Dürfen Mitarbeiter im Job privat ins Netz? Wenn ja, wie lange? Firmen bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone und wissen selbst oft nicht, was sie verbieten dürfen. Das führt zu völlig kruden Verträgen.
50 Millionen Euro - die Zahl klingt gewaltig. 50 Millionen Euro, so viel Schaden entsteht laut Landesrechnungshof Berlin den einzelnen Bezirksämtern, weil dort die Mitarbeiter zwei Drittel der Zeit, die sie im Internet verbringen, privat surfen. Die Stadt Freiburg machte gar den massenhaften privaten Download von Filmen und Musik für die Überlastung ihres Netzwerkes verantwortlich. Angeblich erfolgen auch 70 Prozent der Zugriffe auf Sex- und Pornoseiten während der Arbeitszeit.
Während der Arbeitszeit bei Ebay mitsteigern: Rund 36 Prozent der Angestellten surfen im Job auch privat. (© Foto: dpa)
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Der Bonner Informationsdienst "Neues Arbeitsrecht für Vorgesetzte" beziffert den Schaden durch privates Surfen am Arbeitsplatz für die deutsche Wirtschaft auf 54 Milliarden Euro - jährlich. Und der Produktivitätsverlust soll bei 50 Prozent der Arbeitsleistung liegen.
Rechtliche Grauzone
Die schnelle Geburtstags-E-Mail an den Freund, die Flugbuchung für das lange Wochenende oder die Auktion bei Ebay - das gehört inzwischen für viele Arbeitnehmer zum Büroalltag dazu. Rund 36 Prozent der Angestellten surfen im Job auch privat, ergab eine Umfrage der Job-Börse Monster. Doch Arbeitgeber, die einschreiten wollen, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone.
Grundsätzlich kann ein Unternehmen seinen Mitarbeitern jederzeit verbieten, das Internet für private Zwecke zu nutzen. "Computer und Netzzugang sind Eigentum der Firma", bestätigt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg und Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein. "Deshalb kann er selbst bestimmen, wofür es eingesetzt werden soll. Arbeitnehmer haben keinen Rechtsanspruch auf privates Surfen." Verstößt ein Mitarbeiter gegen solch ein Verbot, führt das zu einer Abmahnung.
Verträge aus dem Internet
Doch solch ein generelles Verbot empfinden viele Unternehmen als nicht mehr zeitgemäß. Zudem legen verschiedene wissenschaftliche Studien nahe, dass Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz ab und zu mal privat ins Internet gehen, nicht weniger arbeiten als ihre Kollegen. Im Gegenteil: Kurze Online-Pausen erhöhen die Effektivität, die Surf-Erlaubnis steigert Motivation und Bindung an das Unternehmen.
Zahlreiche Firmen wissen das - und wollen doch nicht das Risiko eingehen, das private Surfen komplett zu gestatten. Also schließen sie mit ihren Mitarbeitern Zusatzvereinbarungen ab, die häufig seltsam anmuten und rechtlich keinesfalls wasserdicht sind. "Manchmal bekommt man den Eindruck, da wurden einzelne Google-Treffer einfach zusammengesetzt. So etwas hat vor einem Arbeitsgericht auf keinen Fall Bestand", sagt Arbeitsrechtler Eckert.
So sind Klauseln, die das private Surfen und E-Mail-Schreiben verbieten, aber gleichzeitig eine Ahndung dieses "Vergehens" ausschließen, unwirksam. "Da wird mit Scheinvereinbarungen versucht, die geltende Rechtslage zu umgehen", bestätigt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter. "Das wäre so, als ob man eine Parkuhr aufstellt, aber kein Knöllchen verteilt, wenn jemand nicht zahlt." Ein Verbot bleibe ein Verbot. In diesem Falle habe der Arbeitgeber auch das Recht, die E-Mails zu lesen. "Sie werden dann wie Geschäftspost behandelt."
