Eine Studie der EU zeigt, dass die Deutschen mehr arbeiten als die meisten anderen Europäer - und viele Überstunden leisten. Gewerkschaften rechnen, vor, dass so 800.000 Vollzeitjobs ersetzt werden.
Deutsche Arbeitnehmer verbringen im Schnitt deutlich mehr Zeit in ihrem Job als die meisten ihrer europäischen Kollegen. Das hat eine Studie der Europäischen Union (EU) auf der Basis von Zahlen aus dem Jahr 2008 ergeben. Demnach liegt Deutschland mit einer tatsächlichen Arbeitszeit von 41,2 Wochenstunden unter den Spitzenreitern in Europa.
Überstunden: Die Spanne zwischen tatsächlicher und vereinbarter Arbeitszeit ist hierzulande besonders groß. (© Foto: dpa)
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In nur sechs EU-Ländern wird mehr gearbeitet, zum Beispiel in Tschechien (41,7), in Polen (41,7) oder in Österreich (41,6). Rumänien führt mit 41,8 Stunden Arbeit in der Woche die Tabelle an. Am wenigsten legen sich die Franzosen ins Zeug, die durchschnittlich auf 38,4 Wochenstunden kommen. Die Zahlen hat die in Dublin ansässige EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zusammengestellt.
Große Zahl an Überstunden
Geht man davon aus, wie viel nach Tarifverträgen im Schnitt gearbeitet werden sollte, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Hier liegt Deutschland mit 37,6 Wochenstunden im unteren Drittel des EU-Vergleichs. Die Spanne zwischen tatsächlicher und vereinbarter Arbeitszeit ist hierzulande also besonders groß. Pro Woche arbeiten die Deutschen im Schnitt 3,6 Stunden mehr, als von den Tarifparteien festgelegt wurde. Nach Ansicht von Gewerkschaftern liegt das daran, dass sich immer weniger Betriebe an den Tarifverhandlungen beteiligen - und an der großen Zahl der Überstunden.
Gewerkschafter plädieren dafür, die vorhandene Arbeit deswegen auf eine größere Zahl von Menschen zu verteilen. "Überstunden sind eine höhere Belastung für die Arbeitnehmer und verschlechtern gleichzeitig die Chancen der Beschäftigungssuchenden", sagte Reinhard Dombre vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Mehr als 1,3 Milliarden bezahlter Überstunden zählte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das Jahr 2008. Wenn die Tarifvereinbarungen eingehalten würden, hätte ein deutscher Vollzeitbeschäftiger laut EU-Studie rund 1650 Stunden Arbeit im Jahr. Damit würden knapp 800.000 Vollzeitjobs derzeit durch Mehrarbeit ersetzt, rechnet Dombre vor.
Unbezahlte Mehrarbeit
"Der eigentliche Skandal ist aber, dass viele Arbeitsstunden, die zusätzlich geleistet werden, gar nicht abgerechnet werden", sagte der Gewerkschafter weiter. Diese sogenannten grauen Überstunden werden nicht registriert, den Arbeitnehmern nicht ersetzt und sie sind nicht statistisch erfasst. Arbeitsmarktforscher befragen hierzu aber regelmäßig die Beschäftigten selbst. "Aus diesen Befragungen kann man ableiten, dass die Zahl der unbezahlten Überstunden in etwa gleich groß ist wie die Zahl der bezahlten", sagte Eugen Spitznagel, Arbeitsmarktforscher beim IAB.
