16 Prozent der deutschen Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen, weil qualifizierte Bewerber fehlen. Überdurchschnittlich trifft das Zeitarbeitsfirmen, IT-Dienstleister sowie Maschinen- und Fahrzeugbauer.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt davor, dass die Betriebe bei einem Anspringen der Konjunktur vor einem gravierenden Fachkräftemangel stehen könnten. Laut einer Studie des Verbandes, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, können bereits heute 16 Prozent der Unternehmen ihr offenen Stellen nicht besetzen. Das ist zwar deutlich weniger als vor vier Jahren, als 39 Prozent der Betriebe über dieses Problem klagten. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun wertet die Ergebnisse jedoch nur als ¸¸Ruhe vor dem Sturm". "Sinkende Zahlen von Schülern und damit der Erwerbspersonen werden Unternehmen die Besetzung von Stellen schon bald erschweren", mahnt Braun.
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Insbesondere Zeitarbeitsfirmen klagen bereits über große Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. 64 Prozent der Betriebe können offene Stellen regelmäßig nicht besetzen. Die Zahl ist deshalb interessant, weil die Branche als Frühindikator für Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt gilt. Laut der DIHK-Studie, für die 20.000 Unternehmen befragt wurden, ist die Nachfrage nach Personal in Zeitarbeitsfirmen schon deutlich größer als woanders. Der Arbeitskräftemangel zeigt sich aber auch in der pharmazeutischen Industrie, wo 30 Prozent der Betriebe über Probleme klagen. Auch IT-Dienstleister sowie Maschinen- und Fahrzeugbauer gaben mit 25 Prozent überdurchschnittlich häufig an, offene Stellen nicht besetzen zu können.
Interesse an Älteren
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wollen gemäß der Studie 56 Prozent der Firmen mehr aus- und weiterbilden. 15 Prozent der Betriebe wollen zudem verstärkt ältere Arbeitnehmer einstellen. Diese Zahl sei ein Hinweis, "dass sich auf Seiten der Betriebe allmählich ein Perspektivwechsel hin zu älteren Arbeitnehmern und eine - längst überfällige - Abkehr von verfehlten Frühverrentungsstrategien der Vergangenheit durchsetzen", heißt es in dem Bericht.
Der DIHK appelliert zugleich an die Regierung, alle Anreize zum frühen Ruhestand einzustellen. Zudem sei es ein "falsches Signal", dass die große Koalition kürzlich die so genannte 58er-Regelung verlängert habe, die älteren Erwerbslosen den Bezug von Arbeitslosengeld erleichtert. Auch rechtliche oder tarifliche Sonderregeln für Ältere, etwa beim Kündigungsschutz, gefährdeten die Chancen auf einen Job, heißt es in der Studie.
(SZ vom 18.1.2005)
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