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Letztendlich zählt für mich bei meinen Leuten, welche Ergebnisse sie in welcher Zeit abliefern.
Solange das stimmt, ist gegen Surfen auch nichts einzuwenden. Wenn jemand unterfordert ist und Zeit hat, dann liegt es m.E. am Chef, der ihm die Aufgaben gibt. Soll er/sie dann den halben Tag Löcher in die Luft starren? Kritisch wird es erst, wenn die Arbeit unter dem Surfen leidet oder dem Unternehmen größere Kosten/Schäden entstehen.
Abgesehen davon sind die produktivsten Leute in den wenigsten Fällen die, die mit 3 Überstunden am Tag ständig gehetzt durch die Gegend hetzen.
Ein Kollege hat mir mal erzählt, solange seine nikotinabhängigen Abteilungsgenossen auf den Balkon verschwinden, gönnt er sich eine "Nichtraucherpause" in der er kurz Emails checkt, in Onlinezeitungen schaut usw...
Es ist einer der produktivsten Leute in der Firma. In dem Rahmen würde ich als Chef auch nie etwas sagen und gebe sogar offen zu, dass ich derlei Dinge auch "zwischen Tür und Angel" erledige, weil es einfach einen kurzen Augenblick Erholung bedeutet.
Bei einem anderen Kandidaten habe ich jedoch beobachtet, dass er eigentlich ständig in irgendwelchen Foren herumgeistert und teilweise den ganzen Tag surft. Sein Chef meinte auch schon verzweifelt zu mir, dass er immer den Internet Explorer wegklickt, sobald er sich seinem Schreibtisch nähert. "Ärger" gab es allerdings nur, weil die Arbeitsleistung nicht stimmt.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass auch Internetforen einen gewissen Suchtfaktor haben. Von daher würde ich entsprechende Seiten durchaus sperren, wenn ich merke, dass auch nur einzelne Kollegen davon nicht mehr wegkommen.
WolfgangM62:
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß man bei der SZ dem eigenen Werbespruch "Seien Sie anspruchsvoll" dann doch mal gerecht wird. Man könnte sich ja z.B. am Spiegel aber auch an der FAZ orientieren.
Ansonsten gebe ich Ihnen ja recht, daß es nicht darauf ankommt, wieviel Zeit man im Büro sitzt, sondern welches Ergebnis dabei herauskommt.
Ausgangspunkt für meine Kommentare war aber der Hinweis, daß im Öffentlichen Dienst umfassend während der Dienstzeit gesurft wird. Und das geht mich als Steuerzahler dann schon was an, welche Leistung ich für mein Geld bekomme. Meine Erfahrung ist, daß nur widerwillig und unter Hinweis auf Arbeitsüberlastung geleistet wird. Diese Überlastung läßt sich dann reduzieren, wenn die Zeit eben nicht versurft wird. Unabhängig davon, daß auch ich meine Arbeitszeit reduzieren könnte, wenn ich weniger Steuern bezahlen müßte.
Wenn Ihnen die gebotene Qualität bei SZ-Online nicht ausreicht, warum sind Sie dann auf dieser Seite. Ganz abgesehen davon gilt meine Aussage natürlich auch für andere Medien.
Ansonsten fiel mir ein früherer Text von Ihnen auf. "Man hat in der Arbeitszeit keinen privaten Interessen nachzugehen." Im Prinzip ok, aber ein bisschen veraltet. Riecht nach Stempeluhr. Einen guten Arbeitgeber interessiert, was man im Monat in welcher Qualität abliefert und nicht, welche genaue Zeit man dazu benötigt. Es soll Leute geben, die doppelt so effektiv wie andere arbeiten.
Glauben Sie ja nicht, dass Ihre Chefs nicht auch online Zeitung lesen!
Richtig, WolfgangM, im Small-Talk. Für mehr reicht die gebotene Qualität nicht.
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