Unversöhnliche Positionen

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Der Vorschlag der Minister ließ außerdem den einzelnen EU-Staaten freie Hand, die Bereitschaftsdienste etwa von Ärzten oder Feuerwehren in "aktive" und "inaktive" Zeiten aufzuteilen. Nur die aktiven Zeiten wären dann voll als Arbeitszeit gerechnet worden. In Deutschland gilt der Bereitschaftsdienst grundsätzlich als Arbeitszeit. Arbeitsminister Olaf Scholz hat schon früh angekündigt, dass es dabei bleibt - egal, wie die Regelung auf europäischer Ebene ausfallen werde.

Eine neue Arbeitszeitordnung in Europa ist aber erst einmal in weite Ferne gerückt. Angesichts der unversöhnlichen Positionen von Ministerrat und Parlament wird ein Vermittlungsverfahren sicher lange dauern und nicht in den nächsten sechs Monaten unter tschechischer EU-Präsidentschaft abgeschlossen sein. "Wir wollen eine Arbeitszeit-Richtlinie, die keine Schlupflöcher gegen unmenschlich lange Wochearbeitszeiten zulässt", bekräftigte die grüne EU-Abgeordnete Elisabeth Schroedter.

Tief besorgt reagierte dagegen die Unternehmerlobby BusinessEurope auf das Votum des Parlaments. "Die Wettbewerbsfähigkeit" der europäischen Wirtschaft stehe auf dem Spiel, befand deren Generalsekretär Philippe de Buck. Das Parlament verweigere den Unternehmen "die Flexibilität, die sie brauchen". EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla bot sich bei der Suche nach einem Kompromiss als "ehrlicher Makler" an.

Sanktionsverfahren drohen

Kommt keine Einigung zustande, so bleibt es bei der gegenwärtigen Arbeitszeit-Richtlinie. Spidla hätte dann die undankbare Aufgabe, Sanktionsverfahren gegen viele EU-Staaten einzuleiten, die Bereitschaftsdienste nicht voll als Arbeitszeit anrechnen. Der EU-Gerichtshof in Luxemburg sieht dafür jedoch im geltenden Gesetz keinen Spielraum.

Die Abgeordneten Anja Weisgerber (CSU) und Thomas Mann (CDU) setzen nun darauf, dass bei den weiteren Beratungen zwischen EU-Regierungen und Europaparlament die Tarifvertragsparteien stärker ins Spiel kommen. "Sachgerecht" wäre es, wenn auch in anderen EU-Staaten die Gewerkschaften mitbestimmen könnten, ob und wann Klinikärzte, Feuerwehrleute, Polizisten oder Sozialarbeiter länger arbeiten dürfen, "so wie es in Deutschland bereits geschieht".

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(SZ vom 18.12.2008/bön)