Mehr als 48 Stunden soll in Europa niemand arbeiten müssen, so will es das EU-Parlament. Damit steht auch die deutsche Regelung mit Bereitschaftsdiensten von bis zu 65 Stunden auf der Kippe.
Die Arbeitsminister der 27 EU-Staaten befürchten wegen der Finanz-und Wirtschaftskrise einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Situation werde sich in den kommenden Monaten deutlich verschärfen, warnten viele Minister am Mittwoch anlässlich einer Ratstagung in Brüssel. "Wir müssen handeln und wir müssen schnell handeln", sagte der französische Arbeitsminister Xavier Bertrand.
Ärztedemonstration gegen Überstunden: Eine neue Arbeitszeitordnung in Europa ist aber erst einmal in weite Ferne gerückt. (© Foto: dpa)
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Am gleichen Tag stimmte das EU-Parlament in Straßburg für die Beibehaltung der Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche ohne Ausnahme und für die volle Anrechnung von Bereitschaftsdiensten auf die Arbeitszeit. Der Schutz der Arbeitnehmer müsse Priorität haben, so die Abgeordneten.
Nostalgische Forderungen
Zwei Signale aus Europa, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen. Denn in Krisenzeiten dürfte bei den meisten Beschäftigten das Interesse für eine strikte Einhaltung der zulässigen Wochenarbeitsstunden in den Hintergrund rücken. Die meisten wären wohl mit Mehrarbeit einverstanden, wenn nur der Arbeitsplatz erhalten bleibt. Forderungen nach garantiert freien Sonntagen oder der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirken inzwischen fast schon nostalgisch.
Das Europaparlament jedoch zeigte sich unbeeindruckt von den heraufziehenden schlechten Konjunkturdaten. Es versammelte sich hinter einem "eindeutigen Bekenntnis zum Sozialen Europa", so die SPD-Abgeordnete Karin Jöns.
Am Tag vor der Abstimmung hatten in der Elsass-Metropole tausende Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude für "würdige Arbeitsbedingungen" und gegen einen "Rückfall in die Zeit von Charles Dickens" protestiert. Nach der Abstimmung sprach der spanische Sozialist Alejandro Cercas von einem "Sieg für drei Millionen Ärzte und Medizinstudenten".
Keine Ausnahmen
Damit hat das Parlament den Beschluss der Sozialminister zur künftigen Regelung der Arbeitszeit erst einmal gekippt. Die Minister hatten sich deutlich flexibler gezeigt als die Abgeordneten. Sie fanden zwar auch, dass die seit 1993 geltenden 48 Stunden pro Woche (einschließlich Überstunden) auf ein Jahr gerechnet in der gesamten EU die Norm bleiben sollten.
Allerdings hätten Arbeitnehmer individuell höhere Arbeitszeiten bis zu 60 Wochenstunden vereinbaren können. Bestimmte Bereitschaftszeiten eingerechnet, hätte die Arbeitszeit auch bei 65 Stunden pro Woche liegen können. Das Parlament aber will solche "opt outs" verbieten, die bisher von Großbritannien und einer Reihe von weiteren Staaten, darunter auch Deutschland, genutzt werden.
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Union debattiert über Familienpolitik
Ohne Frage: Der Vergleich Arzt-Pilot hinsichtlich vertretbarer Arbeitszeiten ist o.k., die Anpassung ärztlicher Arbeitszeiten an diese Standards absolut wünschenswert. Das Einkommen von Assistenzärzten sollte jedoch ebenfalls vergleichbar sein (Einstiegsgehalt Arzt 3420 brutto nach mind. 6 Jahren Studium, ca. 20 /Stunde brutto).
So lange sich hier nichts ändert und Zuverdienst durch Mehrarbeit wegfällt, werden unsere Jung-Ärzte weiter auswandern oder besser dotierte nicht klinische Tätigkeiten aufnehmen. Durch Arbeitszeitreduzierung zusätzlich auszuweisende Arztstellen sind zu derzeitigen Konditionen nicht qualifiziert besetzbar mangels Masse (=Ärzten). Fachärzte sind heute schon kaum noch auf dem Arbeitsmarkt.
