Arbeitsmarkt Wie ein guter Berufsstart vor Jobverlust schützt

Die "Generation Praktikum" hat es schwer auf dem Arbeitsmarkt: Viele Berufseinsteiger bekommen keine Festanstellung, hangeln sich von einem prekären Arbeitsverhältnis zum nächsten. Das ist nicht nur unbefriedigend, sondern kann weitreichende Folgen haben.

Von Thomas Öchsner

Sie jobben als Kellner, um zusätzlich Geld zu verdienen. Sie hangeln sich von Praktikum zu Praktikum. Sie getrauen sich nicht, eine Familie zu gründen, weil sie nur befristet Arbeit haben. Für viele Berufsanfänger ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt schwer. Aber war es früher besser? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) antwortet mit einem klaren Ja. "Der Trend zur Abkehr vom Normalarbeitsverhältnis hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt", sagt der Direktor des IAB, Joachim Möller.

Das Nürnberger Institut, das als Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit gilt, hat die Beschäftigungssituation von jungen Menschen genau untersucht. Das wichtigste Ergebnis: Wer eine ordentliche, sozialversicherungspflichtige, unbefristete Vollzeitstelle außerhalb der Leiharbeit bekommen will, sollte einen guten Ausbildungsabschluss haben und einen guten Start ins Berufsleben. "Gelingt ein passender Einstieg in den ersten drei Jahren nicht, ist das nur schwer zu korrigieren", heißt es in der Studie des Instituts, das in Berlin sein "Handbuch Arbeitsmarkt 2013" vorstellte.

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Die IAB-Forscher halten es für das weitere Berufsleben für entscheidend, ob die jungen Leute eine Beschäftigung finden, die dem Niveau und der fachlichen Ausrichtung ihrer Ausbildung entspricht. Dies hänge jedoch nicht allein von ihnen und ihrer Qualifikation ab. "Wer zu einem ungünstigen Zeitpunkt - etwa in einer Rezession - in den Arbeitsmarkt tritt, verdient häufig noch viele Jahre später schlechter als diejenigen, die einen besseren Startzeitpunkt erwischt haben", sagt Experte Möller. Ebenso erhöhe eine Berufswahl, die sich aufgrund der ökonomischen Entwicklung im Nachhinein als verfehlt herausstellt, die Wahrscheinlichkeit, länger arbeitslos zu sein.

Für alle jungen Erwachsenen gilt dabei: Die Chancen, eine sichere Stelle zu ergattern, sind schlechter geworden. Das IAB belegt dies mit mehreren Zahlen: Im Jahr 2000 gelang es noch 60 Prozent der jungen Menschen, sofort nach der Ausbildung eine unbefristete Vollzeittätigkeit zu erlangen. Heute trifft dies nur noch auf die Hälfte zu. Auch werden laut dem Zehn-Jahres-Vergleich immer mehr junge Leute befristet beschäftigt.

Bei den Ungelernten sind dies im ersten Jahr nach Verlassen des Bildungssystems bereits 60 Prozent, bei den Akademikern immer noch um die 40 Prozent. Außerdem hat sich Leiharbeit, gerade unter jungen Leuten, ausgebreitet: 2000 waren zwei Prozent der Absolventen drei Monate oder länger als Leiharbeiter tätig, 2005 waren dies bereits 15 Prozent. Beste Voraussetzung, um schlechten Arbeitsbedingungen zu entgehen, bleibt nach den IAB-Erkenntnissen ein möglichst hoher Abschluss.

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Dies gilt auch für Ältere: Bei den gut Ausgebildeten sind 80 Prozent der 50- bis 60 Jährigen erwerbstätig, bei den Geringverdienern nur 60 Prozent. Noch schlechter sieht es bei den 60- bis 64-Jährigen aus: Nur ein Viertel von ihnen hatte 2010 einen sozialversicherungspflichtigen Job. In dieser Altersgruppe ist die Beschäftigungsquote zuletzt stark gestiegen. Dies liege aber vor allem daran, dass jetzt eine Generation von Frauen zu den Älteren zählt, für die Arbeit schon immer selbstverständlich war, heißt es beim IAB. "Wir sehen in den Zahlen also nicht zuletzt die Abkehr vom früher vorherrschenden Alleinverdienermodell", sagt IAB-Vize-Chef Ulrich Walwei.

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