Von Von Jeanne Rubner

Neue Chancen für Bachelor.

Zuerst kommt der Abschluss, dann der Absolvent. Im Falle des Bachelors allerdings entsteht derzeit eine merkwürdige Schere. Der neue Abschluss wird zwar längst angeboten, die Studiengänge werden nachgefragt. Nur: Die Absolventen kommen nicht auf den Arbeitsmarkt. Gerade einmal vier Prozent der frisch gebackenen Bachelor der Fachhochschule (FH) München etwa verlassen die Hochschule. Die anderen hängen noch ein herkömmliches Diplom dran. Auch bisherige Umfragen über die Jobsituation für BA-Absolventen scheiterten, weil diese keine Stellen suchen.

Anzeige

Die Unlust der Bachelor, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen, beruht vor allem auf Unsicherheit - Unsicherheit auf beiden Seiten: Die Berufseinsteiger wissen nicht, was Arbeitgeber von ihnen erwarten. Die bisherigen Erklärungen der Arbeitgeberverbände lesen sich eher unverbindlich, nicht wenige Chefs äußern Misstrauen gegenüber angeblich schmalbrüstigen Berufseinsteigern mit nur dreijährigem Studium. Sie können zwar einschätzen, was ein Diplom-Ingenieur (FH) an Fähigkeiten mitbringt, kennen aber nicht genau die Profile der Bachelor. Wenn jedoch weder Absolventen noch Arbeitgeber voneinander überzeugt sind, könnte die flächendeckende Einführung der neuen Abschlüsse nach angelsächsischem Vorbild ernstlich gefährdet sein.

Bei BMW will man nun den gordischen Knoten von Angebot und Nachfrage zerschlagen. "Wir bestehen nicht generell auf Diplomen", sagt Ernst Baumann, Personalvorstand beim Münchner Autobauer. Dass nur ein Diplom-Ingenieur Flugzeuge oder Autos bauen könne, sei ein Vorurteil. Für die Forschung will BMW zwar weiterhin Ingenieure, Physiker oder Mathematiker mit Diplom einstellen. Doch in der Fertigung oder Qualitätssicherung gebe es viele Stellen, die bisher FH-Ingenieure besetzt hätten, jedoch wie geschaffen für Bachelor seien, sagt Christoph Zeckra von der Personalentwicklung. Eine Billiglösung soll das nicht sein, das Gehalt bei BMW hänge nicht vom Abschluss, sondern von der Position ab. Ohnehin rechne man in Zukunft mit einer verstärkten Personalentwicklung - etwa indem man den BA-Berufseinsteigern später einen Master finanziert.

Um zu bekräftigen, dass man an den neuen Abschlüssen interessiert ist, hat BMW gleich einen Anforderungskatalog entworfen. Englisch als erste Fremdsprache ist selbstverständliche Pflicht, heißt es dort, möglichst ein Viertel der Veranstaltungen sollten in Englisch stattfinden. Teamgeist ist gefragt sowie die Fähigkeit, die eigene Arbeit zu organisieren, Probleme zu lösen und komplexe Projekte mitzugestalten. Der Bachelor dürfe keineswegs als Vorstufe zum Master verstanden werden, sondern müsse das Berufsbild vollständig abdecken, heißt es in einem internen Papier.

Nun hofft man bei BMW, dass weitere bayerische Konzerne dem eigenen Beispiel folgen und sich zum Bachelor bekennen. Zusammen mit Siemens, Allianz und anderen arbeitet das Unternehmen derzeit an einem Papier, das zukünftigen Bachelors Mut machen soll.

Leser empfehlen 

(SZ vom 16.8.2004)