Spitznagel warnte jedoch davor, die Ergebnisse der EU-Studie mit Zahlen aus dem Jahr 2008 auch für dieses oder kommendes Jahr zu erwarten. "Die Arbeitszeit wird 2009 und 2010 deutlich runtergehen, und zwar sowohl die tatsächliche als auch die vereinbarte Arbeitszeit", sagte er. Überstunden würden vor allem in wirtschaftlich guten Zeiten geleistet und im Abschwung drastisch zurückgenommen. Aufgrund der Krise zeichne sich ab, dass in vielen Betrieben nun Arbeitszeitverkürzung ausgehandelt werde, sagte Spitznagel. Nur noch in wenigen Betrieben würden Überstunden geleistet, und auch dort ging die Mehrarbeit immer weiter zurück. "Vergangenes Jahr haben wir noch den Aufschwung gespürt. Die EU-Studie wird kommendes Jahr ganz anders aussehen", vermutet er.
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(SZ vom 1.8.2009/bön)
Debatte über Urheberrecht
"Eine Studie der EU zeigt, dass die Deutschen mehr arbeiten als die meisten anderen Europäer - und viele Überstunden leisten"
Diese Aussage ist schlichtweg falsch!
Zwar ist es richtig das die Deutschen gemessen in Wochenarbeitszeit überdurchschnittlich viel arbeiten. Absolut - gerechnet in Jahresarbeitsleistung - jedoch unterdurchschnittlich wenig leisten.
"Die deutschen Beschäftigten haben 2008 demnach 1650 Stunden im Jahr gearbeitet. Der Durchschnitt in der EU lag bei 1744 Stunden. Am kürzesten arbeiten die Franzosen (1568 Stunden), am längsten die Rumänen (1865 Stunden). Auch die meisten anderen neuen Mitgliedstaaten und Griechenland haben Arbeitszeiten von mehr als 1800 Stunden. Österreicher liegen auf dem zwölften Rang und arbeiten damit noch mehr als Spanier und Briten." (FAZ)
Auch wenn in diesem Artikel vielleicht lediglich das Problem der relativ langen Wochenarbeitszeit aufgezeigt werden sollte wäre für eine ökonomisch sinnvolle Betrachtung die absolute Arbeitsleistung bedeutend.
Schade das die SZ-Wirtschaftsredaktion immer wieder wackelige Artikel dieser Art veröffentlicht.
Meine Frage an die SZ ist nun, wurde hier wieder einmal lediglich schlecht recherchiert oder sollte durch die bewusste Unterschlagung von Fakten linke Wirtschaftspolitik betrieben werden (dies unterstelle ich hier, der SZ-Autor wird ja grundsätzlich qualifiziert sein in der Wirtschaftsredaktion zu arbeiten)?
Mit freundlichen Grüßen
Ich arbeite seit nunmehr 5 Jahren in Frankreich und durch meine Heirat wird das auch noch einige Zeit so bleiben. Ich würde jedoch wahnsinnig gerne wieder in Deutschland arbeiten. Soviel vorweg.
Denn so wie es in diesem Artikel hingestellt wird, dass Franzosen angeblich so wenig arbeiten, ist falsch. Tatsächlich spaltet sich hier die arbeitende Gemeinschaft in 2 Lager: in die, die studiert haben, und in die anderen. Die Akademiker haben nämlich meistens gar keine Wochenstundenanzahl zu arbeiten, sondern soundsoviele Tage im Jahr. Die meisten anderen haben Wochenstundenverträge, Gleitstundenmöglichkeit und evtl. Überstundenbezahlung. Daher kann man gar nicht sagen, dass die Franzosen nur soundsoviele Stunden in der Woche arbeiten, weil das bei den Akademikern gar nicht erfasst wird. Mein Arbeitszettel sagt nur "an diesem Tag gearbeitet oder nicht". Überstunden werden seitens des Arbeitgebers sehr gerne gesehen, aber nicht bezahlt. Wenn dann die Art der Arbeit nicht so gefällt, liegt es nahe, dass natürlich nicht so viele Überstunden erbracht werden... ich kenne aber viele (darunter mein Mann), die sich mächtig ins Zeug legen und Überstunden machen wie die Bescheuerten, weil "man das als Akademiker halt so macht" (Zitat einer hiesigen Freundin).