstrengung, die sich vereinzelt in übertriebenen Lachern oder verunsicherten Blicken der Teilnehmer bemerkbar macht. Nicht Austausch, sondern Ausstechen ist die Devise beim Plausch mit den Mitbewerbern.
"Worüber könnten wir bloß als nächstes reden?" schießt mir durch den Kopf, während ich mich bemühe, im Gespräch mit meinem Tutor möglichst entspannt zu wirken. Passenderweise unterhalten wir uns über psychologische Spielchen beim Assessment Center. "Nein, so was machen wir nicht", streitet er ab. Allein die Leistung zählt, versichert er mir. "Und wozu sitzt du dann bei uns am Tisch?", würde ich ihn am liebsten fragen.
Abends verschont uns ein wichtiges Fußball-Länderspiel vor weiterem Small-Talk. Ich freue mich auf neunzig Minuten Pause von der ungeahnt anstrengenden Selbstdarstellung. Wie sieht bloß die Abendgestaltung bei Assessment Centern aus, die nicht in Zeiten wichtiger Sportturniere stattfinden?
Pause ist erst, wenn man schläft
"Wer abends eine Auszeit nimmt, ins Kino oder ins Bett geht, hat schon verloren. Der Idealkandidat sucht die Nähe der Prüfer und sammelt interessiert parlierend jede Menge Sympathiepunkte", steht in meinem Bewerbungsratgeber.
Aber schweigend Fußball-EM schauen wird ja schon erlaubt sein? Zu früh gefreut: Eine Gruppe von fünf Kandidatinnen verlässt den Fernsehraum unseres Hotels, um das Spiel in der nahegelegenen Kneipe zu verfolgen - und dabei ein paar Bierchen mit den Tutoren zu trinken. Sie haben anscheinend den gleichen Bewerbungsratgeber wie ich. Sofort weicht meine Entspannung. Mitgehen oder bleiben?
Am liebsten würde ich sofort ins Bett. Aber könnte ich bei der Vorstellung schlafen, dass meine Rivalen zwischenzeitlich mit den Tutoren die Freundschaft fürs Leben schließen? Nur der Typ, den wir alle nur noch den "unentspannten Nerd" nennen, hat es gewagt, das Schlachtfeld noch vor Anpfiff zu verlassen und sich zum Lernen in sein Zimmer zurückzuziehen.
Mit zwei anderen Teilnehmerinnen mache ich mich schließlich auf, um der Kneipen-Gruppe zu folgen, und weiß nicht, ob ich die Aktion kindisch oder clever finden soll. "Kindisch", denke ich, als wir beim Heraustreten aus der Hoteltür direkt in die Arme der zurückkehrenden Biergarten-Fraktion laufen. Sie haben die Gaststätte nicht gefunden. Unsere strategischen Verfolgungspläne stehen unangenehm offensichtlich im Raum.
Ich merke mir: Pause ist beim Assessment-Center erst dann, wenn man schläft.
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Wettmanipulation im Fußball
"Weg von der Beobachtung, der falschen Freundlichkeit und der Angst, mich ständig unangemessen zu verhalten."-
Hab ich im Job über Jahre getan und kann diese Haltung wirklich nicht weiterempfehlen.
Viel Glück und Erfolg wünscht Ihnen
Otto Bufonto
Ich finde diesen Artikel sehr interessant, vor allem, weil er am Ende das 'Abschieben' so betont...
Natürlich muss man irgendwie eine Auswahl treffen, fraglich ist für mich aber, inwieweit jemand mit einer Absage erhobenen Hauptes gehen kann...
Vielleicht sollte man nicht nur über das Recht auf Arbeit als Teil der Menschenwürde diskutieren, sondern auch eine angemessene Form der Auswahl von Arbeitenden...
[ohne jetzt dieses Assessment-Center genau zu kennen - es ist eher eine grundlegende Anfrage...]
Vermutlich nicht so clever, daß die Kandidatin ausgerechnet beim Abschlußgespräch nicht richtig hingehört hat...
Welche Schülerzeitung hat denn im Herzen Berlins dieses Assessment Center abgehalten ?
Nach dem Informationsgehalt dieses Artikels zu urteilen, war die Ebtscheidung, die Autorin nach der ersten Runde des Feldes zu verweisen, goldrichtig....selten so gegähnt !