Arbeitszeiten in Deutschland Sechs-Tage-Woche wird Alltag

Samstagsarbeit und Nachtarbeit wird für immer mehr deutsche Arbeitnehmer Alltag. Laut einem neuen Bericht des Statistischen Bundesamtes verbringen zudem immer mehr Vollzeitbeschäftigte immer mehr Zeit im Job.

Die Deutschen arbeiten immer öfter auch am Wochenende und in der Nacht. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden legt in seinem Bericht "Qualität der Arbeit" dar, dass im vergangenen Jahr fast ein Viertel (24,5 Prozent) aller deutschen Beschäftigten auch samstags gearbeitet haben. 1996 seien es noch etwa 20 Prozent gewesen. Auch der Anteil der Nachtarbeiter habe sich in den 15 Jahren um fast drei Prozent erhöht.

In seiner Untersuchung zeigt das Statistische Bundesamt zudem, dass Vollzeitbeschäftigte immer mehr arbeiten: Mit 40,7 Stunden seien sie etwa 40 Minuten pro Woche länger im Job als noch vor fünfzehn Jahren. Besonders lange Arbeitszeiten haben der Statistik zufolge Selbstständige und Führungskräfte. Damit liegt Deutschland leicht über dem Mittelwert der europäischen Mitgliedstaaten mit 40,4 Arbeitstunden pro Woche. Die Dänen (37,7 Stunden), die Iren und Norweger (jeweils 38,4 Stunden) arbeiten zum Beispiel deutlich weniger.

Teilzeitbeschäftigte hingegen haben dem Bericht zufolge weniger Arbeit als noch vor 15 Jahren: Ihre durchschnittliche Arbeitszeit sei um eine auf 18,2 Stunden gesunken. In diesem Zeitraum haben immer mehr Deutsche in Teilzeit gearbeitet, ihr Anteil sei von 14 auf 27 Prozent gestiegen. Dies habe dazu geführt, dass die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätiger auf 35,5 Stunden gesunken ist.

Zum Trend der zunehmenden Samstagsarbeit zeigen sich die Gewerkschaften bestürzt. Wer am Wochenende arbeite, müsse sich "oft noch mehr gehetzt fühlen", sagte Annelie Buntenbacht, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) der Süddeutschen Zeitung. Der DGB hatte in den 1950er Jahren die Fünf-Tage-Woche durchgesetzt.

Fast 20 Prozent der jungen Deutschen arbeiten in befristeten Verträgen

Der Bericht untersucht auch andere Arbeitsbedingungen: So zeigt die Statistik, dass inzwischen 19 Prozent der 19- bis 34-Jährigen nur noch befristete Arbeitsverträge haben. Vor 15 Jahren waren es noch etwa zehn Prozent.

Nach Ansicht der Linkspartei dokumentiert der Bericht "die traurigen Resultate von 15 Jahren Deregulierung des Arbeitsmarkts", so Jutta Krellmann, die Arbeitsmarktexpertin der Linksfraktion im Bundestag. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (SPD) forderte die Bundesregierung auf, der Entwicklung des Arbeitsmarkts entgegen zu steuern. "Regulierung von Leih- und Teilzeitarbeit und eine gerechte Bezahlung bei angemessenen Arbeitsbedingungen sind notwendig, um den Trend zu stoppen", sagte Kolbe.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht Zeitarbeit und Befristung als "Alternativen zu einer Lockerung des Kündigungsschutzes, der für die Unternehmen kaum durchzusetzen ist". Dies könnte sich wegen des zunehmendes Fachkräftemangels in den nächsten Jahren ändern: "Firmen versuchen, gute Leute länger an sich zu binden".