Von Julia Bönisch

Der Deutsche Hochschulverband hat seine Mitglieder zu ihren Arbeitsbedingungen befragt: Trotz Elite- und Exzellenz-Anspruch kann von mehr Qualität in Forschung und Lehre keine Rede sein. Die Wissenschaftler fühlen sich als Verwaltungsfachkräfte missbraucht.

"Helfen Sie uns!" "Verwaltung: zuviel, zuviel, zuviel! Befreit uns von diesen Bürokraten!" "Unter dem Motto 'Jeder evaluiert Jeden!' (und das ist nur ein Beispiel von vielen) werden gigantische Zeitvernichtungsmaschinen angeworfen, zur Selbstbefriedigung der Ministerialbürokratie. Es ist zum Heulen!!!"

Professor im Hösaal

Professor im Hösaal: "Dieser Universität wünsche ich mittlerweile den Untergang!" (© Foto: ddp)

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So dramatisch klingen die Klagen der Wissenschaftler, wenn sie sich zur Stimmung an den hiesigen Hochschulen äußern. Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat seine Klientel zu ihren Arbeitszeiten und -bedingungen befragt - und eine wahre Beschwerdelitanei zur Antwort bekommen.

Die Professoren müssen, so das Ergebnis, genauso viel arbeiten wie Manager in der freien Wirtschaft. 42 Prozent der 3000 teilnehmenden Wissenschaftler geben ihr Arbeitspensum mit 51 bis 60 Stunden pro Woche an, fast jeder Dritte arbeitet 61 bis 70 Stunden, knapp 15 Prozent sogar über 70 Stunden.

Doch das ist für die Dozenten nicht das eigentliche Problem. Viel schwerer als die Stundenzahl wiegen für sie die Aufgaben, mit denen sie sich im Hochschulalltag herumschlagen müssen. Nur 18 Prozent ihrer Zeit verbringen sie mit den Kernaufgaben Forschung und Lehre. Der restliche Arbeitstag ist mit Verwaltungsaufgaben vollgestopft.

Dies geht auch aus den Kommentaren zur Studie hervor, die die Verbandszeitschrift Forschung und Lehre jetzt veröffentlichte: Viele Stunden wissenschaftlich arbeiten, so die Quintessenz, wäre für die Professoren kein Problem. Doch dafür bleibt ihnen kaum Zeit angesichts einer ausufernden Bürokratisierung. Die Forscher fühlen sich erschlagen von Verwaltungsaufwand und Organisation.

Verwaltungsfachkraft mit C 4-Gehalt

"Die Verwaltung ist nicht mehr für die Wissenschaft da, sondern um Wissenschaftler zu gängeln", schreibt etwa ein Professor. Ein anderer beklagt sich über zu viele Sitzungen, ein dritter über das enge Korsett überbordender rechtlicher Regelungen. "Die Hochschulen/Länder sind auf dem besten Weg den Beruf des Hochschullehrers so unattraktiv zu gestalten, dass daneben Elite-Initiativen zur Farce verkommen."

Auch die Umsetzung des Bologna-Prozesses wird von einem Großteil für die schlechte Situation verantwortlich gemacht: "Es ist frustrierend, wenn man nur noch Bachelor- und Masterordnungen schreiben und noch mehr Prüfungen abnehmen soll. Nach sechs Jahren auf meiner ersten Professur bin ich bis ins Mark frustriert. Dieser Universität wünsche ich mittlerweile den Untergang!"

Die Professoren fordern sich mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben - Forschen und Publizieren. Das Einwerben von Drittmitteln, Ausfüllen von Anträgen und Verfassen von Gutachten nehme mittlerweile jedoch so viel Raum ein, dass dafür keine Gelegenheit mehr sei. Darunter leide auch eine gute und intensive Vorbereitung der Lehre. Warum, so fragen sich die Wissenschaftler, verbringen sie ihre Zeit mit Dingen, die sie nie gelernt haben? Eine Verwaltungsfachkraft mit einem C 4-Gehalt zu besolden, erscheint ihnen reichlich unlogisch.

In Zeiten, in denen die Universitäten mit dem Elite-Anspruch der Politik konfrontiert werden, sind die Klagen der Wissenschaftler alarmierend: Der Wettbewerb setzt die Professoren unter Druck, den wachsenden Anforderungen an die akademische Ausbildung gerecht zu werden. Wenn der Exzellenz-Wettbewerb funktionieren soll, muss er offensichtlich weniger hektisch ablaufen als bisher. Sonst, so ein Wissenschaftler, "wird das Personal verheizt." Den Dozenten werde permanent ein schlechtes Gewissen gemacht, "weil man noch nicht den Nobelpreis bekommen hat."

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(sueddeutsche.de/mri)