Der Deutsche Hochschulverband hat seine Mitglieder zu ihren Arbeitsbedingungen befragt: Trotz Elite- und Exzellenz-Anspruch kann von mehr Qualität in Forschung und Lehre keine Rede sein. Die Wissenschaftler fühlen sich als Verwaltungsfachkräfte missbraucht.
"Helfen Sie uns!" "Verwaltung: zuviel, zuviel, zuviel! Befreit uns von diesen Bürokraten!" "Unter dem Motto 'Jeder evaluiert Jeden!' (und das ist nur ein Beispiel von vielen) werden gigantische Zeitvernichtungsmaschinen angeworfen, zur Selbstbefriedigung der Ministerialbürokratie. Es ist zum Heulen!!!"
Professor im Hösaal: "Dieser Universität wünsche ich mittlerweile den Untergang!" (© Foto: ddp)
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So dramatisch klingen die Klagen der Wissenschaftler, wenn sie sich zur Stimmung an den hiesigen Hochschulen äußern. Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat seine Klientel zu ihren Arbeitszeiten und -bedingungen befragt - und eine wahre Beschwerdelitanei zur Antwort bekommen.
Die Professoren müssen, so das Ergebnis, genauso viel arbeiten wie Manager in der freien Wirtschaft. 42 Prozent der 3000 teilnehmenden Wissenschaftler geben ihr Arbeitspensum mit 51 bis 60 Stunden pro Woche an, fast jeder Dritte arbeitet 61 bis 70 Stunden, knapp 15 Prozent sogar über 70 Stunden.
Doch das ist für die Dozenten nicht das eigentliche Problem. Viel schwerer als die Stundenzahl wiegen für sie die Aufgaben, mit denen sie sich im Hochschulalltag herumschlagen müssen. Nur 18 Prozent ihrer Zeit verbringen sie mit den Kernaufgaben Forschung und Lehre. Der restliche Arbeitstag ist mit Verwaltungsaufgaben vollgestopft.
Dies geht auch aus den Kommentaren zur Studie hervor, die die Verbandszeitschrift Forschung und Lehre jetzt veröffentlichte: Viele Stunden wissenschaftlich arbeiten, so die Quintessenz, wäre für die Professoren kein Problem. Doch dafür bleibt ihnen kaum Zeit angesichts einer ausufernden Bürokratisierung. Die Forscher fühlen sich erschlagen von Verwaltungsaufwand und Organisation.
Verwaltungsfachkraft mit C 4-Gehalt
"Die Verwaltung ist nicht mehr für die Wissenschaft da, sondern um Wissenschaftler zu gängeln", schreibt etwa ein Professor. Ein anderer beklagt sich über zu viele Sitzungen, ein dritter über das enge Korsett überbordender rechtlicher Regelungen. "Die Hochschulen/Länder sind auf dem besten Weg den Beruf des Hochschullehrers so unattraktiv zu gestalten, dass daneben Elite-Initiativen zur Farce verkommen."
Auch die Umsetzung des Bologna-Prozesses wird von einem Großteil für die schlechte Situation verantwortlich gemacht: "Es ist frustrierend, wenn man nur noch Bachelor- und Masterordnungen schreiben und noch mehr Prüfungen abnehmen soll. Nach sechs Jahren auf meiner ersten Professur bin ich bis ins Mark frustriert. Dieser Universität wünsche ich mittlerweile den Untergang!"
Die Professoren fordern sich mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben - Forschen und Publizieren. Das Einwerben von Drittmitteln, Ausfüllen von Anträgen und Verfassen von Gutachten nehme mittlerweile jedoch so viel Raum ein, dass dafür keine Gelegenheit mehr sei. Darunter leide auch eine gute und intensive Vorbereitung der Lehre. Warum, so fragen sich die Wissenschaftler, verbringen sie ihre Zeit mit Dingen, die sie nie gelernt haben? Eine Verwaltungsfachkraft mit einem C 4-Gehalt zu besolden, erscheint ihnen reichlich unlogisch.
In Zeiten, in denen die Universitäten mit dem Elite-Anspruch der Politik konfrontiert werden, sind die Klagen der Wissenschaftler alarmierend: Der Wettbewerb setzt die Professoren unter Druck, den wachsenden Anforderungen an die akademische Ausbildung gerecht zu werden. Wenn der Exzellenz-Wettbewerb funktionieren soll, muss er offensichtlich weniger hektisch ablaufen als bisher. Sonst, so ein Wissenschaftler, "wird das Personal verheizt." Den Dozenten werde permanent ein schlechtes Gewissen gemacht, "weil man noch nicht den Nobelpreis bekommen hat."
(sueddeutsche.de/mri)
65. Filmfestspiele Cannes
"Bildung und Forschung ist soviel im Argen, da könnte man jede Woche einen Schocker raushauen! Aber irgendwie scheint es keinen zu interessiere."