Wer die Verbesserung der Versorgung durch Ärzte fordert, muß in die Tasche greifen, und zwar in die eigene! Das sollte jedem klar sein. Die Gesellschaft muß im Konsens determinieren, was ihr die Dienstleistung wert ist. Jeder einzelne wird dann mit der Konsequenz daraus zu leben haben.
(@Redaktion: Bitte teilen Sie mir doch mal mit, welcher unintelligente Prozeß meinen ersten Kommentar rasiert hat, Danke!)
"Viele von denen sind so gehirngewaschen bzw. geldgeil bzw. eingeschüchtert, dass es für die anderen schwierig ist, noch ein normales Leben zu führen."
Das ist das eigentliche Problem bzw. die große Sicherheit für alle skrupellosen, rücksichtslosen und unsozialen Arbeitgeber: Ein paar schwache Mitglieder der Belegschaft üben durch ihr kritikloses Duckmäusertum oder karrieregeile Windschnittigkeit einen derartigen Gruppenzwang und sozialen Druck aus, daß der Rest gezwungen ist, mitzuziehen. Solange dieser Teufelskreislauf nicht von denkenden, selbstbewußten und selbstbestimmten Menschen unterbrochen wird, hat man arbeitgeberseitig fast alle Freiheiten: "Wo kein Kläger, da kein Richter".
Es scheint so zu sein, daß die Menschen erst mal wieder einige Jahre durch die Hölle gehen müssen, bis sie aufwachen und für ihre Menschen-Rechte kämpfen.
Und um gleich vorab einer stereotypen Manager-Argumentation zu begegnen: "Ihr Einsatz sichert Arbeitsplätze" - Schwachfug! Mit einem intelligenten, vorausschauenden, ethischen Management und wertgeschätzten, qualifizierten, motivierten Mitarbeitern kommt ein Unternehmen gar nicht erst in eine Situation, die Arbeitsplätze gefährden könnte.
Für alle andere Berufe, bei denen das Risiko besteht, dass Personen zu Schaden kommen können, gibt es rigorose Arbeits- und Ruhezeitvorschriften. Taxi- und LKW-Fahrer, Lokführer, Piloten und andere haben vorgeschriebene Ruhezeiten, an welche sie sich halten müssen. Die maximale Lenkzeit für ein LKW-Fahrer beträgt 9 Stunden, hält er sich nicht daran, so wird er strafrechtlich verfolgt, und dies mit gutem Grund. Dass Ärzte nach 12, 24, oder sogar 48 Stunden im Halbschlaf noch an Patienten herumschnipseln dürfen, ist ein Skandal sondergleichen. Durch diese masslose Selbstüberschätzung sind schon Tausende von Patienten geschädigt oder getötet worden, und man lässt diese Herren munter weiterwursteln. Da hilft nur eins: Ruhezeitkontrollen einführen bei einer maximalen Arbeitszeit von 8 Stunden und Überschreitungen konsequent einklagen, mit hammerharten Strafen. Die Politik muss jetzt endlich durchgreifen, oder möchten Sie von einem Arzt behandelt werden, der schon 12 Stunden durchgearbeitet hat? Zu einem solchen Piloten würde sich zu Recht niemand ins Flugzeug sitzen.
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Ich freue mich auch, wenn ich meine Frau (Neurologin) wieder öfter zu sehen kriege.
Jedoch bezweifle ich, dass diese Regelung viel Anklang findet.
Denn es gibt sehr viele, vor allem junge Ärzte, die Überstunden scheffeln, da das normale BAT-Gehalt eines Nicht-Chefarztes ja nicht so viel ist. Ich weiß von einem Bekannten, einem Handchirurgen, der vom Chefarzt gefragt wurde, ob noch jemand eingestellt werden soll, damit die Überstundenzahl schmilzt. Das wurde von allen Beteiligten abgelehnt. Noch Fragen? Wer solche Kollegen hat, braucht eine gute Interessenvertretung. Viele von denen sind so gehirngewaschen bzw. geldgeil bzw. eingeschüchtert, dass es für die anderen schwierig ist, noch ein normales Leben zu führen.
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