Risiko Sozialneid
Anzeige
Böhles Kollege Ernst Kistler, Direktor am Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie in Augsburg, schlägt eine andere Lesart vor. "Wer sich im mittleren Management mit seiner Arbeit unzufrieden zeigt, gilt heute als nicht leidensfähig und läuft Gefahr, über kurz oder lang draußen zu sein. Und wer sagt, er habe einen tollen Job, riskiert Sozialneid. Den seiner Kollegen und den seiner Mitarbeiter, die ja unter wachsendem Leistungsdruck stehen. Da heißt es dann: Seine Leute klagen über die Arbeitsbelastung, und er jubelt? Diese vermutete Wahrnehmung glaubt sich niemand leisten zu können."
In einer Welt, in der Tempo und ständige Veränderung mit Verbesserung gleichgesetzt werden, muss sich das persönliche Image passgenau einfügen. "Man hat immer weniger Zeit, um durchzuatmen", sagt Böhle und fragt: "Wie soll man da das Rentenalter von 67 erreichen?"
Darüber machen sich Meike Boos und Johan Jorry keinen Kopf. Sie freuen sich, mal mehr, mal weniger, auf jeden neuen Arbeitstag. Wer darüber lächelt, bekommt ein Lächeln zurück.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
(SZ vom 6.9.2008/bön)
DFB-Torhüter ter Stegen
"Wer sich in seiner Arbeit spürt, den Sinn dahinter versteht, anerkannt wird, Einfluss nehmen und finanziell davon gut leben kann, ist nach Meinung von Arbeitswissenschaftlern mit seinem Job zufrieden."
--------------
Welch cornucopia des Wissens wird uns hier eröffnet!