Stimmt allerdings!
Ein Bekannter von mir hat bei einem Prof promoviert, bei dem die Doktoranden normalerweise ca. fünf Jahre nach Beginn des Doktorandenstatus- nach vielen Projekten, betreuten Seminaten, etc.- mit ihrer eigentlichen Doktorarbeit ANFINGEN!
Vielleicht sollten wir diese Geschichten mal sammeln, wenn sie schon in den Medien nicht stattfinden...
Andere Geschichten von meinem Seminar fielen mir auch ein, aber hier wird ja gleich geschlossen...
Bei der Beurteilung eines gesamten Berufsstandes ist es gefährlich zu sehr zu pauschlisieren und zu vereinfachen. Es mag durchaus eine ganze Reihe von Fällen geben, in denen sich Professoren auf Kosten der Doktoranden, Habilitanden oder anderer subalterner Mitarbeiter einen vergleichsweise lockeren Lenz machen. Es mag auch eine Reihe von Fällen geben, in denen Professoren arrogant agieren, beratungsresistent sind oder auch nur ans Abzocken und ans Publizieren denken, oder an jedewede Form das eigene Ego aufzupolieren. Ich denke Professoren sind im Schnitt in keiner Weise anders als der Durchschnitt der restlichen Bevölkerung. Alle Professoren über einen Kamm zu scheren ist genauso richtig wie jeden Arbeitslosen als arbeitsscheu zu bezeichnen oder jeden Beamten als faul oder ... was auch immer.
Das individuelle Verhalten der Professoren hängt möglicherweise auch davon ab, in welcher Fakultät man sich eben befindet. All die in früheren Kommentaren aufgezählten charakterlichen Defekte, die den Professoren pauschal angelastet werden kann ich in keiner Weise bestätigen. Dabei spreche ich lediglich von den mir bekannten Ingenieurfakultäten. Ich habe keine Ahnung wie das in anderen Fakultäten aussieht. Bestätigen kann ich dagegen, dass es eine Reihe von (Ingenieur-) Professoren gibt, die zwischen 60 und 70 Stunden die Woche arbeiten und derern Engagement für Lehre oder Forschung oder Administration in keiner Weise honoriert wird.
Cetero Censeo ... die Habilitation gehört abgeschaft, weil vor allem die Rehabilitation so schwierig ist.
Es gibt so'ne und so'ne.
Bitte keine Pauschalurteile. Ich denke, den meisten Hochschulllehrern ist klar, dass die
Zukunft des Landes nicht in den Ordinariengremien sitzt sondern in den Hoersaelen.
Kürzung.
Bei der Ausschüttung der Personalmittel geht das Land davon aus, daß eine gewisse Fluktuation herrscht, d.h. z.Bsp. nur 85% der Stellen im Landesdurchschnitt besetzt sind. Wenn eine Uni eine höhere Beschäftigungsquote hat, bekommt sie aber nicht mehr. Ergo wieder gelogen: Im Haushalt werden 100% ausgewiesen, es wir aber weniger ausgegeben, die Zeche muß die jeweilige Uni dann selber zahlen.
Doktoranden werden in den Naturwissenschaften früher mit 1/2 BAT2a heute 13Ü bezahlt, brutto gut 1500,- bei VOLLER Arbeit und mehr. Es ist allgemein üblich als Doktorand seine PC-Ausrüstung (v.a. Laptops ) selber zu stellen (selig sie Arbeitskreise, bei denen es besser ist).
Betreuung während der Dipl., Diss. oder gar Habil. ist nochmal ein eigenes Thema, bei dem sich einem die Fußnägel hochklappen.
Wer das System von Studium bis zur Promotion durchlaufen ist und nicht das Bedürfnis hat wegzulaufen, ist entweder naiv-dumm oder medikamentös super eingestellt.
Was ich vor allem sehr bedauerlich finde, ist die quasi nicht stattfindende Aufarbeitung in den Medien. Leider ist es eben nicht so wie man das immer bei Nano sehen kann: schön iluminierte Labore und tolle Ergebnisse zum Wohle der Menschheit. Journalisten sind doch zum größten Teil auch durch diese Mühlen gelaufen und kenne diese Bildungs-Monster doch von innen. WARUM wird diese Kiste nicht mehr auseinander genommen?! In Bildung und Forschung ist soviel im Argen, da könnte man jede Woche einen Schocker raushauen! Aber irgendwie scheint es keinen zu interessiere.
Schade!
"Trotz Elite- und Exzellenz-Anspruch kann von mehr Qualität in Forschung und Lehre keine Rede sein."
Welcher Prof interessiert sich denn bitteschoen fuer Lehre? Der Satz muesste eigentlich so lauten:
"Trotz Elite- und Exzellenz-Anspruch kann von mehr Zeit fuer Forschung keine Rede sein."
Paging